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BASF-Chef Bock : „Wer hat schon mal in einer Fabrik gearbeitet?“

Wir haben in Deutschland 40 Millionen Arbeitskräfte, davon arbeiten nur noch weniger als 8 Millionen im verarbeitenden Gewerbe. Fragen Sie mal, wer schon in einer Fabrik gearbeitet oder wenigstens einmal eine besichtigt hat. Die Menschen verlieren das Gefühl für derartige Arbeitsplätze, und so wächst das Unverständnis. Die Kritik an TTIP wäre bei mehr Verständnis für die Industrie nie so gekommen, so wurde nur über Chlorhühnchen geredet.

Die Antworten der Politik auf die wachsenden Zweifel könnte noch mehr Nationalismus sein, weniger Handel, höhere Zölle. Fürchten Sie einen Dammbruch, wenn die Amerikaner unter Donald Trump damit vorangehen?

Es fällt mir schwer zu glauben, dass die Amerikaner eine Politik verfolgen, die den Wohlstand aller Beteiligten reduziert. Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft weiter wachsen wird, auch der Handel.

Hat die BASF Produktion in Mexiko?

Ja, für uns ist Mexiko attraktiv, wir haben dort eine Menge investiert, vor allem für unsere Kunden aus der Auto- und Elektroindustrie.

Was, wenn Trump die Mauer baut?

Ich gehe nicht davon aus, dass das passieren wird.

Schon heute wächst der weltweite Handel langsamer als die gesamte Wirtschaftsleistung, das war früher anders. Ist das nicht ein ernstes Alarmzeichen?

Von Kontinent zu Kontinent wächst er langsamer, das stimmt. Aber innerhalb der Kontinente, etwa in Asien, nimmt er zu. Das spricht für unser Internationalisierungskonzept. Wir versuchen in den Märkten mit entsprechender Produktion vor Ort zu sein. In Amerika produzieren wir 90 Prozent lokal, in Asien rund 60 Prozent.

Im Oktober kamen bei einem Unglück auf dem Betriebsgelände der BASF in Ludwigshafen vier Menschen ums Leben. Die Ermittlungen laufen.

Mitte Oktober ist auf Ihrem Werksgelände eine Pipeline explodiert, bei der vier Menschen ums Leben kamen. Wie es aussieht wegen eines einfachen Fehlers. Was entgegnen Sie jetzt den Kritikern, die sagen, Profit geht über alles?

Sicherheit hat bei der BASF immer Priorität, immer, das ist doch gar keine Frage. Dieses Unglück hat uns alle im Mark erschüttert, und wir tun alles, um es aufzuklären und daraus zu lernen.

Wie ist denn der Stand der Dinge?

Die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall und wird sich wohl Anfang nächsten Jahres wieder dazu äußern. Nach alldem, was wir derzeit wissen, sind alle Vorschriften im Vorfeld eingehalten worden.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein Schnitt mit einer Flex in eine falsche Röhre das Unglück ausgelöst hat. Wenn die Ursache so simpel ist, was sagt das über die Sicherheit der BASF?

Es waren mehrere erfahrene Arbeiter vor Ort, als es passierte. Ich weiß, viele Menschen können nicht verstehen, wie es auf solche Weise zu so einem tragischen Unfall kommen konnte. Wir haben selbst Gutachter im Einsatz, um zu klären, was wir noch besser machen können.

Was passiert mit der chemischen Industrie, wenn die Digitalisierung fortschreitet? Werden dann auch in der BASF weniger Arbeiter gebraucht, wird der Fortschritt viele Verlierer produzieren, wie manche Wissenschaftler meinen?

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