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Banken-Stresstests : Wenig Stress für die Banken

Bild: dpa

Die Pläne der EZB für die neuen Banken-Stresstests sorgen für Diskussionsstoff. Das Ziel scheint klar: Das Bankensystem soll solide erscheinen.

          Wenn die Europäische Zentralbank die Bankenaufsicht in Europa übernimmt, dann will sie zuerst mal die Banken durchchecken. Heute hat sie Pläne für die nächste Serie der Banken-Stresstests veröffentlicht. Doch Sorgen müssen sich nur wenige Banken machen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Acht Prozent soll das sogenannte harte Kernkapital betragen, das die Banken ausweisen sollen - das soll der Puffer sein, mit dem Banken Krisenverluste abfedern können, ohne insolvent zu werden. Das klingt erst mal nach einem harten Kriterium: Es entspricht dem Wert, den Banken weltweit eigentlich erst Anfang 2019 erreichen müssten - zuzüglich eines Puffers von einem Prozentpunkt.

          Doch diese Hürde haben die meisten großen Institute in den vergangenen Jahren schon genommen. Der vergangene Stresstest legte sie noch höher: Damals wurde noch eine Kapitalquote von 9 Prozent gefordert.

          Das heißt nicht unbedingt, dass der Test heute leichter ist. Die EZB wird genau prüfen, wie die Risiken in den Bankbilanzen bewertet sind. Die EZB prüft die Banken in ganz Europa nach Standards, die denen aus Deutschland ähneln.

          Deutsche Gretchenfrage Schiffskredite

          Trotzdem verbleiben Spielräume bei der Bewertung. Was als Kapital angesehen wird, werde sich im Laufe der Bewertung ändern, heißt es von der EZB. Diese erfolgt dreistufig: Erstens eine Risikoanalyse der riskantesten Anlageklassen und Portfolios, zweitens die eigentliche Bilanzüberprüfung (Asset Quality Review), in der stichprobenartig einzelne Posten in den Büchern taxiert werden und drittens der Stresstest, durch den Verluste und Abschreibungen im Falle einer Wirtschaftskrise abgeschätzt werden solen.

          Für einige deutsche Banken könnte es in diesem Prozess wichtig werden, wie etwa Schiffskredite beurteilt werden. Die HSH Nordbank etwa hält ein Pakete von 27 Milliarden Euro, Nord LB und Commerzbank jeweils 18 Milliarden Euro. Nach Schätzungen sind mindestens 25 Prozent der Schiffskredite ausfallgefährdet. Die Bewertung wird im Zuge der Bilanzüberprüfung vorgenommen, die dem Stresstest voran geht. Da der gesamte Prüfungsprozess über 12 Monate gehen soll, kann das der ein oder anderen Bank noch Platz für Nachbesserungen geben, um den Stresstest zu bestehen.

          Oberstes Ziel: Vertrauen schaffen

          Nach Einschätzung von Experten ist das auch der Sinn des Stresstests. Es geht darum, Vertrauen ins europäische Bankensystem zu schaffen. Bisher ist das Zutrauen vergleichsweise gering. Das zeigt sich etwa daran, dass Aktien europäischer Banken im Vergleich zu ihren Gewinnen an der Börse günstiger sind als die Aktien amerikanischer Banken. Schon der bislang letzte Stresstest sollte zeigen, dass das europäische Bankensystem nicht marode ist. Doch die Ergebnisse fielen zu schlecht aus, als dass dies gelungen wäre.

          „Wir erwarten, dass diese Überprüfung das Vertrauen des privaten Sektors in die Banken der Euro-Zone und in die Qualität von deren Bilanzen stärken wird“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Daher hat man sich auch vorrangig vorgenommen, den Prozess transparent zu gestalten. Die Hürde von 8 Prozent sei mit viel Bedacht gewählt worden, heißt es: Etwas höher, als vorher unter der Hand kolportiert worden war, um Strenge zu suggerieren. Hoch genug, dass nicht alle Banken den Test bestehen, aber niedrig genug, dass das Bankensystem als Ganzes einen ausreichend stabilen Eindruck hinterlässt.

          Und die Chancen seien gut, dass dies diesmal gelingen wird - zumal die Ergebnisse nicht medienwirksam auf einen Rutsch vorliegen werden, sondern Zug um Zug. Das macht eine punktuelle Bewertung für den Kapitalmarkt schwierig. Die Hoffnung beruht eher darauf, die Stimmung nach und nach zu verbessern.

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