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BASF-Chef Bock : „Wer hat schon mal in einer Fabrik gearbeitet?“

„Wir sind kein Reisebüro und kein Lebensversicherer, wir stellen reale Produkte her“, sagt BASF-Chef Bock über sein Unternehmen. Hier ein Foto vom Werksgelände in Ludwigshafen. Bild: dpa

Die Menschen in Deutschland verlieren das Gefühl für die Industrie, sagt BASF-Chef Kurt Bock. Bei vielen entstehe das Bild, die Wirtschaft bestimme die Politik. Die größte Lobbygruppe werde aber nicht von der Wirtschaft bezahlt.

          Herr Bock, lassen Sie uns über Politik reden. Globalisierung, freie Märkte, offene Grenzen – an fast jedem Eckpfeiler der Marktwirtschaft entzündet sich heute Kritik. Was läuft da schief?

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Unsicherheit hat es immer gegeben, auch Kritik. Aber keine Frage, es gibt neue Trends, grundlegendere Kritik. Hans-Werner Sinn hat kürzlich darauf verwiesen, dass der Handel in den Schwellenländern zu mehr Wohlstand führte, in reifen Gesellschaften hat er die Diskussion um Verteilung verschärft. Das ist vermutlich ein Grund.

          Beunruhigen Sie die Zweifel an der Globalisierung? Ein Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat kürzlich in einem Leserbrief beschrieben, warum er (noch) nicht AfD wählt, und dabei ein typisches Bild gezeichnet von Konzernen, die Gesetze gestalten und Steuern vermeiden und von Banken und Vermögensverwaltern, welche die Politik mit ihrer Lobby im Griff haben.

          Ich habe diesen Leserbrief auch gelesen, aber ich teile seine Kritik nicht. Schauen Sie sich doch die Realität an: Die Chemiebranche etwa ist hochgradig reguliert, wahrscheinlich noch stärker als andere Branchen. Wie oft bekommt die Wirtschaft genau das, was sie will? Denken Sie nur an TTIP oder an die Energiewende. Es ist doch legitim zu sagen, welche Folgen ein neues Gesetz auf unsere Unternehmen und die Arbeitsplätze hat und dass Wettbewerber im Ausland etwa von solchen Belastungen nicht getroffen werden.

          Viele Menschen fürchten den Einfluss der Konzerne. Dabei sind diese in Deutschland stark reguliert, sagt Kurt Bock, Chef der BASF.

          Der Eindruck bei vielen Menschen ist offenbar ein anderer. Demnach bestimmen Heerscharen von Lobbyisten in Brüssel die Politik.

          Die größte Lobbygruppe in Brüssel sind NGOs, also die Nichtregierungsorganisationen, teilweise sogar staatlich finanziert. Da herrscht in der Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild. Das ist auch nicht weiter verwunderlich. Denn die NGOs haben das Wohl der Menschheit auf ihrem Banner, und damit haben sie in der öffentlichen Diskussion ein gutes Entree, während uns vorgeworfen wird, „nur“ Geld verdienen zu wollen. Es sollte doch jeder seine Fakten und Argumente in die Diskussion einbringen. Am Ende muss die Politik dann entscheiden, was sie will, unter Abwägung aller Interessen. Und genau das tut sie auch.

          VW hat die Öffentlichkeit belogen, die Deutsche Bank die Zinsen manipuliert, man hat den Eindruck, Teile der Wirtschaft sägen ihren Ast schon selber ab.

          Ich kann nur für die BASF sprechen. Transparenz ist für uns oberstes Gebot, wir erklären, was wir tun. Ob Sie es glauben oder nicht, für uns gilt: Die Wirtschaft muss den Menschen von Nutzen sein, und genau daran halten wir uns.

          Wir schaffen attraktive Arbeitsplätze, wir tragen zum Wohlstand unserer Lieferanten bei, und wir stellen Produkte her, welche die Leute brauchen. Und für die BASF kann ich sagen, dass das Verständnis dafür in unserem Umfeld groß ist. Nach meiner Beobachtung verschlechtert sich die Einstellung zur Industrie, je produktionsferner eine Gesellschaft ist.

          Wie meinen Sie das?

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