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Batteriezellen : Brandenburg soll erste Lithium-Fabrik bekommen

Nützlicher Rohstoff: Durch die Batterieproduktion hat Lithiumhydroxid stark an Wert gewonnen. Bild: dpa

Für die Batteriezellfertigung ist reines Lithium notwendig. Ein deutsch-kanadisches Unternehmen baut dafür jetzt die erste Fabrik in Europa. Sie wird nicht weit vom Autohersteller Tesla in Brandenburg angesiedelt.

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          Das Bestreben der EU und der Automobilindustrie, bei der Batterietechnik von den ostasiatischen Zulieferern unabhängig zu werden, nimmt konkretere Formen an. Im brandenburgischen Guben plant das deutsch-kanadische Unternehmen Rock Tech Lithium jetzt den Bau des ersten europäischen Lithiumkonverters – eine Fabrik, die aus dem Rohstoff das für die Batteriefertigung notwendige Lithiumhydroxid herstellt.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          „Wir werden der Lithium-Partner der Automobilindustrie“, sagte der Vorstandschef von Rock Tech, Dirk Harbecke, am Montag nach dem Kauf einer Fläche im Industriegebiet der brandenburgischen Stadt Guben. Der Entscheidung für Guben sei eine Standortsuche in ganz Europa vorausgegangen. Insgesamt werden am Standort bis zu 470 Millionen Euro investiert. Rund 160 Menschen sollen in der geplanten Anlage Arbeit finden. Der Konverter soll im Jahr 2024 seinen Betrieb aufnehmen.

          Ganz sicher ist es allerdings noch nicht, wann in Guben die geplanten rund 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid produziert werden. Die endgültige Investitionsentscheidung für die Produktion hänge „unter anderem noch von laufenden Gesprächen bezüglich bereits beantragter beziehungsweise noch weiterer zu beantragender Fördergelder ab“, hieß es dazu in einer Mitteilung des Unternehmens. Die geplanten 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid würden ausreichen, rund 500.000 Elektroautos mit Lithium-Ionen-Batterien auszustatten.

          Ein weiterer Standort für Elektroantriebe in Brandenburg

          In Brandenburg haben sich auch der Elektroautobauer Tesla und der amerikanische Batteriehersteller Microvast angesiedelt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach sagte, mit Rock Tech Lithium stärke das Land seine Position als zukünftiges Zentrum für Elektromobilität. „In Brandenburg ist künftig die komplette Wertschöpfungskette zu Hause“, sagte er: „Von der Rohstoffaufarbeitung über die Batterie- und Zellfertigung bis zum E-Auto-Bau wie auch dem Batterie-Recycling.“

          Harbecke sagte zudem, Ziel seines Unternehmens sei es, als erstes Unternehmen auf der Welt einen geschlossenen Kreislauf für Lithium zu schaffen. Bis zum Jahr 2030 sollen rund 50 Prozent der Rohstoffe aus dem Recy­cling von Altbatterien kommen. Grundlage der Geschäftsstrategie Harbeckes ist die Batterieinitiative der EU, nach der es bis zum Jahr 2025 genügend Batteriefa­briken geben soll, um Batteriezellen für mindestens 7 Millionen Elektroautos zu produzieren.

          Harbecke, der mit seiner Familie rund 20 Prozent der Rock-Tech-Aktien kon­trolliert, sagt: „Lithium ist für die Elek­tromobilität der zentrale Rohstoff.“ Deswegen müsse es neben der Batteriezellfertigung auch einen europäischen Lithium-Markt geben. „Um in den Batterien für Elektroautos eingesetzt zu werden, braucht man ein sehr reines Lithiumprodukt mit einer Konzentration von über 99 Prozent“, sagt Harbecke.

          Europas Autoindustrie soll nicht von ausländischen Zulieferern abhängig sein

          Deswegen seien Lithium-Hydroxid-Produktionsstätten wichtig, „wenn Europas Autoindustrie nicht wie bei Halbleitern von ausländischen Zulieferern abhängig werden will“. Die Chinesen hätten das früh erkannt. Sie bezögen die Lithium-Erze überall auf der Welt. Aufbereitet werde der Rohstoff aber ausschließlich in der Volksrepublik.

          Zwei Pilotanlagen betreibt Rock Tech schon – eine in Australien, die andere in Baden-Württemberg. Guben wurde von Harbecke als idealer Standort für die Fa­brik bezeichnet. Er räumte allerdings ein, dass bei der Entscheidung von Rock Tech auch die Fördermöglichkeiten „eine maßgebliche Rolle“ spielten.

          Die Lausitz ist wegen des nahen Endes des Braunkohleabbaus eine Industrieregion im Umbruch. Brandenburgs Wirtschaftsminister Steinbach wertete die Entscheidung von Rock Tech für die Region deswegen als ein „für die Menschen in der Region wichtiges Zeichen“ dafür, dass der Strukturwandel erste Ergebnisse zeige.

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