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Genmais und Glyphosat : Warum keiner Monsanto mag

Monsantos Teufelszeug: Die in Deutschland verbotene Maissorte MON 810 Bild: Weisflog

Bayer will den amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto übernehmen. Aktionäre fürchten dessen schlechtes Image. Aber woher kommt die harsche Kritik?

          Neil Young hat recht. „Die Saat des Lebens ist nicht mehr, was sie früher war“, singt der kanadische Altrocker auf seinem neuesten Album. Es ist ein Satz, den jeder Landwirt unterschreiben kann. Vor hundert Jahren ernteten die Getreidebauern in Deutschland je Hektar kaum ein Viertel der Menge, die ihre Nachkommen heute einfahren. Das hat mit Fortschritten in der Bodenbearbeitung, mit dem Einsatz von Düngemitteln und Unkrautvernichtern zu tun - und damit, dass Weizen und Roggen robuster und ertragreicher geworden sind, den Pflanzenzüchtern aus der Agrarindustrie sei Dank, die unablässig an neuem Saatgut arbeiten.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber darum geht es bei Neil Young natürlich nicht. Sein Titelsong „The Monsanto Years“ ist keine Danksagung, sondern eine Abrechnung mit einem der verhasstesten Unternehmen der Welt. Monsanto, vor mehr als hundert Jahren in St. Louis im Bundesstaat Missouri als stinknormale Chemiefabrik gegründet, stellt Genmais und das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat her. Schlimmer geht es nach Ansicht vieler Umweltschützer nicht. Zugleich verkauft Monsanto aber auch so viel Saatgut wie kein anderer Konzern auf der Welt. Und keine andere Firma der Branche hat an der Börse in den vergangenen Wochen für so viel Wirbel gesorgt wie der Bösewicht aus dem Mittleren Westen. BASF wurde in der vergangenen Woche als Interessent genannt. Jetzt will Bayer Monsanto übernehmen. Die Aktionäre fürchten eine teure Übernahme - am Morgen sind die Aktien kräftig gefallen.

          Kein Wunder, denn Monsanto ist an der Wall Street zurzeit rund 45 Milliarden Dollar wert ist - so viel wie Thyssen, die Deutsche Bank und die Commerzbank zusammen. Zudem wäre es für das Image ein Fiasko, denn Monsanto ist nicht nur für Neil Young und Greenpeace zum Hassobjekt geworden. Zusammen mit dem Erdölkonzern Shell und der Weltbank führt der Agrarkonzern die Rangliste der am meisten von Nichtregierungsorganisationen kritisierten Institutionen an. Auch die versammelten Gegner des Freihandelsabkommens TTIP, inzwischen die Mehrheit der Bundesbürger, halten die Produkte von Monsanto für Teufelszeug. Vor allem haben sie Angst vor „Frankenfood“, vor Lebensmitteln aus genmanipulierten Pflanzen.

          Mais mit eingebautem Schmetterlingsgift

          MON 810 heißt die Futtermaissorte, die bis vor ein paar Jahren auch auf deutschen Äckern wuchs, im Labor resistent gemacht gegen den Maiszünsler, einen gefräßigen Schmetterling. Normalerweise bekämpfen die Landwirte ihn mit Gift aus der Spritze. Die Gentechnik macht MON 810 selbst zur Waffe gegen den Schädling: Das Schmetterlingsgift ist gleich in den Mais eingebaut. Dagegen protestierten zuerst nur Biobauern und Erzgrüne, dann kamen Pfarrer und CSU-Politiker dazu, und 2009 wurde die Aussaat in Deutschland verboten.

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