https://www.faz.net/-gqe-a7sxs

Zwei Razzien und kein Ende : Bauhaus steht im Visier der Steuerfahnder

Vor einem Bauhaus-Baumarkt in Berlin-Schöneberg bildet sich eine lange Schlange. Bild: dpa

Schon zwei Mal wurden die hiesigen Räume des Baumarktbetreibers durchsucht. Der Vorwurf lautet Steuerbetrug.

          2 Min.

          Einem Millionenpublikum kommt Bauhaus jeden Tag ins Wohnzimmer. Die letzten Werbesekunden kurz vor der „Tagesschau“ hat sich der Baumarktbetreiber gesichert. So sickert sein Slogan „Wenn es gut werden muss“ zur besten Sendezeit in viele Köpfe. Auch sonst ist das Unternehmen um PR-Aktionen nicht verlegen: Zum sechzigsten Firmenjubiläum hatte Bauhaus verkündet, eine Million Bäume zu pflanzen. Sogar der „Waldbeauftragte“ der Bundesregierung war deswegen im vergangenen Sommer nach Mannheim gekommen.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Jetzt hat das Unternehmen wieder Staatsbesuch bekommen, allerdings von Steuerfahndern. Zweimal schon, 2018 und 2020, wurde die „Konzernzentrale“ in Mannheim durchsucht. Bauhaus hat die Untersuchungen nach Recherchen der F.A.Z. nun eingeräumt. „Verkürzung von Unternehmensteuern von 2007 bis 2018“, lautet der Vorwurf, konkret also Steuerbetrug. Streitig sei die Anpassung von „komplexen und rechtlich schwierig zu bewertenden Verrechnungen zwischen Konzerngesellschaften“. Diese Sachverhalte seien der Betriebsprüfung seit langem bekannt. Zudem kooperiere man uneingeschränkt mit den Ermittlern. Im Übrigen gelte die Unschuldsvermutung, und man sei zuversichtlich, dass das Verfahren zeitnah ende.

          Die Tatsache, dass die in Mannheim angesiedelte Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität so lange ermittelt, das Verfahren im Vorjahr sogar noch erweitert hat, belegt die Komplexität des Falls. Die Staatsanwaltschaft hatte Kommentare bislang stets mit Verweis auf das Steuergeheimnis abgelehnt.

          Kompliziertes Konstrukt aus Holdings, Zwischenholdings, Servicegesellschaften

          So offensiv sich Bauhaus in der Werbung verkauft, so wenig gibt der Konzern sonst von sich preis. 278 Märkte betreibt er, davon 153 in Deutschland. Der Fachverlag Dähne schätzt den Umsatz auf 6,8 Milliarden Euro – das war’s. Bauhaus, gegründet und groß gemacht vom Mannheimer Unternehmer Heinz-Georg Baus, ist für Außenstehende nicht zu durchblicken. Das komplizierte Konstrukt aus Holdings, Zwischenholdings, Servicegesellschaften in Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, angeblich auch auf den Niederländisch Antillen und Hongkong, ist bewusst gewählt. Der 2016 verstorbene Baus war nicht nur einer der ersten Selfmade-Milliardäre Deutschlands, er war auch Zeit seines Lebens vor der Steuer auf der Flucht, nicht einmal eine Handvoll Fotos sind von ihm öffentlich bekannt.

          Der Schreinersohn hatte schon Ende der sechziger Jahre Wohn- und Firmensitz in die Schweiz verlegt. 1969 zog er nach Thun im Kanton Bern, die Dachgesellschaft Interbauhausholding, plazierte er in Zug. Zwischenzeitlich siedelte er um nach Monaco, ins Nobelquartier Les Ligures. Ende 2014 verlegte er die Holding dann nach Belp bei Bern, wo die Steuerbehörden noch ein bisschen zuvorkommender waren. Statt das Unternehmen zu vererben, gründete er vor seinem Tod eine Stiftung in Österreich. In Mannheim residiert heute offiziell nur die Bauhaus AG Service Center Deutschland, die Bauhaus AG in Belp firmiert als Aktiengesellschaft des Schweizerischen Rechts. Mit gerade mal 60 Mitarbeitern gilt sie als Schaltzentrale.

          Seit Baus’ Tod hat sich keine der handelnden Personen mehr zum Unternehmen öffentlich geäußert. Auch nicht Sohn Bernd, der als Mitglied des Verwaltungsrates eine prominente Stelle besetzt. Verwaltungsratspräsident ist der Schweizer Rechtsanwalt Peter Lutz. Ihm sollten Steuerkonstrukte nicht fern sein, firmiert er doch als „Präsident der Selbstregulierungsorganisation zur Geldwäschereibekämpfung des Schweizerischen Anwaltsverbandes und des Schweizerischen Notarenverbandes.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.