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Banken : Skurriler Kampf mit Autos gegen die Deutsche Bank

  • Aktualisiert am

Bisher schien sich die DWS der Rache eines Bankkunden zu beugen. Der hatte einen klapprigen roten Opel Kadett vor das DWS-Gebäude gestellt. „Ich fühle mich als Opfer der Deutschen Bank“, steht darauf. Nun schlägt die DWS aber zurück.

          Wochenlang schien man sich bei der DWS in das Schicksal zu fügen und sich der Rache eines Bankkunden zu beugen. Der hatte publikumswirksam einen klapprigen roten Opel Kadett vor das Gebäude der Fondsgesellschaft im Besitz der Deutschen Bank abgestellt. Nicht der Zustand des Gefährts ist Anstoß der öffentlichen Erregung, sondern dessen Beschriftung. „Für mich nie wieder Deutsche Bank“, steht in großen Lettern drauf. Oder: „Ich fühle mich als Opfer der Deutschen Bank.“

          Selbstverständlich macht das keinen guten Eindruck auf Geschäftsfreunde der Fondsgesellschaft, die sie in Frankfurt an der Mainzer Landstraße besuchen. Also verstellte die Fondsgesellschaft den Blick mit einer dichten Hecke aus Nadelgehölz. Auch das half nicht. Frank Schmall, so heißt der Mann, kettete einen Anhänger neben die Hecke mit gewohnt provokanten Meinungsäußerungen.

          Opfer einer Immobilienfinanzierung

          Aber nun schlägt die große Deutsche Bank doch zurück. Provisorische Schilder weisen darauf hin, daß von Freitag an in diesem Bereich ein absolutes Halteverbot verhängt worden ist - auch auf dem Seitenstreifen, auf dem Schmall seine Gefährte abgestellt hat. Dabei wähnte er sich schon siegesgewiß: „Die Grünen und die SPD hatten eine Eingabe bei der Stadt gemacht, daß die Hecke weg muß“, sagt der Mann, der sich als Opfer einer fehlgeschlagenen Immobilienfinanzierung sieht.

          Zwar ist er juristisch in allen Instanzen unterlegen, und auch sein Anwalt sah den Rechtsweg voll ausgeschöpft. Aber das sollte Schmall nicht hindern, seinen ganz privaten Kreuzzug gegen die Deutsche Bank weiterzuführen. Mit einer kleinen Autoflotte - alle ähnlich beschriftet - stellt er sich vor Filialen, die Zwillingstürme und selbst die Wohnhäuser von Vorständen. Von seinem Kampfplatz vor der DWS wird er nun erst einmal vertrieben. Dort sieht man sich zu Unrecht am Pranger. Schließlich war der Mann nie Kunde der Fondsgesellschaft.

          „Eigentlich ein ganz normaler Vorgang“

          Der Protest vor der DWS würde jetzt schnell teuer. Auf dem Seitenstreifen vor dem Gebäude werden künftig Parkgebühren fällig. Der Parkautomat wird in diesen Tagen aufgestellt. Schmall macht sich da natürlich seine Gedanken und wittert Verschwörung. Doch bei der Stadt Frankfurt ist man darauf bedacht, Neutralität zu wahren: In den Streit zwischen dem Kunden und der Bank wolle man sich nicht einmischen, heißt es bei der Straßenverkehrsbehörde. Richtig sei, daß die DWS einen Antrag gestellt habe, vor dem Gebäude einen Parkscheinautomaten für acht Plätze aufzustellen. Das sei reine Routine, wie sie oft bei einer Straßenverkehrsbehörde in einer Großstadt mit dichtem Verkehr anfalle. „Eigentlich ist das ein ganz normaler Vorgang“, heißt es bei der Behörde.

          Das alles ficht den wackeren Kämpfer nicht an. „Das Auto hätte ich sowieso schon woanders hingebracht, wenn die nicht die Hecke aufgestellt hätten“, sagt Schmall. „Eigentlich wollte ich es schon lange einem Vorstand in Falkenstein vor die Tür stellen.“ Das werde er jetzt machen. „Strafe muß sein“, meint er grinsend.

          Spender will anonym bleiben

          Eine neue Maßnahme läuft bereits. Auf dem Platz vor den Zwillingstürmen hat er ein Fahrrad angekettet - die Botschaft auf Metall am Rahmen festgeschweißt. „Ich habe einen Sponsor gefunden, der mir 100 Fahrräder finanziert“, frohlockt er. Der Spender wolle anonym bleiben. Die werde er jetzt überall vor der Deutschen Bank anketten. „Die DWS kriegt zwei“, sagt er. „Strafe muß sein.“ In entsprechenden Foren im Internet werden Schmalls Aktionen mit Beifall registriert. Bei der Deutschen Bank wiederum sind sich die Verantwortlichen keiner Schuld bewußt - an solch fragwürdigen Immobilienfinanzierungen zu Steuersparzwecken habe sich die Bank nicht beteiligt. Und doch wissen sie nicht, wie sie mit dem lästigen Protestler ins Einvernehmen kommen können.

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