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Debatte um Managergehälter : Bahnchef Lutz soll soviel verdienen wie sein Vorgänger

Richard Lutz (l.) hat die Leitung der Bahn von Rüdiger Grube übernommen. Bild: dpa

Der neue Bahnchef Richard Lutz soll ein Grundgehalt von 900.000 Euro im Jahr erhalten. Zuvor hatten die Grünen in der F.A.Z. dies stark kritisiert.

          Der neue Bahn-Chef Richard Lutz muss nicht als Vorbild für die heiß diskutierte Begrenzung der Managergehälter herhalten. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, der den 52 Jahre alten Betriebswirt an diesem Mittwoch offiziell zum Vorstandsvorsitzenden des Staatskonzerns berief, legt für Lutz' Salär dieselben Maßstäbe an wie bei seinem Vorgänger Rüdiger Grube.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Das verlautete aus Aufsichtsratskreisen. Damit wird Lutz ein Fixgehalt von 900.000 Euro im Jahr erhalten. Hinzu kommen variable Vergütungsbestandteile, die in guten Zeiten das Grundgehalt deutlich übertreffen können. Grube erhielt selbst im Verlustjahr 2015 immerhin rund 540.000 Euro Boni.

          Die Grünen hatten vor der Aufsichtsratssitzung gefordert, der Bahn-Chef müsse bei der Begrenzung der Gehälter und deren steuerlicher Abzugsfähigkeit eine Vorbildfunktion einnehmen. Immerhin werde dessen Gehalt „komplett von der Allgemeinheit getragen“, hatte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung argumentiert.

          Problem Güterbahn

          Die Grünen treten derzeit im Grundsatz gemeinsam mit der SPD dafür ein, mit einer Änderung im Steuerrecht gegen hohe Managergehälter vorzugehen: Die Unternehmen sollen Vorstandsvergütungen nur noch bis zur Höhe von 500.000 Euro bei der Körperschaftsteuer geltend machen dürfen; für darüberhinausgehende Beträge wäre dann der normale Körperschaftsteuersatz zu entrichten. Anders als die Grünen sah die SPD jedoch keinen Anlass, aus dem Gesetzesvorhaben Konsequenzen für die Berufung des neuen Bahn-Chefs zu ziehen.

          In einem Gesetzentwurf der SPD-Fraktion heißt es zur Begründung einer steuerlichen Obergrenze von 500.000 Euro, damit solle „der Zahlung unangemessener Vorstandsgehälter entgegengewirkt werden“. Die Allgemeinheit solle so „von einer Mitfinanzierung solcher überhöhter Bezügezahlungen entlastet werden“. Die geplante Regelung setzt zwar keine feste Obergrenze bei 500.000 Euro, legt aber nahe, dass dies eine Art Vernunftobergrenze sei.

          Die Bahn geriet nun ins Blickfeld, weil dort vor dem Hintergrund der Debatte über Managervergütungen ein neuer Vorstandschef zu berufen war und die Regierung dort zugleich direkt Einfluss auf die Vergütungshöhe nehmen kann. Allerdings werden in anderen Unternehmen mit Bundesbeteiligung, allen voran die Dax-Konzerne Deutsche Post und Deutsche Telekom, die Vorstände deutlich besser bezahlt als bei der Bahn.

          Unabhängig davon meldete sich an diesem Mittwoch die Gewerkschaft IG Metall zu Wort, deren Vertreter in vielen Aufsichtsräten über Vorstandsvergütungen mitentscheiden. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sprach sich für eine „wirksame Begrenzung“ aus. Dazu bedürfe es einer starken Stimme der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten.

          Bei der Bahn tritt der bisherige Finanzvorstand Lutz die Nachfolge von Grube an, der das Unternehmen Ende Januar wegen des Streits um seine Vertragsverlängerung überraschend verließ. Lutz arbeitet seit 1994 im Unternehmen und führt seit 2010 das Vorstandsressort „Finanzen und Controlling“, das er nun in Personalunion weiter leiten soll. Dieser Vorschlag von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte im Aufsichtsrat zunächst Skepsis ausgelöst. Die Aufseher hatten sich aber von Dobrindts Argument überzeugen lassen, es sei angesichts der finanziellen Lage der Bahn sinnvoll, die Verantwortung für die Finanzen beim Bahnchef anzusiedeln. Lutz sagte nach der Sitzung, er werde „die Aufgabe zu 150 Prozent ausfüllen“. Den Kurs der Bahn will Lutz nicht grundlegend ändern. Das Jahr 2016 sei erfolgreich gewesen, sagte er. „Deshalb werden wir Spielsystem und Strategie nicht in Frage stellen.“ Gleichzeitig mit Lutz' Berufung zog der Aufsichtsrat die Wiederbestellungen der Vorstände Berthold Huber (Personenverkehr) und Ronald Pofalla (Infrastruktur) vor. Beide erhalten wie Lutz einen Fünf-Jahres-Vertrag bis März 2022. Die Aufseher wollen zudem möglichst bald die Ressorts „Digitalisierung und Technik“ sowie „Güterverkehr und Logistik“ besetzen.

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