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Banken : „Es könnte wieder eine Fusionswelle geben“

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Blessing: „Wir werden die hohen Eigenkapitalrenditen nicht für immer halten können” Bild: Frank Röth

Im Mai kommenden Jahres wird Martin Blessing Vorstandssprecher der zweitgrößten deutschen Bank. Im Gespräch mit der F.A.Z. relativiert er das Interesse der Commerzbank an der IKB und sagt eine Fusionswelle der Banken voraus.

          Die Commerzbank galt bislang als einer der aussichtsreichsten Interessenten für den bevorstehenden Verkauf der heftig angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Doch die in den vergangenen Wochen aufgetauchten neuen Verluste und Risiken der Düsseldorfer IKB vergraulen allmählich die möglichen Käufer. Das Interesse der Commerzbank flaut jedenfalls spürbar ab. „Ich bin nicht sicher, wie hoch der Nutzen für unsere Aktionäre, Kunden oder Mitarbeiter ist, wenn wir uns hier positionieren“, sagt das für das Mittelstandsgeschäft zuständige Vorstandsmitglied Martin Blessing im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Die meisten Kunden der IKB oder zumindest sehr viele davon haben ohnehin schon mit uns Bankbeziehungen“, sagt der 44 Jahre alte Bankmanager, der im Mai von Klaus-Peter Müller den Posten des Vorstandssprechers übernimmt.

          Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Commerzbank überhaupt nicht bieten wird und die IKB an eine ausländische Bank oder gar an die selbst schwer angeschlagene Düsseldorfer Landesbank West LB geht. Nachdem in den vergangenen Wochen immer höhere Risiken bei der IKB auftauchten, musste der staatliche Großaktionär, die Förderbank KfW, ihre Risikovorsorge für dieses Engagement auf 4,95 Milliarden Euro aufstocken und ihre IKB-Beteiligung von 38 Prozent um 400 Millionen Euro abschreiben. Seit kurzem hat die Investmentbank Merrill Lynch das Mandat der KfW, die IKB zu verkaufen.

          Börsenwert der Commerzbank ist auf rund 17 Milliarden Euro geschrumpft

          Nach Ansicht von Blessing wird die derzeitige Finanzkrise, die vom amerikanischen Hypothekenmarkt ausgegangen ist und längst zahlreiche andere Kreditmärkte in Mitleidenschaft gezogen hat, eine Reihe von Fusionen und Übernahmen unter den großen Banken auslösen. „Jede Verwerfung auf den Finanzmärkten hat in der Vergangenheit zu großen Zusammenschlüssen geführt. Auch die Commerzbank ist Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts so entstanden. Nun könnte es wieder eine Konsolidierungswelle geben.“ Für die Commerzbank sieht er daraus keinen Handlungsdruck entstehen, auch wenn die Bank demnächst wieder einmal als Übernahmekandidat gehandelt werden sollte. „Diese Konsolidierungsdebatten werden genauso hohen Unterhaltungswert haben wie frühere Diskussionen.“

          Die zweitgrößte deutsche Bank gilt schon seit Jahrzehnten als Übernahmekandidat. Mittlerweile ist sie freilich fast die einzige verfügbare Bank, mit der sich ein ausländischer Wettbewerber auf einen Schlag einen größeren Marktanteil in Deutschland sichern könnte. Die Aktienkurse sämtlicher Bankaktien sind in den vergangenen Monaten stark gefallen; der Börsenwert der Commerzbank ist auf rund 17 Milliarden Euro geschrumpft.

          Von einer Kreditklemme sei in diesem Geschäft nichts zu spüren

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