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Concardis : Finanzinvestoren wollen Kreditkarten-Terminal-Unternehmen kaufen

  • Aktualisiert am

Das Unternehmen, das viele Kartenzahlungen abwickelt, wird verkauft. Bild: dpa

Wer im Handel mit Kredit- oder Girokarte bezahlt, kommt oft nicht an einem Terminal von Concardis vorbei. Das Zahlungs-Abwicklungs-Unternehmen gehört im Moment deutschen Banken und Sparkassen - aber wohl nicht mehr lange.

          Wenn Kunden beim Einkaufen im Geschäft mit Kredit- oder Girokarte bezahlen, steckt oft ein Unternehmen hinter dem Zahlungs-Prozedere: Concardis. Der Kartenzahlungsdienstleister ist Vertragspartner für die Händler, stellt die Bezahlterminals und wickelt die Zahlungen ab. Concardis gehört deutschen Banken und Sparkassen - aber wohl nicht mehr lange, glaubt man der Nachrichtenagentur Reuters: Finanzkreisen zufolge, auf die sich die Agentur beruft, steht der Kartenzahlungs-Dienstleister vor dem Verkauf an die Finanzinvestoren Bain Capital und  Advent. Das Konsortium habe mit seinem Gebot die Konkurrenten CVC und Bridgepoint ausgestochen, sagten drei mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur am Freitag.

          Den deutschen Banken und Sparkassen winkt damit zum Jahresbeginn ein unerwartet großer Geldsegen: Die mehr als 30 beteiligten Banken und Verbände könnten mit einem Erlös von rund 700 Millionen Euro für das Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt rechnen, deutlich mehr als erhofft, sagten zwei der Insider. Unterschrieben sei aber noch nichts, weil einige Gremienbeschlüsse der bisherigen Eigentümer ausstehen. Concardis und Advent wollten sich nicht zu den Informationen äußern. Bain war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

          2015 liefen über Concardis 360 Millionen Transaktionen mit einem Umsatz von 38,3 Milliarden Euro - neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen erwirtschaftete 480 (2014: 450) Millionen Euro Umsatz, der Nettogewinn lag bei 24,2 Millionen Euro.

          Der Trend zum Bezahlen per Smartphone und der mögliche Markteintritt von Apple Pay in Deutschland beschäftigt die Branche immer stärker. Concardis hofft darauf, sich mit einem neuen, zahlungskräftigen Eigentümer schneller zum Komplettanbieter von Zahlungsverkehrsdienstleistungen weiter zu entwickeln. Vor allem im Internethandel sieht das Unternehmen Nachholbedarf. Advent und Bain haben in der Branche Erfahrung. Sie hatten 2015 den britischen Zahlungsdienstleister Worldpay und im Herbst 2016 die dänische Nets an die Börse gebracht. Beide sind auch an der italienischen ICBPI beteiligt.

          Im Verkaufspreis inbegriffen sind 80 Millionen Euro, die Concardis aus dem Verkauf von Visa Europe an die amerikanische Visa Inc auf der hohen Kante hat. Vor allem Privatbanken wie die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Hypo Vereinsbank hatten auf den Verkauf gedrängt, weil sie das Geschäft nicht mehr als strategisch erachten. Auch die 26 beteiligten Landesbanken und Sparkassenverbände und die mit 19 Prozent beteiligte DZ Bank wollen ihre Anteile angesichts des hohen Preises verkaufen. Privatbanken und Sparkassen halten je 39 Prozent an Concardis.

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