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Banken : Die WestLB muß bei den Abschreibungen nachlegen

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Zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf trifft den Jahresabschluß der Westdeutschen Landesbank für 2002. Ein zum Sanierungsfall gewordener britischer Kunde könnte den Abschreibungsbedarf ausgelöst haben.

          Zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf trifft den Jahresabschluß der Westdeutschen Landesbank für 2002. Ein zum Sanierungsfall gewordener britischer Kunde könnte nach Informationen aus Londoner Finanzkreisen bei der WestLB den Abschreibungsbedarf ausgelöst haben. Ein Sprecher der Bank bestätigt zwar den Korrekturbedarf, wollte sich über die Höhe der Belastung aber nicht äußern. Die Financial Times Deutschland nennt einen Betrag von 400 bis 500 Millionen Euro. Die WestLB habe im Abschluß 2002 allen erkennbaren Risiken Rechnung getragen, sagte der Sprecher des Unternehmens. Zu einzelnen Engagements nehme man nicht Stellung.

          Der Abschluß für 2002 wird am heutigen Dienstag vom Aufsichtsrat festgestellt und am 16. Mai veröffentlicht. Dieser neue Problemfall - es handelt sich offensichtlich um eine Leasing-Gesellschaft - ist Wasser auf die Mühlen jener Gesellschafter aus dem nordrhein-westfälischen Sparkassenlager, denen das Investmentbankgeschäft der WestLB im Ausland und vor allem in London und New York zu riskant erscheint.

          In einem ersten Überblick zum vergangenen Geschäftsjahr hatte die WestLB über einen Vor-Steuer-Verlust von 1,02 Milliarden Euro berichtet. Das hätte eine Ergebnisverschlechterung gegenüber dem Vorjahr um immerhin 1,2 Milliarden Euro bedeutet. Im ersten Abschluß nach der Teilung des früheren WestLB-Bankkonzerns in die mit staatlichen Aufgaben betraute Landesbank NRW und deren privatwirtschaftlich ausgerichtete Tochtergesellschaft WestLB sind massive Aufräumarbeiten eingearbeitet. Auf etwa 2,6 bis 2,7 Milliarden Euro belief sich nach bisherigem Kenntnisstand der Bruttoaufwand der WestLB aus Risikovorsorge und Wertkorrekturen (F.A.Z. vom 1. März).

          Freilich sind auch außerordentliche Erträge aus dem Verkauf von Beteiligungen - Wertpapier Service Bank und Provinzial-Versicherungen - sowie der Höherbewertung der Landesbanken-Beteiligungen angefallen. Dadurch zeigt der Vorbericht "nur" eine Verdreifachung von Risikovorsorge und Abschreibungen auf 1,65 (Vorjahr: 0,55) Milliarden Euro. Etwa die Hälfte dieser Last ist auf einige wenige Pleiten ausländischer Unternehmen zurückzuführen. Bei den drei großen, durch Bilanzmanipulationen verzögerten und verschärften Zusammenbrüchen - also bei Enron, Worldcom und dem Londoner Metallhändler RBG Resources - war die WestLB mit sehr hohen Beträgen dabei.

          "Reinen Tisch machen", hatte die WestLB bei der Veröffentlichung des Vorberichtes erklärt und das Ziel für das laufende Geschäftsjahr auf 500 Millionen Euro Überschuß vor Ertragsteuern beziffert. Dabei sollten auch die im Abschluß 2002 pauschal eingestellten 340 Millionen Euro Risikovorsorge helfen, mit denen sich der Vorstand vor Überraschungen in diesem Jahr schützen wollte. Dieser Betrag bietet nun ein gewisses Polster, falls der Vorstand den bisher veröffentlichten Verlust nicht in vollem Umfang um die zusätzliche Wertkorrektur ausweiten will.

          Die beiden regionalen Sparkassenverbände sind zwar mit jeweils 16,7 Prozent an der Landesbank NRW beteiligt, wichtiger aber ist für sie die Entwicklung der Landesbank-Tochtergesellschaft WestLB. Vor einigen Wochen, als sich deren Verlustabschluß und der damit verbundene Ausfall der Dividende abzeichnete, ist aus verschiedenen Ecken des Sparkassenlagers ein risikobewußteres Auslandsgeschäft der WestLB angemahnt worden.

          Der von Jürgen Sengera geführte WestLB-Vorstand will dem Aufsichtsrat Mitte September ein Strategiekonzept vorlegen. Schon jetzt ist klar, daß der Vorstand dabei an keine signifikanten Verschiebungen der Kerngeschäftsfelder denkt. Einen Rückzug aus dem Auslandsgeschäft lehnt die WestLB-Führung wegen der großen Ertragsanteile ab. In besseren Zeiten steuert allein das in London angesiedelte Geschäftfeld "Strukturierte Finanzierungen" mehr als 500 Millionen Euro zum Bruttoergebnis bei. Für das Geschäftsjahr 2002 gilt das zwar nicht, aber das Zusammentreffen mehrerer Großschäden soll diesen Geschäftsbereich dennoch nicht in die Verlustzone gekippt haben.

          Jedoch ist die WestLB dabei, die mit dem Auslandsgeschäft verbundenen Kosten massiv zu reduzieren. So sollen bei der Londoner Investmentbank WestLB Panmure 300 der international tätigen 640 Mitarbeiter ausscheiden. Dadurch sollen die Kosten um 100 Millionen Euro reduziert werden. Aber auch hier denkt der Vorstand nur an Einschnitte, nicht jedoch an einen vollständigen Rück zug.

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