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Banken : In der Dresdner Bank droht eine schärfere Gangart

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Betriebsbedingte Kündigungen rücken in der Dresdner Bank näher. Keiner will freiwillig gehen. Der Betriebsrat ist beunruhigt über die geringe Resonanz auf die angebotenen Aufhebungsverträge.

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          Die Beschäftigten der Dresdner Bank befürchten, daß der Vorstand zu betriebsbedingten Kündigungen greift, um das Ziel zu erreichen, 4.700 Stellen bis Ende 2005 abzubauen. Anläßlich der Aufsichtsratssitzung des Eigentümers Allianz am heutigen Mittwoch solle dieses Thema diskutiert werden, kündigten Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gegenüber dieser Zeitung an.

          Bisher läuft noch eine Aktion der Bank, bei der sich Mitarbeiter aus Abteilungen, die nicht vom Stellenabbau betroffen sind, melden können, wenn sie die Bank freiwillig verlassen wollen. Die vierwöchige Frist laufe Ende dieser Woche aus und werde auch nicht verlängert, heißt es bei der Bank. Danach würden Gespräche mit den Interessenten geführt. Dieser Prozeß werde sich noch über einige Wochen hinziehen.

          Aufruf zur freiwilligen Aufhebung

          "Das Abbaupotential, das wir in den vergangenen Jahren geschafft haben, werden wir auch in diesem Jahr packen", heißt es bei der Bank. "Und wir hoffen, daß wir dies ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen." Darüber werde sich die Personalabteilung in drei oder vier Monaten Klarheit verschafft haben.

          Im Dezember hatten Vorstand und Gesamtbetriebsrat eine Rahmenbetriebsvereinbarung über den Abbau dieser 4.700 weiteren Stellen getroffen. Mitte Februar lancierte die Bank einen Aufruf zur freiwilligen Aufhebung von Arbeitsverträgen im Rahmen einer sogenannten "Invitatio per offerandum". Dabei wird allen Beschäftigten im Inland pauschal angeboten, sich ausrechnen zu lassen, wie hoch ihre Abfindung ausfiele, wenn sie die Bank kurzfristig verlassen wollten.

          Sozialverträglich zur Kündigung bewogen

          Die Invitatio sei von Anfang nur als Zusatzmaßnahme gedacht gewesen, heißt es bei der Bank. Dabei habe es sich um ein Entgegenkommen des Vorstands an den Betriebsrat gehandelt, um den Stellenabbau so sozialverträglich zu gestalten wie möglich. Ziel sei es gewesen, sich einen Überblick zu verschaffen über die Zahl der Mitarbeiter, die aufgrund ihrer persönlichen Lebensplanung bereit wären, freiwillig die Bank zu verlassen. Deren Zahl dürfte nach der bisherigen Resonanz jedoch nicht sehr hoch ausgefallen sein. Diese wird zusätzlich dadurch vermindert werden, daß sich Beschäftigte melden, die die Bank eigentlich halten will.

          Daneben soll das Stellenziel durch ein Bündel anderer Maßnahmen wie die Streichung von Leistungen oder Rationalisierungen erreicht werden, ohne daß die Bank zu betriebsbedingten Kündigungen greifen muß. "Klar ist jedoch auch: Wenn die freiwilligen Angebote nicht angenommen werden, müssen wir die Gangart verschärfen", heißt es bei der Bank. Die Arbeitnehmervertreter der Bank befürchten, daß dies bald der Fall sein wird. Denn seit dem Jahr 2000 hat sich die Dresdner Bank bereits von 11.000 Mitarbeitern getrennt, die aber noch nicht alle die Bank verlassen haben. Damit ist das Reservoir an Beschäftigten, die sozialverträglich zur Kündigung bewogen werden können, stark geschrumpft. So sind nur noch 13 Prozent der Beschäftigten älter als 50 Jahre.

          Am Donnerstag legt der Allianz-Konzern seine Zahlen für 2003 vor. Allein für die Dresdner Bank wird ein Verlust von 1,5 bis 2 Milliarden Euro nach Steuern erwartet.

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