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Banken : Früherer West-LB-Chef Sengera vor Gericht

  • -Aktualisiert am

Der ehemalige West-LB-Chef Sengera steht ab diesem Mittwoch vor Gericht Bild: picture-alliance/ dpa

In Düsseldorf hat die Hauptverhandlung gegen den ehemaligen West-LB-Chef Jürgen Sengera begonnen. Dem Vierundsechzigjährigen wird schwere Untreue angelastet. Bestätigen sich die Vorwürfe, droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

          In Düsseldorf hat an diesem Mittwoch die Hauptverhandlung gegen den ehemaligen West-LB-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Sengera begonnen. Dem Vierundsechzigjährigen wird schwere Untreue vorgeworfen.

          Im Mittelpunkt des Prozesses steht ein anfangs 1,3 Milliarden Euro schwerer Großkredit aus dem Jahr 1999, von dem die West LB am Ende 427 Millionen Euro abschreiben musste. Im Mai 2003 hat dieses obsolete Spezialfinanzierungsgeschäft mit dem britischen Leasingunternehmen Boxclever bei der Bank eine existenzbedrohende Krise ausgelöst. In den Jahresabschlüssen 2002 und 2003 büßte die damals gerade aus der Westdeutschen Landesbank Girozentrale herausgelöste West LB AG fast 5 Milliarden Euro Eigenmittel ein. Von dem Debakel hat sie sich bis heute noch nicht erholt.

          Richterin aus dem Mannesmann-Prozess bekannt

          Das Hauptverfahren vor der 14. großen Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Düsseldorf wird von der durch den Mannesmann-Prozess bekannt gewordenen Brigitte Koppenhöfer geleitet. Die Vorsitzende Richterin hat die von der Staatsanwaltschaft benannten 61 Zeugen geladen. Für deren Befragung sind Termine bis zum 20. Mai festgesetzt. Der letzte Verhandlungstag ist vorläufig für den 19. Juni geplant.

          Zu den Zeugen gehört auch die Investmentbankerin Robin Saunders, die in London das jahrelang lukrative Geschäft der Eigenkapitalfinanzierung arrangierte. Das Verfahren gegen sie wegen Beihilfe zur Untreue wurde gegen Zahlung von einer Million Euro beendet.

          Ermittlungsbehörde: Interne Warnungen ignoriert

          Nach vierjährigen Ermittlungen wirft die Staatsanwaltschaft Sengera nun vor, er habe als zuständiger Vorstand bei dem Boxclever-Großkredit durch gröbliche Pflichtverletzung gegen den Straftatbestand der Untreue verstoßen. Nach Ansicht der Ermittlungsbehörde ignorierte er die internen Warnungen vor einem hohen Ausfallrisiko bei Boxclever und verheimlichte dem Gesamtvorstand Informationen über die Risiken. Wenn das Gericht diese Vorwürfe bestätigen sollte, droht Sengera eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

          Der Angeklagte weist die Beschuldigungen zurück. Sengera, der nach 17 Jahren Tätigkeit als Vorstand 2001 den legendären West-LB-Chef Friedel Neuber an der damals noch mit Abstand größten deutschen Landesbank abgelöst hatte, musste bereits im Sommer 2003 zurücktreten.

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