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Bayer-Chef Baumann : „Wir hätten einige Dinge anders gemacht“

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender von Bayer, im Mai 2018 auf der Aktionärsversammlung Bild: Reuters

Der Pharmakonzern Bayer hat Erfahrung mit millionenschweren Rechtsstreitigkeiten. Deshalb will Vorstandschef Baumann für die mehr als 8700 Glyphosat-Prozesse nun die Strategie wechseln.

          Nach der Niederlage in einem Prozess vor einem kalifornischen Gericht will Bayer die weiteren juristischen Auseinandersetzungen um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat anders angehen: „Wir haben unsere Strategie angepasst, mit allem, was dazugehört,“ sagte Vorstandsvorsitzender Werner Baumann im Gespräch mit Journalisten in St. Louis. Details wollte er nicht verraten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bayer hat vor wenigen Monaten den in St. Louis beheimateten Agrokonzern Monsanto übernommen und steht damit nun auch in der Verantwortung für die juristischen Auseinandersetzungen um dessen glyphosathaltige Herbizide. Im ersten Prozess, in dem Bayer noch keine größere Rolle spielen konnte, bekam ein krebskranker Mann im August von Geschworenen 289 Millionen Dollar zugesprochen. Die Jury hielt es für erwiesen, dass Glyphosat zur Erkrankung des Mannes beigetragen und Monanto nicht ausreichend vor solchen Gesundheitsrisiken gewarnt hat. Die zu zahlende Summe wurde mittlerweile von einer Richterin auf 78 Millionen Dollar reduziert, Bayer will trotzdem in Berufung gehen. Der Konzern sieht sich mehr als 8700 Klagen gegenüber, die sich allesamt um Glyphosat drehen.

          Bayer kann sich mittlerweile selbst in die von Monsanto geerbten Rechtsstreitigkeiten einbringen. Baumann wollte zwar die Verteidigungsstrategie in dem ersten Verfahren nicht allzu sehr kritisieren, sagte aber auch, Bayer hätte „einige Dinge anders gemacht“. Er verwies darauf, dass Bayer als Pharmakonzern ungleich mehr Erfahrung mit Produkthaftung habe als dies bei Monsanto als reinem Agrospezialisten der Fall gewesen sei. Tatsächlich wurde Bayer schon wegen einiger seiner Medikamente tausendfach verklagt. Vor vielen Jahren gab es die spektakulären Fälle rund um den wegen Nebenwirkungen vom Markt genommenen Cholesterinsenker Lipobay, im Moment ist der Gerinnungshemmer Xarelto Gegenstand von mehr als 20.000 Klagen.

          Baumann argumentierte, die Berichterstattung über die Glyphosat-Klagen in den Medien habe „jede vernünftige Relation verlassen“. Gewiss hätte sich Bayer einen anderen Verlauf des Prozesses gewünscht, aber es handele sich zunächst nur um ein „einziges Urteil“ und das Unternehmen sei bereit, den Weg durch die Instanzen zu gehen. „Wir werden uns mit allen Mitteln in diesem Rechtskomplex verteidigen, und zwar entschieden.“ Glyphosat habe ein „hervorragendes Risiko-Nutzen-Profil“, und es gebe „jede Menge Studien“, aus denen hervorgehe, dass kein Kausalzusammenhang zwischen der Nutzung des Mittels und Krebserkrankungen existiere.

          Vergleiche mit Klägern wollte der Bayer-Chef zwar nicht grundsätzlich ausschließen. Dies käme aber nur dann aus wirtschaftlichen Gründen in Frage, wenn die im Raum stehende Summe „geringfügig“ sei. Etwa wie beim Teilvergleich im Umfang von 12 Millionen Dollar für Rechtsstreitigkeiten um das Verhütungsmittel Mirena, auf den sich Bayer im vergangenen Jahr einließ.

          Einen ausführlichen Bericht über Bayer und Monsanto finden Sie in der Printausgabe der F.A.Z. vom Samstag (03. November).

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