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Verhandlungen zur Bankenfusion : Die Commerzbank-Mitarbeiter sind in Aufruhr

Keine Spur von Harmonie: Beschäftigte der Commerzbank sind verunsichert und verlangen Aufklärung. Bild: Hanno Mußler

Der Andrang auf der Betriebsversammlung der Commerzbank ist groß – eine Mischung aus Ärger und Verunsicherung liegt in der Luft. Den richtigen Ton trifft ein Verdi-Gewerkschafter.

          Die Mitarbeiter der Commerzbank in Frankfurt haben Informationsbedarf. „Ich gehe zum ersten Mal überhaupt auf eine Betriebsversammlung“, sagt ein durchaus erfahren wirkender Mitarbeiter. „Ich gehe seit langem einmal wieder hin“, sagt ein anderer. Die Commerzbank hat an diesem Mittwochnachmittag eigens einen Saal im Kongresszentrum der Frankfurter Messe gemietet, in dem 1900 Leute Platz haben. Die Schlange vor dem Einlass, der nur mit Betriebsausweis erlaubt wird, ist so lang, als spielte drinnen gleich eine bekannte Rockband auf.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Etwa 200 Commerzbanker müssen die Sitzung von draußen verfolgen. Der Versammlungssaal heißt „Harmonie“. Der Name scheint nicht gut zu passen: Viele Mitarbeiter sind wütend, weil ihre Boni gerade gekürzt worden sind. Personalvorstand Bettina Orlopp kann die Emotionen aber beruhigen.

          Fusionsverhandlungen bedrohen zahlreiche Stellen

          Sie legt dar, dass dem Vorstand die Hände gebunden seien, wenn zuvor vereinbarte Ziele wegen einer anders als erwartet eingetretenen Zinsentwicklung verfehlt werden. Dann müsse die variable Vergütung gekürzt werden. Für dieses Jahr seien die Ziele aber nicht mehr so hoch gesteckt, und deshalb werde es auch im kommenden Frühjahr wieder mehr Boni geben. So haben Mitarbeiter, die der F.A.Z. aus der Betriebsversammlung berichten, Orlopp zumindest verstanden.

          Doch wird es die Commerzbank im kommenden Frühjahr in ihrer gegenwärtigen Form noch geben? Tatsächlich haben viele Mitarbeiter wegen der wahrscheinlichen Fusion mit der Deutschen Bank erkennbar Angst um ihren Arbeitsplatz. Deshalb hat der Betriebsrat zur Betriebsversammlung auch den Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke eingeladen – vergeblich. Zielke lässt sich entschuldigen, was unter den Mitarbeitern schlecht ankommt.

          „Er ist abgetaucht“, sagt eine Mitarbeiterin. Auch sein Blog im Internet, in dem Zielke seit ein paar Monaten etwa zwei Mal die Woche über Auftritte vor Mitarbeitern und Journalisten berichtet, sei seit 15. März nicht mehr gefüllt worden. Zielke ist wohl ganz mit den Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank beschäftigt.

          Nach Informationen der F.A.Z. wurden inzwischen kleine Arbeitsgruppen mit Vorständen, Bereichsleitern und Beratern beider Banken gebildet. Täglich gebe es nun Kontakte zwischen Deutscher Bank und Commerzbank. Diese täglichen Kontakte müsse man sich jedoch nicht zwingend als physische Treffen, sondern häufiger als Video- oder Telefonkonferenz vorstellen, heißt es. In den Verhandlungen geht es etwa darum, mit welcher Transaktion eine Fusion vollzogen würde (neues Unternehmen oder Übernahme der Commerzbank durch die Deutsche Bank?), wie viel beide Banken wert sind, wie viele Mitarbeiter ihre Stellen verlieren (die Rede ist von 10.000 bis 30.000) und welches IT-System gewählt wird.

          Auch Kunden sind in Aufruhr

          Gerade die Mitarbeiter der kleineren der beiden Banken haben natürlich Angst, untergebuttert zu werden. Insofern gelang es Stefan Wittmann von der Gewerkschaft Verdi mit seiner rund 20 Minuten dauernden Rede auf der Commerzbank-Betriebsversammlung, vielen Mitarbeitern aus der Seele zu sprechen. Wittman sieht die Commerzbank allein auf einem guten Weg. Größe ist für ihn kein Erfolgsfaktor.

          Vielmehr sei entscheidend, ob die Commerzbank die Bedürfnisse ihrer Kunden erfülle. Dies gelinge ihr gerade im Auslandsgeschäft für Mittelstandskunden, das der Bundesregierung so wichtig sei, sagte Wittmann. Rund 60 Commerzbank-Mitarbeiter hätten ihn in diesen Tagen angerufen und von aufgebrachten Mittelstandskunden berichtet, die sich eine neue Bank suchen wollten, wenn es zur Fusion mit der Deutschen Bank käme.

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          Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der über Monate versucht hat, die Bankenfusion herbeizureden, äußerte sich am Mittwoch. Die Vorbereitung eines möglichen Zusammenschlusses liege allein in den Händen der beiden Bankvorstände. „Wir sind nicht dran“, sagte Scholz auf Fragen nach dem Einfluss der Bundesregierung. Entscheidungen seien von den beiden Banken zu treffen. „Wir werden uns informiert halten“, sagte Scholz. Der Bund ist mit knapp 16 Prozent an der Commerzbank beteiligt.

          Im Haushalt hat der Finanzminister nach eigenen Angaben weder Pläne für „irgendwelche Finanzaufwendungen“ im Zusammenhang mit einer Bankenfusion noch für einen Verkauf des Commerzbank-Anteils berücksichtigt. Viele Mitarbeiter der Commerzbank äußerten Missfallen über die Bundesregierung. Auch hier traf Gewerkschafter Wittman den richtigen Ton. „Wir lassen uns nicht in eine für alle Beteiligte unsinnige Fusion treiben“, sagte er. Verdi werde sich daran messen lassen, ob es noch gelinge, die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank zu verhindern.

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