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Baukonzerne : ACS will Hochtief nicht zerschlagen

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Florentino Perez: Der ACS-Chef ist auch Präsident des Fußballclubs Real Madrid Bild: AFP

Seit Wochen wehren sich Hochtief-Mitarbeiter gegen die Übernahme des deutschen Baukonzerns durch das spanische Unternehmen ACS. Dessen Chef Florentino Pérez versucht nun zu beruhigen: Hochtief werde im Falle einer Übernahme nicht zerschlagen. Das könne ACS auch schriftlich in einer Vereinbarung festschreiben.

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          Der spanische Baukonzern ACS will den deutschen Konkurrenten Hochtief im Fall einer Übernahme nicht zerschlagen. "Die Gruppe als Ganzes ist mehr wert als ihre Einzelteile", sagte ACS-Chef Florentino Pérez in einem Zeitungsinterview. "Wir wollen Hochtief als Ganzes und nicht Teile davon." Das könne ACS auch "schriftlich in einer Investorenvereinbarung festschreiben", bot Pérez an.

          ACS, der größte Baukonzern Spaniens, hatte Mitte September angekündigt, Hochtief für insgesamt 2,7 Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Bereits ohne eine komplette Übernahme ist ACS mit knapp 30 Prozent der größte Einzelaktionär des Essener Konzerns. Das Hochtief-Management um Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter lehnte das Übernahmeangebot als feindlich ab. Die Beschäftigten demonstrierten mehrfach dagegen.

          Pérez: „Da wird viel missverstanden“

          Pérez sagte dazu der "Welt am Sonntag": "Da wird viel missverstanden, was wir wirklich vorhaben". Er brauche keine weitere Trophäe. Der Firmensitz von Hochtief in Essen bleibe, die Börsennotierung in Frankfurt ebenfalls. "Und der Vorstand wird wie gehabt für das Tagesgeschäft verantwortlich sein." Die Beschäftigten hätten nichts zu befürchten. ACS sei eine "Wachstumsmaschine, die Arbeitsplätze schafft". Es gehe darum, sich mit möglichst hoher Schlagkraft gemeinsam um die großen Infrastrukturprojekte zu bewerben, sagte der ACS-Chef.

          Die Staaten hätten nicht mehr die nötigen Mittel für große Projekte. Daher seien Partnerschaften mit privaten Baukonzernen zwingend. "Wir müssen diese Projekte vorfinanzieren. Und da ist die Finanzkraft eines Konzerns ausschlaggebend." Der ACS-Chef ist auch Präsident des Fußballclubs Real Madrid, wo die deutschen Nationalspieler Sami Khedira und Mesut Özil spielen. "Eigentlich mag ich alles an den Deutschen", sagte Pérez. "Es ist ein Volk, das seine Sachen einfach gut macht." Das formale Angebot für eine Mehrheitsübernahme soll nach Aussage von Perez im November abgegeben werden, eine Entscheidung wird bis Ende Januar erwartet.

          Hochtief hofft auf einen "weißen Ritter"

          Der Vorstand von Hochtief lehnt eine Übernahme durch das spanische Unternehmen hingegen ab. Er fürchtet eine Zerschlagung des Bauriesen, wenn der hochverschuldete ACS-Konzern auch in Essen an die Macht käme. Deswegen sucht der Hochtief-Vorstandsvorsitzende Herbert Lütkestratkötter an mehreren Fronten Unterstützung, um die Eigenständigkeit des von ihm geführten Unternehmens zu erhalten. Neben dem Versuch, ACS auch zu einer Übernahmeofferte für die australische Hochtief-Tochtergesellschaft Leighton zu zwingen, hoffen die Essener dabei auf die Rettung durch einen "weißen Ritter", also ein Unternehmen, das sich an dem Baukonzern beteiligt. Und auch die Politik wird von Hochtief in den Abwehrbemühungen eingespannt, beispielsweise, um Lücken im deutschen Übernahmerecht zu schließen.

          ACS hat für die ersten neun Monate des Jahres einen Milliardengewinn gemeldet. Der Nettogewinn betrug 1,1 Milliarden Euro, 36,5 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 1,1 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Die Nettoverschuldung wurde auf 9 Milliarden Euro beziffert.

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