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Aktionärsvertreter : Bayer-Chef verteidigt Monsanto-Übernahme

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Demonstranten mit toten Bienen vor dem Konferenzgebäude Bild: Reuters

Diverse Aktionärsvertreter wollen Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten. Werner Baumann hält dagegen: Der wahre Wert des Unternehmens spiegele sich im aktuellen Aktienkurs nicht wider.

          Begleitet von Protesten von Umweltschützern hat am Freitag die Hauptversammlung des Chemiekonzerns Bayer in Bonn begonnen. Bei dem Aktionärstreffen stehen die Folgen der Übernahme des amerikanischen Agrarkonzerns und Glyphosatherstellers Monsanto im Mittelpunkt. „Die Klagen und die ersten Urteile zu Glyphosat lasten schwer auf unserem Unternehmen und verunsichern viele Menschen“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann zum Auftakt. „Da gibt es nichts zu beschönigen.“

          Er verteidigte die Übernahme Monsantos dennoch. „Die Sicherheit unserer Kunden, Patienten und Konsumenten steht für uns alle bei Bayer immer und überall an erster Stelle.“ Der wahre Wert des Unternehmens spiegele sich im aktuellen Kurs nicht wider. Baumann betonte wie gewohnt, dass Glyphosat „bei sachgerechter Anwendung ein sicheres Produkt“ sei. Bayer-Aufsichtsratschef Werner Wenning hatte die Veranstaltung mit den Worten eröffnet: „Die heutige Hauptversammlung ist keine Routine-Hauptversammlung". Bayer sei in „erheblichem Maß“ von den Glyphosat-Prozessen betroffen, mit entsprechenden Folgen für den Aktienkurs. „Das bedauern wir sehr.“

          Bayer hatte den Kauf im vergangenen Jahr abgeschlossen. In den Vereinigten Staaten klagen aktuell mehr als 13.000 Krebskranke gegen Monsanto, die ihre Erkrankungen auf den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup zurückführen. Das Unternehmen wurde in zwei Prozessen zu dutzenden Millionen Euro Schadenersatz verurteilt. Bayer bestreitet die Vorwürfe und ging in Berufung. Der Aktienkurs hat sich seit der Übernahme dennoch halbiert.

          Wird der Vorstand nicht entlastet?

          Die Stimmung im Aktionärskreis ist denkbar schlecht. So will die Fondsgesellschaft Union Investment dem Vorstand und dem Aufsichtsrat „aufgrund der anhaltenden negativen Entwicklungen, der hohen rechtlichen Risiken und der massiven Kursverluste“ die Entlastung verweigern. Fondsmanager Ingo Speich von der Deka, die unter den Top-10-Anteilseignern von Bayer ist, kündigte unlängst an, gegen die Entlastung zu stimmen.

          Mit dem Institutional Shareholder Services (ISS) und Glass Lewis empfehlen zudem gleich zwei einflussreiche Stimmrechtsberater, dem Bayer-Vorstand die Entlastung zu verweigern. In Summe beraten beide dem Vernehmen nach weit mehr als die Hälfte der Anteile Bayers. Die Empfehlungen von Stimmrechtsberatern haben vor allem bei Investoren im angelsächsischen Raum Gewicht. So wird etwa die Fondsgesellschaft Blackrock - mit in Summe mehr als sechs Prozent an Bayer beteiligt - laut Finanzkreisen den Vorstand nicht entlasten.

          Vor dem Kongresszentrum in Bonn versammelten sich rund 500 Demonstranten. Sie streuten in Anspielung auf die umstrittenen Nebenwirkungen von Pestiziden tote Bienen auf dem Weg aus, über den die Aktionäre in die Halle kamen, und nebelten sie mit dem Rauch aus Imker-Smokern ein. Dazu kamen einige hunderte Schüler von der Klimaschutzbewegung Fridays for Future.

          BAYER

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