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Batteriehersteller : Die Varta-Familie wird wieder vereint

Die Varta-Familie ist wieder vereint. Bild: F.A.Z.

Varta kauft Varta: Der Batteriekonzern Varta AG kauft Varta Consumer, einen Hersteller von Haushaltsgeräten. Lange war die Varta-Familie getrennt, jetzt wird sie wieder vereint. Dahinter steckt ein österreichischer Industrieller.

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          Der Haushaltsgerätehersteller Varta Consumer wird demnächst zum gleichnamigen traditionsreichen Batteriekonzern Varta AG gehören. Wie die F.A.Z. von mit der Transaktion betrauten Personen erfuhr und das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, wird Varta von dem amerikanischen Konkurrenten den Gerätebatteriespezialisten übernehmen. Schließlich durfte der amerikanische Konkurrent Energizer Varta Consumer über dessen Muttergesellschaft Spectrum Brands im Herbst zwar übernehmen, muss den Batteriehersteller aus Kartellgründen jedoch rasch wieder veräußern. Duracell führt den konsolidierten Markt vor Energizer, Varta und ein paar anderen Anbietern an.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Der Kaufpreis liegt dem Vernehmen nach zwischen 150 Millionen und 200 Millionen Euro. Der Transaktionswert beträgt somit rund das Sechsfache des operativen Gewinns von Varta Consumer von zuletzt 30 Millionen Euro. Das sei vergleichsweise wenig in einer Branche, in der normalerweise der zehnfache Gewinn anzusetzen ist, sagt Alexander Grünwald von der Züricher Investmentbank Altium.

          Varta Consumer ist mit einem Umsatz von 300 Millionen Euro der führende Anbieter in Deutschland, Österreich und in der Schweiz, mit Produktionsstandorten in Ellwangen und Dischingen. Die rund 800 bis 900 Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt, heißt es. Insgesamt käme Varta damit auf rund 3000 Beschäftigte.

          Das Management will die Lithium-Ionen-Technik vielleicht auch für den Gerätebatteriespezialisten zur Anwendung bringen. Mit einem Wiederverwertungskonzept könnte es zudem eine Innovation in der Primärzellen-Technik (nicht aufladbar) geben.

          1887 gegründet

          Der Name der 1887 im westfälischen Hagen gegründeten Gesellschaft steht für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“. Mit diesem Zusammengehen würde die Varta-Familie wieder vereint sein nach ihrer Zerschlagung in den neunziger Jahren.

          Lange Zeit war der Name mit der Industriellenfamilie Quandt als Eigentümer verbunden. Vor mehr als zwei Jahrzehnten gingen die Varta-Autobatterien an den amerikanischen Konzern Johnson Controls und die Haushaltsbatterien an Spectrum Brands.

          Vor zwölf Jahren hat der österreichische Industrielle Michael Tojner mit seinem Mischkonzern Montana Tech den Quandts und der Deutschen Bank für 30 Millionen Euro den Batterielieferanten abgekauft und mit den Sparten Mikrobatterien und Energiespeicher weiterentwickelt. 2011 sicherte sich Montana auch den Namen Varta AG – und damit begann eine neue Geschichte, die im Herbst 2017 mit einem erfolgreichen Börsengang ihren vorläufigen Höhepunkt erfuhr. Zuletzt fiel der Name des Unternehmens auch, wenn es um die potentiellen Konsortien ging, die künftig in Deutschland und Europa Batteriezellen für Elektroautos fertigen sollen.

          Varta ist die zweitgrößte Sparte im Konglomerat des österreichischen Industriellen, der in den zurückliegenden Jahren einen sagenhaften Aufstieg in die Riege der großen Unternehmer des Landes geschafft hat. In der von ihm gegründeten Gruppe Montana Tech Components werden Betriebe in der Aluminiumverarbeitung, Maschinenbau, Verpackungsmaterial und Energiespeicher zusammengefasst. Viele von ihnen kontrollieren den jeweiligen Markt. Mehr als 7000 Mitarbeiter beschäftigt er an verschiedenen Standorten, davon 2000 in Deutschland. Die Gruppe erlöste zuletzt 1,2 Milliarden Euro. Bis 2025 plant Tojner mit einer Verdoppelung des Umsatzes, der vor zehn Jahren noch 300 Millionen betragen hat.

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