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BASF-Chef Bock : „Wer hat schon mal in einer Fabrik gearbeitet?“

Wir sind kein Reisebüro und kein Lebensversicherer, wir stellen reale Produkte her, und daran wird sich auch nichts ändern. Ich kann nicht sehen, dass unsere Industrie grundsätzlich in Frage gestellt wird. Wir können mit der Digitalisierung die Produktionen verbessern und übrigens auch die Forschung. Das wird seit zwei Jahren intensiv in der BASF vorangetrieben mit vielversprechenden Erfolgen. Wenn wir etwas besser machen können, dann sollten wir das auch tun.

Der schweizerische Pflanzenschutzhersteller Syngenta wurde vom chinesischen Konzern ChemChina übernommen.

Was ist mit den Abgehängten?

Ich sehe nicht, dass uns die Arbeit ausgeht. Wir haben in Deutschland ein erhebliches demographisches Problem. Wie wir die Digitalisierung meistern, ist deshalb vor allem eine Frage der Ausbildung und der Weiterbildung, und da bin ich optimistisch. Die duale Ausbildung hat bislang hervorragend funktioniert und sich flexibel auf Veränderungen eingestellt. Berufsbilder haben sich verändert. Die Digitalisierung ist ein weiterer Modernisierungsschub, wir werden auch den meistern. Mir ist die Diskussion über Digitalisierung viel zu defensiv. Wir sollten uns etwas zutrauen.

Wie stellt sich BASF abseits von Effizienzverbesserungen auf diesen Umbruch ein? Andere Industrien klagen darüber, dass sich Mittler, etwa Vergleichsportale, zwischen Hersteller und Kunden drängen und damit das bisherige Geschäft auf den Kopf stellen. Kann das der Chemie auch passieren, dass jemand eine App programmiert und ein großer Konzern bekommt ein Problem?

Es kann passieren, dass sich einer dazwischendrängt. Einer, der Knowhow bündelt und den Kunden sagt, wir kümmern uns darum und kaufen für euch das Nötige billig ein. So etwas ist durchaus vorstellbar. Aber die Chemie ist komplex. Wir verkaufen nicht nur Chemikalien, wir verkaufen auch Anwendungsknowhow. Ein Beispiel: Bei technischen Kunststoffen haben wir Systeme entwickelt, mit denen Kunden die Stoff- und Produkteigenschaften per Computer berechnen können. Sie müssen also ein Produkt nicht mehr erst bauen und dann testen. Das bedeutet einen enormen Zeit- und Wissensvorsprung. In diese Art von Dienstleistungen investiert die BASF erheblich, damit schützen wir unser Geschäft, das ist der Hebel, mit dem wir Produkte verkaufen.

Die Chinesen kommen. In der Chemieindustrie hat die Übernahme des Schweizer Pflanzenschutzherstellers Syngenta durch den Staatskonzern ChemChina im Wert von 43 Milliarden Dollar für erheblichen Wirbel gesorgt. Sie selbst haben sich dazu skeptisch geäußert. Haben Sie Angst, dass auch bald die BASF gekauft wird?

Dass die Chinesen jetzt in Europa einkaufen, ist nachvollziehbar. Das können sie in den Fünfjahresplänen nachlesen: Dort stehen exakt die Technologien drin, welche die Chinesen interessieren, bis hin zum Pflanzenschutzprodukt. Was ich fordere, sind gleiche Rechte und Pflichten – ein Level-Playing-Field – für Chinesen in Europa und Europäer in China.

Und das gibt es nicht? Haben Europäer nicht jahrelang in China zugekauft?

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