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Banken : Deutsche Banken verlieren den Anschluß in Europa

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Bild: F.A.Z.

Deutsche Bank und Dresdner melden bessere Zahlen für das dritte Quartal. Doch sie sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus. Der Abstand zur europäischen Konkurrenz droht uneinholbar groß zu werden.

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          Den deutschen Banken geht es besser, aber sie sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus. Denn der Abstand zur europäischen Konkurrenz droht uneinholbar groß zu werden. Im dritten Quartal konnten die deutschen Kreditinstitute immerhin den Aufwärtstrend bestätigen, der sich im Frühjahr angekündigt hatte.

          Die Dresdner Bank mußte am Freitag zwar im operativen Geschäft nach Risikovorsorge einen Verlust von 70 Millionen Euro einräumen. Aber in vielen Bereichen hat die Bank des Allianz-Konzerns spürbare Fortschritte erzielt. Vor allem der Verwaltungsaufwand konnte in den vergangenen zwölf Monaten spürbar - um eine Milliarde Euro - gesenkt werden.

          Auch die Hypo-Vereinsbank vermeldete, daß im dritten Quartal das Ergebnis erstmals wieder ins Plus drehte. 196 Millionen Euro betrug das Ergebnis nach Steuern und Fremdanteilen. Allerdings wurde eine Ursache der Verluste ausgelagert: Der gerade erst an die Börse gebrachte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate erlitt kurz nach seinem Kapitalmarktdebüt einen Quartalsverlust von 4 Millionen Euro nach Steuern.

          Trotz guter Zahlen wächst der Abstand zu den Besten

          Anleger bleiben vorsichtig

          Trotz der Sanierungserfolge der deutschen Großbanken in diesem Jahr bleiben viele Anleger vorsichtig. Dies schlägt sich in der niedrigen Börsenbewertung nieder, unter der die deutsche Finanzbranche nach wie vor leidet. Die Skepsis bekam auch die Deutsche Bank zu spüren, die zwar im dritten Quartal zum zweiten Mal in Folge einen Gewinn - und zwar vordergründig beachtliche 755 Millionen Euro vor Steuern - ausweisen konnte. Aber er blieb deutlich unter dem Ergebnis des Sommerquartals von 1,1 Milliarden Euro.

          Zuwenig gesichert scheinen den Anlegern die erzielten Fortschritte. Viele Quartalsabschlüsse sind stark von Beteiligungsverkäufen geprägt: Industriebesitz und viele Geschäftsbereiche wurden abgestoßen. Das bringt zwar Einnahmen, macht es aber notwendiger denn je, neue Erlösquellen aufzutun. Vor allem beunruhigt, daß der Ertragszuwachs der deutschen Banken vom Börsenglück getrieben war.

          Dies birgt das Risiko, daß der Aufwärtstrend genauso schnell kippen könnte, wie er den Banken geholfen hatte. Die Deutsche Bank verdiente im dritten Quartal im Wertpapierhandel 940 Millionen Euro. Das sind fast 40 Prozent weniger als drei Monate zuvor, weil die Bank offenbar den scharfen Renditeanstieg an den Rentenmärkten nicht in diesem Maße vorhergesehen hatte.

          Husarenstück der Commerzbank

          Konsequent hat die Commerzbank die günstige Lage am Aktienmarkt für ein Husarenstück sondergleichen genutzt. Diese Woche kehrte sie 2,3 Milliarden Euro aus der Bilanz und plazierte sogleich eine dadurch notwendig gewordene Kapitalerhöhung von 760 Millionen Euro. Nur unter derart schweren Opfern konnte Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller die Fehler bewältigen, die in der Ära seines Vorgängers Martin Kohlhaussen begangen wurden.

          Positiv ist immerhin: Vor einem Jahr noch hätte die Commerzbank kaum die Substanz gehabt, um eine solche Transaktion zu verkraften. Damals noch wurden Spielräume bei der Bilanzierung eher genutzt, um Wertansätze etwas höher als zu niedrig anzusetzen.

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