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BASF-Vorstand : Zwei Frauen wirbeln die alte BASF-Welt durch

Saori Dubourg will das Unternehmen „neu denken“. Bild: BASF SE

Zwei der sechs Vorstandsmitglieder der BASF sind Frauen. Zwei, die genau wissen, was sie wollen und dafür auch streiten. Sie könnten den größten Chemiekonzern der Welt mehr verändern, als mancher glaubt.

          4 Min.

          Zwei aus sechs. Seit Februar, seit die promovierte Chemikerin Melanie Maas-Brunner berufen wurde, sitzen zwei Frauen im obersten Führungskreis der BASF. Schon vor vier Jahren hat der Aufsichtsrat die Betriebswirtin Saori Dubourg in den Vorstand geholt. Damit hat das größte Chemieunternehmen der Welt die Frauenquote übererfüllt. Das ist in der chemischen Industrie noch immer eine Erwähnung wert. Schließlich zieht sich der Frauenmangel bis heute von den Universitäten bis in die Führungszirkel.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Die Gefahr als Quotenfrau zu enden, besteht bei Dubourg und Maas-Brunner aber nicht. Sie sind angetreten, die BASF zu verändern. Selbstbewusst, zielstrebig, mit dem Fuß auf dem Gas. Da der Aufsichtsrat den Vorstandschef bis heute aus den eigenen Reihen rekrutiert, gibt es eine nicht so kleine Wahrscheinlichkeit, dass den amtierenden Martin Brudermüller dereinst eine Frau beerben könnte.

          Die beiden Frauen entstammen nicht nur derselben Generation, sie sind auch beide Eigengewächse des Konzerns. Und anders als die erste Frau im BASF-Vorstand, die von der Deutschen Bahn geholte Margret Suckale, fremdeln sie nicht mit der Chemie. Beide kennen den Konzern aus dem Effeff. Beide wissen, wie diese Industrie tickt.

          Gegensätze ziehen sich an

          Dabei könnten Maas-Brunner und Dubourg kaum unterschiedlicher sein. Die Gegensätze stechen unmittelbar hervor. Die elegante Deutsch-Japanerin Dubourg, eine studierte Betriebswirtin, Einserschülerin, Geigerin, hält es mit dem Großen und Ganzen, der Positionierung des Konzerns in einer Gesellschaft im Wandel. Sie kann freundlich, leise und bestimmt „Wir müssen das neue Denken fühlen“ sagen, und eine Minute später genauso freundlich und bestimmt über einen neuen Milliardenzukauf sprechen.

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          Maas-Brunner, ein erfrischender Bubikopf, ist anders. Sie kümmert sich ums Eingemachte: Ihre Expertise ist dort gefragt, wo die Produktion brodelt, vor allem: wo und wie sie einmal brodeln soll. Als Arbeitsdirektorin ist sie zuständig für die europäischen Werke und den Stammsitz in Ludwigshafen, das größte zusammenhängende Chemieareal der Welt. Der Klimawandel erzwingt dort einen Umbau, wie es ihn noch nie gegeben hat. Um die CO2-Emissionen herunterzubringen, müssen die Produktionsprozesse elektrifiziert werden. Dazu muss der Konzern seinen eigenen grünen Strom aus Windparks in der Nordsee nach Ludwigshafen holen.

          Es kommt darauf an, was man/frau kann

          Als wäre das nicht genug, hat Maas-Brunner – im Konzern vielbeachtet – als Chief Technology Officer auch Forschung und Entwicklung übernommen, das Herzensthema von Vorstandschef Brudermüller. Sie hat den mit 2 Milliarden Euro ausgestatteten Bereich binnen Monaten auf den Kopf gestellt. Um die Forschung näher an die Kunden zu bringen, hat sie die 1800 Mitarbeiter sozusagen an die Front beordert, in die Unternehmenseinheiten. Forschung ist kein Selbstzweck, sie muss sich lohnen – das ist das Signal.

          Dass die Dreiundfünfzigjährige erst kurz zum obersten Führungszirkel gehört, hält sie nicht davon ab, vernehmlich ihre Meinung zu sagen. Sie solle nicht immer Widerworte geben, habe ihr ein Vorgesetzter – ein Mann – einmal beschieden, sagt sie und lacht. Auch dass zu ihren Anfängen in der Produktion eine Toilette umgebaut werden musste und Spindfotos auf kleinem Dienstweg abgehängt werden mussten, erzählt die Frau aus Korschenbroich amüsiert. Das Mann-Frau-Thema sei schon noch eines, aber in der BASF werde man daran gemessen, was man mache – und das gefalle ihr.

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