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Glyphosat-Prozess in Amerika : Richter senkt Bayers Millionen-Strafe deutlich

Der Unkrautvernichter Roundup der Bayer-Tochter Monsanto enthält Glyphosat Bild: Reuters

Bayer kann etwas aufatmen – muss dennoch noch eine Millionenstrafe in Amerika zahlen. Grund dafür ist der Prozess gegen Monsanto, das zum deutschen Pharmakonzern gehört.

          Vom Brief der Geschworenen hat sich Vince Chhabria dann doch nicht beeinflussen lassen. Der amerikanische Richter, bei dem Hunderte Einzelklagen gegen Monsanto und damit mittelbar auch dessen Mutterkonzern Bayer anhängig sind, hat eine Millionenstrafe zum Glyphosat deutlich reduziert. Schon in der vergangenen Woche hatte Chhabria durchblicken lassen, dass er die von einer Geschworenenjury verhängte Strafe von 80 Millionen Dollar für zu hoch hält. Am Montag (Ortszeit) hat er in San Francisco nun die Summe auf 25,3 Millionen Dollar (umgerechnet 22,5 Millionen Euro) reduziert. Bayer hat am Abend noch angekündigt, Berufung einzulegen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Aktienkurs von Bayer an der Wall Street stieg nach der Entscheidung an – mit einem Tagesplus von knapp 4 Prozent. Die Jury hatte im März entschieden, dass Bayer für die Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman haften müsse, der jahrelang den Unkrautvernichter Roundup von Monsanto eingesetzt hatte. Das darin enthaltene Glyphosat soll für die Krebserkrankung verantwortlich sein.

          In einem Brief hatte eine Geschworene Chhabria noch vor wenigen Tagen aufgefordert, den gegen Bayer verhängten Schadenersatz aufrechtzuerhalten. Das ging aus Gerichtsdokumenten hervor. Bayer hielt der Geschworenen Befangenheit vor.

          „Hochrisikoland“ für Produkthaftungsklagen

          Bayer bestreitet eine solche krebserregende Wirkung des Unkrautvernichters, das Unternehmen verweist auf mehr als 600 Studien, die kein Krebsrisiko festgestellt haben sollen. Die Furcht vor Glyphosat ist trotzdem groß: Mehr als 13.400 Klagen sind in Amerika gegen Monsanto anhängig; Österreich hat vor kurzem als erstes Land in der Europäischen Union den Einsatz von Glyphosat verboten, obwohl die EU-Pflanzenschutzverordnung das Mittel noch bis zum Jahr 2022 erlaubt.

          BAYER

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          Bayer geht zwar davon aus, dass „dieser Beschluss von der EU-Kommission kritisch hinterfragt und rechtlich angefochten wird“, trotzdem ist das Unternehmen weiterhin unter Druck. Die Leverkusener hatten Monsanto im Jahr 2018 für 63 Milliarden Dollar übernommen.

          Mit diesem Schritt begab sich Bayer nicht zum ersten Mal in das „Hochrisikoland“ für Produkthaftungsklagen. Auf das Risikoszenario, das eigentlich kein deutsches Unternehmen aus der produzierenden Industrie mehr unvorbereitet treffen dürfte, weisen auch die Industrie- und Handelskammern immer wieder hin.

          Besonderheit im amerikanischen Rechtssystem

          Dass Amerika sich zu einem El Dorado für hochvolumige Schadenersatzklagen gegen Konzerne entwickeln konnte, hat diverse Gründe. Zum einem liegt die  Schwelle für das Einlegen einer Klage, insbesondere auf Schadenersatz wegen eines Produktmangels, deutlich geringer als in Europa.

          Daneben bietet das amerikanische Rechtssystem die Möglichkeit eines sogenannten Strafschadenersatz („punitive damages“), der im Regelfall immer deutlich höher liegt, als die eigentliche Kompensationszahlung für einen Geschädigten. Damit sollen die Unternehmen sanktioniert werden, vor allem, da sie aufgrund niedriger Steuern und kaum anfallenden Sozialabgaben deutlich höhere Margen mit dem Verkauf und Vertrieb der Produkte erzielen.

          Schon vor einigen Jahren hat der Supreme Court, das höchste amerikanische Gericht, entschieden, dass Schadenersatz und Strafschadenersatz nicht in einem groben Missverhältnis zueinander stehen dürfen. Eine Grenze, auf die Produkthaftungsrechtler verweisen, ist ab einem Faktor 9 erreicht – für den Fall Hardeman heißt das, das eine Reduktion des Jury-Urteils spürbar zugunsten von Bayer ausfallen musste.

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