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Banken : Die Société Générale hegt große Ambitionen

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Die französische Bank beurteilt den Zeitpunkt für einen Ausbau in Deutschland als günstig.

          2 Min.

          hlr. FRANKFURT, 25.April. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit ist die französische Großbank Société Générale zu einem bedeutenden Akteur im deutschen Bankgeschäft aufgestiegen. Rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt das Haus hierzulande und ist nicht nur im Kapitalmarktgeschäft, sondern auch mit einer breiten Palette im Firmenkundengeschäft mit strukturierten Finanzierungen, Leasing oder Exportfinanzierung aktiv. Doch mit der bisher errichteten Position will sich die Bank nicht zufriedengeben. "Deutschland steht auf unserer Prioritätenliste ganz oben", sagte Jean-Pierre Mustier, seit Januar 2003 Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Firmenkunden und Kapitalmarktgeschäft der Societe Generale, im Gespräch mit dieser Zeitung. Dies gelte für die Betreuung von Konzernen, dem gehobenen Mittelstand wie auch für institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen oder Investmentfonds und für Beteiligungskapitalfonds (Private Equity).

          Die Zeit für eine Expansion hierzulande hält Mustier für günstig: "Deutschland ist für ausländische Banken derzeit besonders offen", sagt der Franzose. So hat die Bank im Jahr 2001 von der Deutschen Bank die Leasing-Aktivitäten ALD und Gefa gekauft. Im Januar 2003 habe die Bank kreditfinanzierte Unternehmensakquisitionen (Leveraged Finance) auf Deutschland ausgeweitet, um die globalen und europäischen Private-Equity-Gesellschaften auch aus Frankfurt heraus zu betreuen. Bei der Emission von Euro-Anleihen deutscher Unternehmen verzeichne die Bank Erfolge. Vor wenigen Wochen schließlich hat die Société Générale von der Otto-Versandhandelsgruppe 75 Prozent der Hanseatic-Bank in Hamburg übernommen, die ihre Stärke in der Konsumentenfinanzierung hat. Mustiers Ambitionen in Deutschland sind Teil des konzernweiten Programms "Turbo Growth Venture 2008". Dabei sollen jene Geschäftsfelder identifiziert werden, die hohe Wachstumsraten versprechen und gleichzeitig die Rentabilität der Bank nachhaltig steigern. Dies geschieht auf hohem Niveau: Der Geschäftsbereich Unternehmen und Kapitalmärkte kam im Jahr 2004 auf eine Eigenkapitalrendite von 41,4 Prozent nach Steuern, die gesamte Bank auf 18,9 Prozent nach Steuern.

          In Europa will Mustier auch weiter wachsen: "Der Heimatmarkt für unser Kapitalmarktgeschäft ist vor allem Europa, da wir uns auf den Euro konzentrieren." Zwar habe die Société Générale eine "vernünftige Präsenz in den Vereinigten Staaten und Asien" sowie eine international führende Stellung in Segmenten wie Exportfinanzierung, Projektfinanzierung oder Aktienderivaten. Aber die Société Générale fokussiere sich als "europäische Firmenkunden- und Investmentbank" auf die drei Kernbereiche Euro-Kapitalmärkte, Derivate und strukturierte Finanzierungen. Auch soll das Kapitalmarktgeschäft nicht allein aus London oder Paris heraus geführt werden."

          Vor allem strebt der Franzose eine enge Verzahnung zwischen dem Kapitalmarktgeschäft und der Betreuung der Firmenkunden an, auch unter dem Einsatz der eigenen Bilanz, etwa bei der Vergabe von Krediten. "Unsere Aktionäre wollen, daß die Société Générale Risiken übernimmt", sagt Mustier. Denn wer eine überdurchschnittliche Rendite wolle, müsse auch akzeptieren, Risiken einzugehen. Allerdings müßten diese ausgewogen sein.

          Von den 2000 Beschäftigten in Deutschland arbeiten rund 160 in Frankfurt im Kapitalmarktgeschäft und der Betreuung von Firmenkunden. "Das ist noch nicht genug", kündigt Mustier weitere Einstellungen an. Allerdings wolle die Bank in Deutschland keine komplette Produktpalette anbieten, sondern das Wachstum auf Felder begrenzen, wo man sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verspricht.

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