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Banken : Hypo-Vereinsbank überrascht die Börse positiv

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Die Hypo-Vereinsbank hat im dritten Quartal 2003 zum ersten Mal nach vier Verlustquartalen mit einem Nettogewinn abgeschlossen. Dieser fiel mit 196 Millionen Euro erheblich höher aus als von Analysten erwartet.

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          Die Hypo-Vereinsbank hat im dritten Quartal 2003 zum ersten Mal nach vier Verlustquartalen mit einem Nettogewinn abgeschlossen. Dieser fiel mit 196 Millionen Euro erheblich höher aus als von Analysten erwartet. An der Börse lag die Aktie der zweitgrößten deutschen Bank am Mittwoch zeitweise mit 7 Prozent im Plus und war stärkster Wert im Aktienindex Dax. Insbesondere an Unternehmenskrediten und im Provisionsgeschäft hat die HVB wieder besser verdient, wie aus dem Zwischenbericht hervorgeht. Dieser zeigt erstmals die Zahlen der "neuen" HVB, nachdem ein Großteil des Immobiliengeschäfts (Hypo Real Estate) abgespalten worden ist. Ohne den Verkauf der Nürnberger Norisbank mit einem Buchgewinn von 279 Millionen Euro wäre allerdings im dritten Quartal nochmals ein Minus entstanden.

          Im vierten Quartal und für das Gesamtjahr 2003 plant die Münchner Großbank nunmehr ein positives Nettoergebnis. Hierbei helfen weitere Buchgewinne von 284 Millionen Euro durch den Verkauf der Schweizer Bank von Ernst sowie von Versicherungsaktivitäten in Österreich. Die zu Jahresbeginn aufgrund Unternehmensinsolvenzen und Börsenbaisse noch stark angeschlagene Bank sieht sich für das Gesamtjahr voll im Korridor ihrer Prognosen. Diese sehen einen Vor-Steuer-Gewinn von 300 bis 600 Millionen Euro und eine Risikovorsorge von 2,3 bis 2,6 Milliarden Euro vor. Nach neun Monaten lag die HVB unter dem Strich noch mit 30 Millionen Euro im Minus. Das vergangene Jahr hatte die Bank mit 858 Millionen Euro Fehlbetrag abgeschlossen, dem höchsten ihrer Geschichte.

          "Wir kommen gut voran, wissen aber, daß wir noch ein gutes Stück Weg vor uns haben", sagte HVB-Vorstandssprecher Dieter Rampl. Rampl hatte im März einen tiefgreifenden Konzernumbau gestartet und durch die Verkäufe sowie den Börsengang der österreichischen HVB-Tochtergesellschaft Bank Austria-Creditanstalt im bisherigen Jahresverlauf 1,5 Milliarden Euro frisches Kernkapital geschaffen. Am Mittwoch nahm die HVB ihre Zielmarke für die Kernkapitalquote Ende 2003 allerdings leicht von rund 7 Prozent auf 6,7 bis 6,8 Prozent zurück. Um diese Quote von derzeit 6,2 Prozent bis Jahresende über 6,7 Prozent zu hieven, wird die HVB ihr Projektfinanzierungsgeschäft in eine Tochtergesellschaft ausgliedern und dadurch weiteres Kernkapital in Höhe von 750 Millionen Euro aufnehmen, wie am Mittwoch bekannt wurde. Ein nicht genannter Partner stellt für diese Gesellschaft 750 Millionen Euro Eigenkapital bereit und erhält 95 Prozent der Anteile. Da die HVB die Kontrolle behalte, sei ihr das Kernkapital voll zuzurechnen, sagte der Sprecher.

          Nach dem Konzernumbau in diesem Jahr müsse im kommenden Jahr die Steigerung der Erträge im Vordergrund stehen, hieß es. Allerdings fehlen der Bank allein durch den Verkauf der Ertragsperlen Norisbank und Bank von Ernst sowie ihres amerikanischen Immobilienkreditportfolios im kommenden Jahr in ihrem Betriebsergebnis 130 Millionen Euro. Zudem wird die Risikovorsorge mit 2 Milliarden Euro weiter auf hohem Niveau bleiben, wie Finanzvorstand Wolfgang Sprißler in einer Analystenkonferenz sagte. Zwar nehmen die Ausfälle von Firmenkrediten tendenziell ab, doch macht der HVB weiter die Schwäche der Immobilienmärkte zu schaffen.

          Im dritten Quartal 2003 bestritt der Verkaufsgewinn der Norisbank fast die Hälfte des auf 623 Millionen emporgeschnellten Betriebsgewinns. Aber auch ohne Norisbank lag das Betriebsergebnis fast doppelt so hoch wie in den ersten beiden Quartalen. Trotz der deutlich verringerten Kreditvolumina steigerte die HVB den Zinsüberschuß, da sie bei ihren Kunden höhere Zinsen durchsetzen konnte. Auch das deutsche Privat- und Geschäftskundengeschäft warf wieder einen Ertrag ab. Zum Jahresende wird die Bank noch 60 000 Mitarbeiter beschäftigen, 6000 weniger als Ende 2002.

          Markt & Meinung, Seite 20.

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