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Bamf-Affäre : Wirft Seehofer McKinsey raus?

Mit der Flüchtlingskrise hat er zu tun: Horst Seehofer. Bild: dpa

Die Unternehmensberatung arbeitet seit 2015 für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Fällt auch sie der Tabula-Rasa-Aktion von Seehofer zum Opfer?

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          Der Unternehmensberatung McKinsey droht nach knapp drei Jahren Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge der Rauswurf. Bundesinnenminister Horst Seehofer wolle die Zusammenarbeit mit den Strategieberatern beenden, berichtet die Frankfurter Rundschau. Das habe der Minister in einer CSU-Vorstandssitzung angekündigt.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          McKinsey selbst zeigt sich überrascht: „Uns sind keine Veränderungen mitgeteilt worden“, sagte ein McKinsey-Sprecher auf Nachfrage: „Wir haben auch nur die Berichte in den Medien gelesen“. Das Ministerium konnte oder wollte sich auf Nachfrage dieser Zeitung über den Fall nicht äußern, sondern leitete die Anfrage an das Bamf weiter. Eine Bamf-Sprecherin teilte lediglich mit, dass es mit McKinsey noch einen Rahmenvertrag gebe, über den die Behörde noch bis Ende Dezember 2020 Beratungsleistungen abrufen könne: „Mindestabnahmeverpflichtungen bestehen nicht“, heißt es in der kurzen Antwort.

          2300 Euro für einen Beratertag

          Die Flüchtlingsbehörde steht seit Wochen in der Kritik, Seehofer will das Amt grundlegend neu ordnen. McKinsey berät die Behörde von Herbst 2015 an. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise suchte das Bamf unter dem damals frisch berufenen Leiter Frank-Jürgen Weise dringend Hilfe. Die Bundesregierung beauftrage neben McKinsey auch andere Berater, wie EY (früher Ernst&Young), Roland Berger und Kienbaum.

          Die größten Brocken entfielen aber auf McKinsey. Die Berater halfen zunächst bei der Registrierung von Flüchtlingen. Später haben sie ein Konzept erarbeitet, wie mehr Flüchtlinge zu einer Rückkehr in ihre Heimatländer bewegt werden können. Der Auftrag war durchaus lukrativ: Laut einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, hat das Bamf bei McKinsey bislang Beratungsleistungen in Höhe von rund 45 Millionen Euro in Anspruch genommen.

          Wie viele Berater auf dem Höhepunkt der Krise im Bamf gearbeitet haben, teilte die Regierung nicht mit, Ende April waren aber noch 15 McKinsey-Berater in der Behörde im Einsatz. Über die Tagessätze schweigen die Beteiligten. Aus einem früheren, ähnlichen Fall lässt sich schätzen, dass McKinsey für einen Beratertag rund 2300 Euro bekommen hat.

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