https://www.faz.net/-gqe-rwuq

Banken : In aller Stille steigt der Dispozins

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Bank gewinnt immer. Diese Roulette-Regel bestätigt sich oft auch im Alltag: Überziehungskredite wurden nach der Leitzinserhöhung teurer. Sparer aber gingen leer aus.

          2 Min.

          Für Glücksspiele wie Roulette gilt eine einfache Grundregel: Die Bank gewinnt immer. Diese Regel bestätigt sich oft auch im Alltag der deutschen Kreditwirtschaft.

          Als die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang Dezember ihre Leitzinsen erhöhte, folgten viele Banken rasch und setzten die Konditionen für Überziehungskredite hoch. Den Auftakt unter den Großen machte die Commerzbank. Nur der Sparer ging leer aus - die Sätze für Einlagen ließen die meisten Banken unverändert.

          Kleingedruckter Hinweis

          Doch auch bei jenen Banken, die vor Weihnachten eine Kontoüberziehung nicht verteuert haben, war eine Entwarnung häufig verfrüht. Viele haben eine Zinsanhebung so weit hinausgezögert, bis ihre Kunden nicht mehr damit gerechnet haben - um dieser Tage um so diskreter den Dispozins doch noch hochzusetzen. Die Kunden der Dresdner Bank finden jetzt auf ihrem Kontoauszug einen kleingedruckten Hinweis: „Leider müssen wir den Zinssatz für Ihren Dispositionskredit mit Wirkung vom 23.01.2006 auf 12,820% p. a. anheben.“

          Dazu sei die Bank gezwungen, weil auch die Refinanzierungskosten gestiegen seien, sagt ein Sprecher der Dresdner Bank. Doch während sich die EZB mit einem Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte begnügt hatte, nimmt die Dresdner Bank gleich noch einen kleinen Schlag zu ihren Gunsten mit und setzt gleich 0,32 Prozentpunkte drauf. Andere Banken hätten auch ihre Konditionen angehoben, lautet die Rechtfertigung.

          Nur wenige lassen die Sparer profitieren

          In der Tat haben viele Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch Sparkassen Dispokredite verteuert. Die Commerzbank, direkter Konkurrent der Dresdner Bank, folgte strikt der EZB: Genehmigte Überziehungen verteuerten sich von 12,5 auf 12,75 Prozent jährlich, ungenehmigte von 17,5 auf 17,75 Prozent.

          Nur wenige Banken ließen auch die Sparer von den höheren Leitzinsen profitieren. Eine Ausnahme ist die Hamburger Sparkasse: Sie ließ ihren Dispo unverändert und erhöhte die Konditionen für Festzinssparer um bis zu 0,3 Prozentpunkte. „Unser Cashkonto war bereits vor der Zinserhöhung auf einem hohen Niveau und wurde erneut angehoben, in der höchsten Klasse ab 50.000 Euro zum Beispiel von 2,1 auf 2,25 Prozent.“

          Banken nutzen Nachlässigkeit aus

          Die meisten Banken saßen die Zinserhöhung jedoch aus. „Die Banken warten bei Festgeldanlagen ab“, sagt Max Herbst von der FMH Finanzberatung Max Herbst, die regelmäßig die Konditionen deutscher Banken erhebt. „Zur Zeit herrscht kein großer Zwang, auf irgendwelche Marktbewegungen zu reagieren.“

          Früher hatte die Bundesbank eine Zinserhöhung regelmäßig mit dem Appell an die Banken verknüpft, diese an die Sparer weiterzugeben - und hat auch schon mal diskreten Druck ausgeübt, wenn sich die Banken allzusehr zierten. Die EZB verzichtet darauf. Und die Banken nutzen diese Nachlässigkeit offenbar aus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ursula von der Leyen an diesem Mittwoch im EU-Parlament in Brüssel.

          Wiederaufbau-Plan : Mut statt Geld

          Eine Finanzierung über Brüssel könnte die in Deutschland kritisch beäugte EZB entlasten. Und doch muss Ursula von der Leyens 750 Milliarden Euro schweres Paket kritisiert werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.