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F.A.Z. exklusiv : Bayer droht Sonderprüfung

Wegen der umstrittenen Monsanto-Übernahme bekommt Bayer Gegenwind von einem weiteren prominenten Aktionär. Bild: AFP

Der prominente Aktionär Christian Strenger will gegen Bayer vor Gericht ziehen. Grund: Die Übernahme von Monsanto, dessen schlechten Ruf Bayer unterschätzt haben soll. Jetzt ist Strenger auf der Suche nach Mitstreitern.

          3 Min.

          Wegen der umstrittenen Monsanto-Übernahme und im Nachgang zur turbulenten Hauptversammlung bekommt Bayer Gegenwind von einem weiteren prominenten Aktionär. Der Anteilseigner Christian Strenger, bekannt als Fachmann für gute Unternehmensführung („Corporate Governance“), bereitet einen Antrag auf Sonderprüfung bei Gericht vor, wie Strenger der F.A.Z. sagte. Er braucht dafür nach dem Aktiengesetz Mitstreiter, um insgesamt Anteile im Nennwert von 100.000 Euro hinter den Antrag zu bekommen – in diesem Fall etwa 40.000 Papiere.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einige Aktionäre haben sich seinen Worten zufolge dem Plan schon angeschlossen. „Ich bin auf gutem Wege, habe aber die volle Zahl noch nicht erreicht.“ Als Sonderprüfer hat Strenger den Wissenschaftler Hans-Joachim Böcking im Sinn, der schon in der Vergangenheit in solchen Fällen auf den Plan getreten ist. Strengers Ankündigung kommt in derselben Woche, in der Bayer Tausende weitere Klagen im Zusammenhang mit Monsantos Unkrautvernichter Glyphosat gemeldet hat.

          Gleichzeitig ist die Geschäftsprognose für das Gesamtjahr ins Wackeln geraten. Die sei „zunehmend ambitioniert“, ließ der Agrarchemie- und Pharmakonzern bei der Bekanntgabe von Quartalszahlen am Dienstag wissen. Strenger betont stets, er handle als Privataktionär. Doch hat seine Stimme unter Aktionärsvertretern, Unternehmen und institutionellen Investoren Gewicht: Er war Gründungsmitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate-Governance-Kodex, leitete früher die Fondsgesellschaft DWS und hat Aufsichtsratserfahrung. Er hat schon in der Vergangenheit erfolgreich mit Sonderprüfungsanträgen Unternehmen unter Druck gesetzt.

          Bayer habe Monsanto-Ruf unterschätzt, heißt es

          Bayer hatte im vergangenen Jahr den amerikanischen Agrochemie-Konkurrenten Monsanto für rund 63 Milliarden Dollar übernommen – die teuerste Akquisition in der deutschen Unternehmensgeschichte. Seitdem ist der Aktienkurs verfallen, vor allem Niederlagen vor Gericht haben ihm zugesetzt. Mit 56 Milliarden Euro Börsenwert ist Bayer insgesamt momentan nur etwa so viel wert, wie der Konzern für Monsanto gezahlt hat. Mittlerweile sind in Amerika mehr als 18 000 Klagen eingegangen, in denen Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup geltend gemacht werden.

          Aktionäre sind unzufrieden, das entlud sich auf der Hauptversammlung im April. Die Mehrheit des vertretenen Kapitals verweigerte dem Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann die Entlastung – was zuvor noch keinem amtierenden Dax-Vorstandschef passiert war. Strenger wirft Bayer im Kern vor, die rechtlichen Risiken und den schlechten Monsanto-Ruf unterschätzt zu haben. Unter anderem verweist er darauf, dass zwischen Bekanntgabe des Übernahmeplans im Jahr 2016 und dem Abschluss der Transaktion die Zahl der Glyphosat-Klagen sprunghaft gestiegen war. Das hätte „zu einer detaillierten Analyse der bei Monsanto vorhandenen Unterlagen“ führen müssen.

          Außerdem kritisiert er, dass die Bayer-Aktionäre nicht in einer Hauptversammlung über eine Transaktion abstimmen konnten, welche den Konzern so fundamental verändert. Und: Bayer spreche zwar seiner Zusage entsprechend mit Großinvestoren wie dem Hedge-Fonds Elliott, aber nicht mit kritischen Einzelaktionären. Elliott hält rund 2 Prozent an Bayer und hat von der Konzernführung eine grundlegende Überarbeitung der Prozessstrategie gefordert sowie einen zügigen und finanziell nicht allzu schwerwiegenden Vergleich.

          Strenger verfolgt immer gleiche Strategie 

          Strenger hatte auf der Hauptversammlung beantragt, einen Sonderprüfer zu bestellen, verfehlte dabei aber zu später Stunde eine Mehrheit unter den noch anwesenden Aktionären. Rund ein Viertel stimmte dem Antrag aber zu – was ungewöhnlich viel ist. Scheitert ein Aktionär auf der Hauptversammlung mit einem solchen Begehr, stellt das Aktiengesetz, Paragraph 142 einen anderen Weg bereit: den Antrag vor Gericht. Dazu muss der Antragssteller Aktionäre zusammentrommeln, die entweder 1 Prozent des Grundkapitals auf sich versammeln oder die besagten Papiere mit addiertem Nennwert von 100 000 Euro, entsprechend 40000 Aktien im Fall Bayer.

          Das Gericht hat einen Sonderprüfer zu bestellen, „wenn Tatsachen vorliegen, die den Verdacht rechtfertigen, dass bei dem Vorgang Unredlichkeiten oder grobe Verletzungen des Gesetzes oder der Satzung vorgekommen sind“. Mit einer solchen Strategie ist Strenger schon mehrmals in der Vergangenheit durchgekommen – so in einer Auseinandersetzung mit dem Pharmakonzern Stada. Dort ging er die enorme Vergütung des damaligen Konzernchefs an, scheiterte mit einem Sonderprüfungsantrag in der Hauptversammlung knapp – und gewann später die erforderlichen Stimmen, um den Antrag bei Gericht stellen zu können.

          In erster Instanz wurde der abgelehnt, Strenger und seine Verbündeten einigten sich dann mit dem Stada-Aufsichtsrat – unter neuer Führung – auf einen Vergleich. In einem Streit um Thyssen-Krupp erreichte Strenger, damals mit der Schutzvereinigung DSW, eine freiwillige Sonderprüfung. Bayer lehnte am Donnerstag auf Anfrage eine Stellungnahme zu Strengers Plan ab.

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