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Banken : Pauschalabfindungen sollen Banker zur Kündigung bewegen

  • -Aktualisiert am

Die Frankfurter Banken agieren mit weniger Mitarbeitern Bild: dpa

Outplacement-Berater, die auf den Abbau von überflüssigen Angestellten spezialisiert sind, haben in der Bankenbranche Hochkonjunktur. In vielen Banken sind 30 Prozent der Stellen abgebaut worden.

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          Erfolgreiche Personalberater haben in Frankfurt ein klares Profil. Während die meisten Stellenvermittler über die Krise in den Banken klagen, haben Outplacement-Berater, die auf den Abbau von überflüssigen Angestellten spezialisiert sind, Hochkonjunktur. "Vor einigen Jahren war ich für viele Industrieunternehmen aktiv", berichtet ein Outplacement-Berater. "Heute betreue ich fast nur noch Banken." Das Geschäft ist so wichtig, daß er sogar ein Büro in Bankennähe aufgemacht hat.

          Nun forciert auch die Dresdner Bank noch einmal das Tempo des Arbeitsplatzabbaus. 4.700 Stellen muß Vorstandsvorsitzender Herbert Walter abbauen, lautet die Vorgabe des Aktionärs Allianz (F.A.Z. vom 11. Februar). Dabei hatte sich die Bank schon unter Walters Vorgänger Bernd Fahrholz von 11.000 Beschäftigten getrennt. Das reichte offenbar nicht, um die Bank wieder profitabel zu machen. Nun müssen die Angestellten der Dresdner Bank, wo die Zweitsprache wie in der Branche üblich Englisch ist, noch einmal ihre Lateinkenntnisse bemühen: Eine "Invitatio ad offerendum" soll ihnen nämlich am Montag zugehen. Darin wird allen Beschäftigten im Inland pauschal angeboten, sich ausrechnen zu lassen, wie hoch ihre Abfindung ausfiele, wenn sie kurzfristig die Bank verlassen wollten.

          Die meisten Banken haben Roßkuren hinter sich bringen müssen

          Eine unter deutschen Banken ungewöhnliche Methode, die bisher nur von der Hypo-Vereinsbank bekannt war. Auch die Deutsche Bank war beim Abbau von Stellen nicht zurückhaltend. Immerhin bezifferte sie die Stellenzahl für das Jahr 2000 zuletzt auf 89.748 und den aktuellen auf 67.700. Damit hat sich der Personalbestand um rund 22.000 reduziert. Davon entfallen 14.500 auf das Stellenabbauprogramm. Dennoch: Großflächige Runden mit pauschalen Aufhebungsverträgen wie bei der Dresdner Bank gab es nicht. "Bei uns gab es auch keine betriebsbedingten Kündigungen", erklärt ein Sprecher der Deutschen Bank. "Wir haben uns immer in individuellen Gesprächen geeinigt. Allerdings mußten sich, als die Deutsche Bank 24 wieder in das gehobene Privatkundengeschäft des Mutterkonzerns integriert wurde, 700 Angestellte auf 500 Stellen verteilen. Dabei wurden Stellenprofile festgelegt, auf die sich die Mitarbeiter mit der Angabe ihrer Priorität (von eins bis drei) bewerben konnten.

          Die meisten anderen Banken in Frankfurt haben ähnliche Roßkuren hinter sich. Die DZ-Bank, die im Herbst 2001 aus dem Zusammenschluß von DG-Bank und GZ-Bank hervorging, hat die Zahl der Stellen seitdem von 5.049 auf 3.549 reduziert. Dies entspricht einem Abbau von etwa 30 Prozent. "Turbo Exit" hieß das Programm, das in zwei Tranchen aufgelegt wurde: Beim ersten Mal gab es pauschal fünf Monatsgehälter für jeden, der freiwillig ging. In der zweiten Runde, die vor knapp einem Jahr auslief, wurden die Konditionen auf drei Gehälter verschlechtert. Damit ist zwar das fusionsbedingte Stellenabbauprogramm beendet, sagt ein Sprecher. Aber durch die Auslagerung von Geschäftsbereichen oder durch die Ausnutzung der natürlichen Fluktuation könnte die Mitarbeiterzahl weiter sinken.

          ING BHF-Bank mit individuellen Lösungen

          Andere Banken trennten sich weitgehend geräuschlos von überflüssigem Personal. So ist man bei der ING BHF-Bank stolz darauf, daß der Stellenabbau "sehr sozialverträglich und sehr leise" verlief und daß kein einziger Fall vor dem Arbeitsgericht verhandelt wurde. Freilich, eine Bank, die heute rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigt, kann solche Prozesse persönlicher und transparenter gestalten. Aber die Führung legte auch Wert darauf, daß die betroffenen Mitarbeiter in dieser Lebensphase nicht allein gelassen wurden.

          So hat auch die ING BHF-Bank einen Outplacement-Berater engagiert. Jeder Mitarbeiter ging zunächst eine Woche lang in ein Seminar. Ziel war es, daß der Betroffene seine Stärken kennenlernt und welcher Beruf wirklich zu ihm paßt. Dann bekam er einen Stellensucher zur Seite gestellt, der ihn individuell betreute.

          Teilzeit, Altersteilzeit und natürliche Fluktuation

          Ähnlich geräuschlos ging auch die Commerzbank vor. Die Bank hatte 1998 mit dem Zeitarbeitsunternehmen Adecco eine Beschäftigungsgesellschaft, Adcom, gegründet, in der vom Stellenabbau betroffene Mitarbeiter umgeschult und betreut wurden. Dieses Experiment schlug zwar fehl und die Gesellschaft wurde Ende 2003 aufgelöst. Dennoch beschäftigt die Commerzbank eine Outplacement-Betreuung. Immerhin reduzierte auch die Commerzbank die Zahl der Beschäftigten erheblich: Knapp 40.000 waren es Ende 2000, Ende September 2003 nur noch 33.327.

          Alle Banken setzten auf Altersteilzeit und natürliche Fluktuation, viele auch auf Teilzeit. Diesen Weg hat sich die Dresdner Bank nun möglicherweise verbaut. Viele Mitarbeiter fürchten nun, daß Teilzeitbeschäftigungen bei dieser Methode als erste auf der Strecke bleiben. Denn ganz so transparent und fair, wie es die Bank darstellt, wird das Verfahren wohl nicht laufen. Angestellte berichten, daß die Führungskräfte angewiesen wurden, schon vor der "Invitatio" die Leistungsträger anzusprechen und sie zum Bleiben zu bewegen.

          Abfindungsrechner im Intranet

          Zu schlecht ist die Erfahrung, die im vergangenen Jahr die Hypo-Vereinsbank (HVB) mit diesen pauschalen Aufhebungsangeboten gemacht hat. Dort haben die Besten oft noch die Abfindung mitgenommen und sich dann eine bessere Stelle gesucht. 11.100 Mitarbeiter hat die HVB zwischen 2001 und 2003 abgebaut, davon allein 4.000 in Polen. Im vergangenen Jahr konnte das Programm nach dem letzten Parforce-Ritt abgeschlossen werden. Im Intranet hatte die Bank extra einen Abfindungsrechner eingerichtet. So konnte sich jeder Beschäftigte den Betrag selbst ausrechnen.

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