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BASF-Chef warnt : Klimaschutz verteuert Produkte für Verbraucher

  • -Aktualisiert am

BASF-Chef Martin Brudermüller während der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens Anfang 2021 Bild: via REUTERS

Auf dem jährlichen Treffen von Unternehmern mit Betriebswirten fordert BASF-Chef Brudermüller einen politischen Rahmen für den Klimaschutz – und erläutert auch gleich, welchen Aufwand die Wirtschaft dafür betreibt.

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          BASF-Chef Martin Brudermüller hat an die Politik appelliert, geeignete Rahmenbedingungen für die Energiewende in der Industrie zu schaffen. „Es gibt keinen Plan für das Wie“, kritisierte Brudermüller auf dem 75. Deutschen Betriebswirtschafter-Tag in Düsseldorf. Das Forum findet seit 1951 jährlich statt und dient dem Austausch zwischen Fachleuten aus der betriebswirtschaftlichen Wissenschaft und den Praktikern in den Unternehmen, wie Brudermüller.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Spitzenmanager zeigte sich trotzdem entschlossen und optimistisch, den energiewirtschaftlichen Wandel für BASF bewältigen zu können. Den Klimaschutz bezeichnete er als Herzensangelegenheit und machte deutlich, dass er entsprechenden Umsetzungsdruck im Unternehmen erzeuge. Das Dax-Unternehmen will seinen Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2050 auf netto null reduzieren. Schon bis 2030 sollen die BASF-Emissionen gegenüber dem Jahr 2018 um 30 Prozent sinken.

          „Angebot und Nachfrage für Grünstrom liegen weit auseinander“

          Welche Bedeutung die Chemieindustrie für den Klimaschutz spielt, zeigt laut Brudermüller folgende Relation: Allein der BASF-Standort in Ludwigshafen trage mit seinem derzeitigen Kohlendioxidausstoß von 8 Millionen Tonnen im Jahr 1 Prozent zu den gesamten deutschen Emissionen bei. Chemieunternehmen wie BASF brauchen und verbrauchen sehr viel Energie, daher ist die Umstellung auf grüne Energiequellen extrem aufwendig. Grundsätzlich sind Politiker sich dieses Problems offenbar bewusst. So beteuerte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in seinem Grußwort an die am Mittwoch in Düsseldorf versammelten Betriebswirte und Unternehmer – überbracht von einer Staatssekretärin per Videobotschaft –, dass die Politik geeignete Rahmenbedingungen schaffen müsse, damit sich die Tätigkeit der Unternehmen angesichts von Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung und Demographie auch betriebswirtschaftlich rechne.

          BASF-Chef Brudermüller will jedoch die entsprechenden Anstrengungen sogar über dieses Maß hinaus betreiben: Angesichts der großen Herausforderungen müssten Unternehmenslenker laut Brudermüller auch mal „mit dem Kopf durch die Wand“ und Dinge tun, die man aus betriebswirtschaftlicher Sicht zunächst nicht tun würde. Mit diesem Bild betonte der Manager auch sein Bekenntnis zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens.

          BASF will vorangehen

          Welche technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen die Transformation zu klimaneutraler Energieversorgung und Wirtschaftsweise darstellt, illustrierte Brudermüller am Beispiel des großen BASF-Dampfspalters (Steamcracker) in Ludwigshafen. Das Aggregat verwandelt, vereinfacht gesagt, den Rohstoff Erdöl in Grund- und Vorprodukte für die Chemieindustrie. Bisher wurde der Dampfspalter mit Gas beheizt, künftig soll stattdessen grüne Elektrizität als Energiequelle dienen. „Technisch werden wir das schaffen, aber die wirtschaftliche Herausforderung bleibt“, sagte Brudermüller. Die höheren Kosten der klimaneutralen Produktion würden die Konsumenten tragen müssen.

          Wenn keine Subventionen fließen sollen, werde es nicht ohne Verbraucher gehen, die bereit seien, deutlich mehr für grüne Produkte zu zahlen. Laut Brudermüller liegt das Kostenproblem stark am Verteilernetz. Aus für rund 5 Cent je Kilowattstunde an den Küsten produziertem Grünstrom würden 17 Cent am Werkstor. Indus­triestrom dürfe jedoch nicht mehr als 5 Cent kosten, forderte der BASF-Chef. „Doch Angebot und Nachfrage für Grünstrom liegen weit auseinander“, betonte er. Mit einem Windpark vor der holländischen Küste wolle sich das Unternehmen einen eigenen Zugang zu sauberem Strom verschaffen. BASF habe den Mut, auf diesem Weg voranzugehen, allein gehen könne es ihn jedoch nicht.

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