https://www.faz.net/-gqe-osli

Banken : "Eine Fusion mit einer europäischen Bank wäre zukunftsweisender"

  • Aktualisiert am

An der Fusion von Hypo-Vereinsbank und Commerzbank schien bis vor kurzem kein Weg vorbeizuführen. Doch nachdem Dieter Rampl, der Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB), unlängst mit der europäischen Karte gewunken hat, entdeckt auch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller wieder Europa.

          4 Min.

          An der Fusion von Hypo-Vereinsbank und Commerzbank schien bis vor kurzem kein Weg vorbeizuführen. Doch nachdem Dieter Rampl, der Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB), unlängst mit der europäischen Karte gewunken hat, entdeckt auch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller wieder Europa. "Ich habe doch gar nicht gesagt, daß es eine nationale Lösung geben muß", betont er im Gespräch mit dieser Zeitung. Verschiedene Modelle seien denkbar, fährt er fort und erinnert an die Diskussionen im Jahr 1998: Damals verhandelten die Commerzbank und drei weitere europäische Universalbanken darüber, sich zur größten Bank der Welt zu vereinen.

          "Das hatte was; das war eine Vision", schwärmt Müller, der seinerzeit an den Gesprächen beteiligt war. Das Filialgeschäft mit den privaten Kunden sollte dem Plan zufolge national geprägt bleiben. Investmentbanking, Vermögensverwaltung und die technische Infrastruktur des Bankgeschäfts wären zusammengelegt worden. "Das war der richtige Gedanke, wir hatten ihn aber zu früh", sagt Müller

          Ist jetzt, sechs Jahre später, die Zeit dafür gekommen? Bislang haben ausländische Banken um Deutschland bis auf kleine Ausnahmefälle einen großen Bogen gemacht. Kein Wunder, 2003 haben Häuser wie Commerzbank und HVB, durchaus absehbar, jeweils Milliardenverluste gemacht. Sind deutsche Großbanken mit ihrer vergleichsweise geringen Ertragskraft für Ausländer nicht auf Dauer unattraktiv? Müller antwortet mit Jein: Nach-Steuer-Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent und mehr, wie sie ausländische Großbanken erwirtschaften, seien für deutsche Institute mittelfristig nicht drin. Dennoch hätten deutsche Banken durchaus ihre Reize: "Ist eine Bank nicht attraktiv, die 12 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern erwirtschaftet? Und die obendrein in den neuen EU-Ländern in Mittel- und Osteuropa gut aufgestellt ist?"

          "Welche amerikanische Bank ist das schon", redet sich der Commerzbank-Chef in Fahrt. Die Franzosen seien nicht da, die Briten hätten nicht eine einzige Bank außerhalb Moskaus. "Es gibt international tätige Banken, die ihre hohen Renditen auch deshalb erwirtschaftet haben, weil sie Investitionen, die wir getätigt haben, unterlassen haben", kann sich Müller einen Seitenhieb nicht verkneifen. 12 Prozent Eigenkapitalrendite - für die Commerzbank ist das allerdings noch Zukunftsmusik. Immerhin, nach dem Katastrophenjahr 2003 mit dem größten Verlust in der Unternehmensgeschichte hat die Bank im ersten Quartal 254 Millionen Euro Gewinn gemacht. Das entspricht einer Nachsteuerrendite von knapp 10 Prozent. Laut Müller fällt das erste Quartal allerdings meist überdurchschnittlich gut aus, so daß das Ergebnis des Gesamtjahres niedriger sein dürfte. Aber 8 Prozent Rendite - eigentlich erst für 2005 angepeilt - dürften dieses Jahr möglich sein, deutet er an. Und bei einem günstigen Umfeld bedeutend mehr.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Wahlsieg : Die Heldengeschichten der Tories

          Nach dem Sieg in der Unterhauswahl will Boris Johnson die Bürokratie stärker auf seine Politik ausrichten, munkelt man – in Westminster löst das Unruhe aus. Wer zum Erfolg des Premiers entscheidend beigetragen hat, ist hingegen glasklar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.