https://www.faz.net/-gqe-9mc42
Bildbeschreibung einblenden

Bayer-Hauptversammlung : Der Tag der Abrechnung

Alles schaut auf Baumann. Bild: AP

„Wir stehen heute vor einem Scherbenhaufen“, „wann ist der Spuk mit Monsanto vorbei?“: Aktionärsvertreter machen ihrem Ärger Luft. Aber vor allzu harten Forderungen scheuen sie dann doch zurück.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Hart ins Gericht gehen die Aktionäre des Bayer-Konzern an diesem Freitag mit dem Management ihres Unternehmens. Hatten sich schon am frühen Morgen vor den Toren des Bonner World Conference Centers zahlreiche Demonstranten aus dem Umfeld von Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sowie Schüler der Fridays-for Future-Bewegung zu Protestkundgebungen eingefunden, hagelt es im Saal New York des WCCB harsche Kritik wichtiger Investoren. Im Fokus steht die umstrittene Akquisition des amerikanischen Monsanto-Konzerns und darum, ob das Management die damit verbundenen hohen Rechts- und Reputationsrisiken unterschätzt und so das Vertrauen des Kapitalmarktes verspielt habe.

          Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning stellte gleich zum Auftakt fest, dass dies keine Routine-Hauptversammlung sei. Die laufenden Rechtsverfahren zu dem Unkrautvernichter Glyphosat hätten zu erheblichen Kursverlusten geführt. „Das bedauern wir sehr“, gestand er ein. Auch Bayer-Chef Werner Baumann versuchte in seinen Eingangsworten erneut, die milliardenschwere Akquisition vor den Aktionäre als den strategisch richtigen Schritt für Bayer zu rechtfertigen. „Die Klagen und die ersten Urteile zu Glyphosat lasten schwer auf unserem Unternehmen und verunsichern viele Menschen“, räumte er ein. „Da gibt es nichts zu beschönigen.“

          Man habe sehr wohl die Chancen und Risiken der Transaktion sorgfältig abgewogen und selbstverständlich auch die mit dem Glyphosat-Geschäft verbundenen Risiken geprüft, versicherte er. Der Vorstand beruft sich auch auf zwei einschlägige Rechtsgutachten, die ihm pflichtgemäßes Handeln bescheinigen. Hinsichtlich der beiden für Bayer negativ ausgefallen Jury-Entscheidungen gibt er sich weiter optimistisch, dass in der nächsten Instanz andere Entscheidungen getroffen werden. „Die entschiedene Verteidigung unserer Unternehmens hat für den Vorstand und auch für mich höchste Priorität.“

          „Wir stehen heute vor einem Scherbenhaufen“

          Die Aktionäre lassen sich davon freilich nur wenig beeindrucken. 47 Wortmeldungen gab es schon zu Beginn der Aussprache. Marc Tüngler von der Aktionärsvereinigung DSW bezeichnete das Geschäftsjahr 2018 als einen Albtraum für die Aktionäre und eine Katastrophe für Bayer. „Wann ist der Spuk mit Monsanto vorbei, wie lange müssen wir Aktionäre noch Stahlhelm und Teflonweste tragen?“ fragte er mit Blick auf die weiter angeschwollene Klagewelle in Amerika. Zwar spricht er Vorstand und Aufsichtsrat unverändert das Vertrauen aus, er plädierte jetzt aber abermals für eine Vertagung der Abstimmung über deren Entlastung. Es sei viel zu früh, eine Abrechnung vorzunehmen. „Wir von der DSW wollen sehr bewusst zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Personaldebatte führen. Herr Baumann, Herr Wenning, ziehen Sie den Karren wieder aus dem Dreck. Dann ist auch die Zeit gekommen, über eine Entlastung abzustimmen“, rief er dem Gremium zu.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.
          Glücklicher Kapitän: Marco Reus bringt den BVB in Führung.

          1:0 gegen Mönchengladbach : Der BVB meldet sich zurück

          Die eine Borussia gewinnt, die andere bleibt zumindest bis Sonntag Tabellenführer: Der BVB vermeidet ausnahmsweise mal einen späten Ausgleich und schließt zu Mönchengladbach auf. Ein Tor des Kapitäns genügt in einem rasanten Spiel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.