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Banken : Goldman Sachs will Staatsgeld zurückzahlen

Die Türen offen für frisches Geld: Goldman Sachs in New York Bild: AFP

Nach dem Milliardenverlust im vierten Quartal hat die Goldman Sachs überraschend gute Zahlen vorgelegt. Die Wall-Street-Bank schreibt wieder Gewinne, dringt auf eine schnelle Rückzahlung der Staatshilfe und plant eine Erhöhung des Kapitals.

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          Die Goldman Sachs Group Inc. hat aufgrund guter Ergebnisse im Wertpapierhandel für das erste Quartal einen Nettogewinn von 1,8 Milliarden Dollar ausgewiesen. Gleichzeitig kündigte die amerikanische Bank eine Kapitalerhöhung von 5 Milliarden Dollar an. Goldman will das Geld nutzen, um die im vergangenen Jahr erhaltenen Staatshilfen von 10 Milliarden Dollar zurückzuzahlen. Geht das Finanzministerium auf dieses Vorhaben ein, wäre Goldman die erste der amerikanischen Banken, die die Gelder der Regierung zurückerstatten würde. Goldman erhofft sich von der Rückzahlung ein Ende von Restriktionen etwa bei der Bezahlung von Managern, die den Banken im Gegenzug auferlegt worden waren.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Nettogewinn von Goldman entspricht 3,39 Dollar je Aktie und lag damit deutlich über den Erwartungen der Analysten, die im Durchschnitt nur mit 1,49 Dollar je Anteilsschein gerechnet hatten. Der Aktienkurs von Goldman Sachs reagierte im frühen Handel am Dienstag mit Verlusten von bis zu 6 Prozent auf die Quartalszahlen und die angekündigte Aktienemission. Am Montag war der Aktienkurs allerdings in Erwartung positiver Ergebnisse um 5 Prozent gestiegen. Seit Anfang des Jahres hat der Kurs schon um 54 Prozent zugelegt.

          „Mit der Leistung in diesem Quartal zufrieden“

          „Angesichts der schwierigen Marktlage sind wir mit der Leistung in diesem Quartal zufrieden“, sagte der Vorstandschef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein. Der Gewinn von Goldman im ersten Quartal folgte auf das erste Verlustquartal seit dem Börsengang vor rund 10 Jahren. Im vierten Quartal hatte Goldman Sachs wegen der schweren Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten 2,1 Milliarden Dollar Verlust gemacht.

          Ein direkter Vergleich mit den Quartalsergebnissen des Vorjahres ist allerdings schwierig, weil Goldman den Berichtszeitraum geändert hat. Das Geschäftsjahr von Goldman entspricht wie das anderer Banken jetzt erstmals dem Kalenderjahr. Zuvor hatte die Wall-Street-Bank ihr Geschäftsjahr bereits im November abgeschlossen. Das erste Quartal endete dann entsprechend Ende Februar und nicht Ende März. Die Umstellung folgte der Statusänderung von Goldman nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im vergangenen Jahr. Goldman wie auch der Konkurrent Morgan Stanley wandelte sich von einer Investmentbank zu einer Bank-Holding um. Damit bekamen die unter Druck geratenen Wall-Street-Häuser unter anderem Zugang zu Notkrediten der Notenbank Fed.

          Verlust von 780 Millionen Dollar im Dezember

          Wegen der Umstellung des Quartals wies Goldman die Resultate für Dezember separat aus und berichtete für diesen Monat einen Verlust von 780 Millionen Dollar. „Dezember war eine seltene Gelegenheit sowohl für Goldman Sachs als auch für Morgan Stanley“, sagte Analyst Brad Hintz vom Wertpapierhaus Sanford Bernstein. „Ein einzelner Monat, ohne Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Monaten, weswegen keiner von uns jemals wissen wird, was in den Dezember reingepackt wurde. Das ist eine dieser seltenen Chancen, von denen Finanzchefs träumen“, sagte Hintz, der früher Finanzchef von Lehman Brothers war.

          Goldman erwirtschaftete in der Handelssparte für festverzinsliche Wertpapiere, Währungen und Rohstoffe Rekorderträge von 6,6 Milliarden Dollar - mehr als doppelt so viel wie im ersten Quartal des vergangenen Jahres. Goldman profitierte von Rekordvolumen bei der Emission amerikanischer Staatsanleihen und breiterer Spannen zwischen den Kauf- und Verkaufsangeboten der Wertpapiere. „Das Ergebnis im Anleihehandel war so gut, weil es im Handelsgeschäft keinen Wettbewerb mehr gibt“, kommentierte Jeff Harte, Analyst beim Wertpapierhaus Sandler O'Neill. Im Aktienhandel gingen die Einkünfte von Goldman allerdings zurück. Zudem verbuchte Goldman Verluste bei Direktinvestitionen wie der chinesischen Industrial & Commercial Bank of China Ltd. Goldman erwägt einen Verkauf seiner Anteile an der Bank im Wert von rund 1 Milliarde Dollar. Im Investmentbanking, also der Beratung bei Fusionen und Übernahmen sowie der Emission von Wertpapieren, gaben die Einkünfte auch nach. Auch in der Vermögensverwaltung lief das Geschäft schwächer. Insgesamt beliefen sich die Einkünfte von Goldman in ersten Quartal auf 9,4 Milliarden Dollar - ein Zuwachs um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

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