https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/banken-jp-morgan-und-morgan-stanley-machen-deutlich-weniger-gewinn-18173339.html

US-Banken enttäuschen : J.P. Morgan und Morgan Stanley machen deutlich weniger Gewinn

Vor harten Zeiten: Bankfiliale in Manhattan Bild: REUTERS

Die scharfe Zinswende und die Rezessionsängste hinterlassen ihre Spuren in der Quartalsbilanz. Die Anleger ignorieren positives und schicken die Kurse auf Talfahrt.

          3 Min.

          Banken gelten als gute Konjunkturindikatoren. Und wenn traditionell zunächst die amerikanischen Banken über ihre Geschäfte im abgelaufenen Quartal berichten, schaut die ganze Finanzwelt genau hin. So auch am Donnerstag, als J.P. Morgan und Morgan Stanley als erste über einen überraschend deutlichen Gewinnrückgang berichteten. In Deutschland rauschte der Dax daraufhin deutlich um mehr als 2 Prozent abwärts. Das hat gute Gründe.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          J.P. Morgan Chase stellt sich auf härtere Zeiten ein. Die Bank stärkt ihr Eigenkapital sowie ihre Reserven. Die größte Institut der Vereinigten Staaten stoppt deshalb den erst im April angekündigten milliardenschweren Kauf eigener Aktien, um schneller höhere Kapitalanforderungen der Bankenaufsicht zu erfüllen. Außerdem legte die Bank im zweiten Quartal 1,1 Milliarden Dollar für ausfallgefährdete Kredite zurück. Trotz eines Gewinneinbruchs um 28 Prozent verdiente J.P. Morgan zwischen Anfang April und Ende Juni noch 8,6 Milliarden Dollar. Der Überschuss der Investmentbank Morgan Stanley sank von 3,4 Milliarden Dollar auf 2,4 Milliarden Dollar im zweiten Quartal 2022. Beides ist noch immer noch sehr auskömmlich, wie der Vergleich mit der Deutschen Bank zeigt. Die Deutsche Bank wies für das Gesamtjahr 2021 ein Nettoergebnis von 2,4 Milliarden Euro aus.

          Die seit 2005 von dem inzwischen 66 Jahre alten Jamie Dimon geführte J.P. Morgan reagiert mit dieser Reservenstärkung allerdings nur auf das, was sie am Donnerstag „eine leichte Verschlechterung der Wirtschaftsaussichten“ nannte. Vor einem Monat hatte Dimon noch von einem Hurrikan gesprochen, der angesichts der grassierenden Inflation drohe. Insofern überrascht der nun nur leicht pessimistische Wirtschaftsausblick. Auch die Aussetzung des Aktienrückkaufprogramms ist für Analysten keine Überraschung, wie es von der UBS hieß. Die Analysten der Schweizer Bank zeigten sich vielmehr positiv überrascht, dass J.P. Morgan ihre Eigenkapitalquote schon im zweiten Quartal von 11,9 auf 12,2 Prozent und damit in Richtung der aufsichtsrechtlichen Vorgabe von 12,5 Prozent erhöhen konnte. Allerdings dominierte am Donnerstag der Blick auf Kredite, die wegen Rezessionsgefahren in der Weltwirtschaft in Banken ausfallen könnten.

          Börsianer trauen Fed Zinssprung um einen Prozentpunkt zu

          So ist schon die moderate Aufstockung der Kreditrisikovorsorge (428 Millionen Dollar für faule Kredite, 657 Millionen Dollar für Nettoabschreibungen) wesentlich dafür verantwortlich, dass der Nettogewinn im zweiten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahresquartal von 11,9 auf 8,6 Milliarden Dollar zurück gegangen ist. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem nicht ganz so großen Rückgang auf 8,9 Milliarden Dollar gerechnet. Im Vorjahresquartal hatte JP Morgan noch gewinnsteigernd 2,3 Milliarden Dollar an Reserven aufgelöst, die die Bank in der Corona-Krise zurückgelegt, aber nicht benötigt hatte.

          MORGAN STANLEY

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Allerdings gab es im Kapitalmarktgeschäft auch deutliche Verschiebungen im Ertragsmix. Die Investmentbanker von Morgan Stanley und von J.P. Morgan erhielten 55 und 54 Prozent weniger Gebühren, weil wegen Rezessionsängsten das Geschäft mit Börsengängen und Unternehmenskäufen lahmte. Außerdem musste J.P. Morgan auf Anleihen, die sie im Bestand hält, Wertabschreibungen („mark-downs“) von 257 Millionen Dollar vornehmen. Hier hinterließ die plötzliche Zinswende ihre Spuren, die zu deutlich fallenden Anleihekursen führte.

          Im Kampf gegen die in den USA auf mehr als 9 Prozent gesprungene Jahresinflation halten Börsianer es inzwischen sogar für wahrscheinlich, dass die Notenbank Fed Ende diesen Monats ihren Leitzins um einen vollen Prozentpunkt erhöht. Diese sich schnell und deutlich verschiebenden Zinserwartungen führen zu starken Kursschwankungen, von denen Investmentbanken wiederum profitieren. So stiegen die Handelseinnahmen von J.P. Morgan um 15 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar. Alles in allem trug J.P. Morgans Investmentbanking 3,7 Milliarden Dollar zum Nettogewinn bei, im Vorjahresquartal waren es gut 5 Milliarden Dollar gewesen.

          Weniger, aber normalerweise deutlich stabiler verdient J.P. Morgan mit Privatkunden, ein Geschäft, das die Bank in Amerika durch den Kauf der Chase Manhattan Bank im Jahr 2000 erhalten hat. Aber auch hier hinterließen die Zinswende und die Angst vor einer Rezession deutliche Spuren. Wegen mehr Kreditrisikovorsorge trug das Privatkundengeschäft (commercial banking) nur noch 994 Millionen Dollar zum Nettogewinn bei nach 1,4 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Dabei ist der Arbeitsmarkt in Amerika noch sehr robust. Allerdings schwindet wegen der hohen Inflation das Vertrauen der Verbraucher, wie Dimon zugab. Gleichwohl expandiert J.P. Morgan im Privatkundengeschäft, nicht nur in den USA. Im September 2021 hat J.P. Morgan in Großbritannien eine digitale Bank für Privatkunden gestartet und dabei auf die Marke Chase zurück gegriffen. Falls die britische Chase erfolgreich ist, könnte J.P. Morgan auch in Deutschland mit Girokonten und Karten den Privatkundenmarkt aufmischen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kandidat für den Senat: Herschel Walker

          Stichwahl in Georgia : Bloß nicht über Trump reden

          Vor der Stichwahl um den letzten offenen Senatssitz am Dienstag wollen die Republikaner vor allem eines: sich möglichst wenig mit ihrem früheren Präsidenten auseinandersetzen. Leichter gesagt als getan.
          Was wird aus Twitter?

          Kommunikation im Netz : Schlimmer als Twitter

          Elon Musk könnte seine Plattform ruinieren. Doch auf den möglichen Nachfolger Mastodon hat die Rechtsordnung keine gute Antwort. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.