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Bankhaus Sal. Oppenheim : Erste Anklagen gegen frühere Chefs fertig

  • -Aktualisiert am

Die frühere Führung der 2009 in Schieflage geratenen und dann an die Deutsche Bank notverkauften ehemaligen Privatbank steht seit März 2010 im Visier der Staatsanwaltschaft. Bild: dapd

Die Kölner Staatsanwaltschaft klagt frühere Führungsmitglieder des Bankhauses Sal. Oppenheim an. Sie wirft ihnen besonders schwere Untreue vor.

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          Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Anklagen gegen frühere Führungsmitglieder der einst größten europäischen Privatbank Sal. Oppenheim wegen zweier Immobiliengeschäfte fertiggestellt. Wie der Münchner Strafverteidiger Klaus Volk am Montag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte, geht es dabei um den Verdacht der besonders schweren Untreue. Der Hochschullehrer und Anwalt vertritt Christopher Freiherr von Oppenheim, der einer von vier persönlich haftenden Gesellschaftern war. Die anderen waren Matthias Graf von Krockow, Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt. Auch gegen den Immobilienentwickler Josef Esch richtet sich eine Anklage, wie die Deutsche Presse-Agentur meldet.

          Nach Volks Angaben betreffen die Vorwürfe zwei konkrete Immobilientransaktionen. Dabei soll es sich um eine überhöhte Miete für ein von der Bank genutztes Gebäude handeln, das einem Immobilienfonds gehört; außerdem um eine Privatvilla im feinen Kölner Stadtteil Marienburg, für deren Nutzung durch Familienangehörige die Bank zu wenig Miete erhalten habe.

          Umfassendes Ermittlungsverfahren

          Damit handelt es sich nur um eine kleinere Facette in einem umfassenden Ermittlungsverfahren der Kölner Strafverfolger. So steht die frühere Führung der 2009 in Schieflage geratenen und dann an die Deutsche Bank notverkauften ehemaligen Privatbank seit März 2010 im Visier der Anklagebehörde. In diesem Zusammenhang wurden wiederholt Büros sowie Haupt- und ausgewählte Nebenwohnsitze von vormals persönlich haftenden Gesellschaftern durchsucht.

          Im Rahmen der Ermittlungen interessiert sich die Staatsanwaltschaft vor allem für Darlehen im Volumen von rund 680 Millionen Euro, die einige der früheren Führungskräfte zur Finanzierung ihrer eigenen Geschäfte von dem Geldhaus erhalten haben. Sie sollen zu marktunüblich günstigen Zinsen und zum Teil auch ohne ausreichende Sicherheiten vergeben worden sein. Mit diesem Geld sollen die damaligen Bankiers unter anderem persönlich für Kredite an die einstige Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz gebürgt haben. Arcandor (vormals Karstadt-Quelle) ging im Sommer 2009 in die Insolvenz.

          Auch die Bankenaufsicht schaltete sich ein

          Die umstrittene Kreditvergabe hatte im Herbst 2009 auch die Bankenaufsicht auf den Plan gerufen. Kurz darauf schieden alle persönlich haftenden Gesellschafter vorzeitig aus der Führung des Geldhauses aus. Die Staatsanwaltschaft Bochum leitete überdies Ermittlungen gegen den ehemaligen Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff ein.

          Das Bankhaus Sal. Oppenheim unterstütze eine zügige und konsequente rechtliche Aufarbeitung der Vergangenheit, hieß es in Köln auf Anfrage. Seit das Ermittlungsverfahren vor eineinhalb Jahren eingeleitet wurde, habe man die Behörden bei ihrer Arbeit intensiv unterstützt und das Wissen der Bank zu den teilweise sehr komplexen Sachverhalten eingebracht.

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