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Bahn : Einzeltickets im Nahverkehr werden teurer

Im Nahverkehr der Bahn werden die Tickets für Einzelfahrten im Durchschnitt um zwei Prozent teurer. Bild: dpa

Die Deutsche Bahn verlangt im Nahverkehr mehr Geld. Zwar ändert sich bei den Zeitkarten und Abonnements für Pendler nichts. Aber Gelegenheitskunden müssen für Einzelfahrscheine bald mehr bezahlen.

          Vor kurzem hatte Rüdiger Grube für seine Kundschaft eine gute Nachricht parat. „Die Preise im Fernverkehr bleiben in der ersten und der zweiten Klasse stabil“, kündigte der Bahnchef im September an. Trotz erheblich gestiegener Kosten verzichte man in diesem Jahr auf eine Preiserhöhung. Personenverkehrsvorstand Berthold Huber begründete den Schritt mit verschärfter Konkurrenz: Mit dem weitgehenden Verzicht auf Preiserhöhungen reagiere man auf veränderte Wettbewerbsbedingungen. Viele fragten sich damals: Gilt die Preispause eigentlich auch für den Regionalverkehr? Jetzt ist die Antwort im Radio-Eriwan-Stil gegeben: Im Prinzip ja, aber...

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zumindest die Stammkunden dürfen sich freuen. Die Preise für Zeitkarten und Abonnements von Berufs- und Ausbildungspendlern sowie für Schüler bleiben im kommenden Jahr stabil, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Auch die Pauschalpreistickets „Quer durchs Land“ und „Schönes Wochenende“ werden nicht teurer. Das gelte auch für die meisten Länder-Tickets und die regionalen Angebote. „Wir möchten ein Zeichen für einen starken Nahverkehr setzen“, sagte Personenverkehrschef Huber. Für Millionen Pendler halte die Deutsche Bahn die Preise stabil. Und bei den übrigen Angeboten habe man sich bewusst zu Preiserhöhungen unter dem Durchschnitt der großen Verkehrsverbünde entschieden.

          Und so gilt zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember: Einzelfahrscheine der ersten und der zweiten Klasse kosten im Durchschnitt 2 Prozent mehr. „Über alle Angebote gerechnet liegt die Erhöhung bei 0,9 Prozent“, rechnet die Bahn aber prompt ihre Preispolitik klein. Ohnehin seien von den eigenen „Preismaßnahmen“ nur 20 Prozent der Nahverkehrskunden betroffen. 80 Prozent seien zu den Tarifen der Verkehrsverbünde unterwegs, auf die der Konzern einen nur geringen Einfluss habe. Für Verkehr außerhalb der Verbünde gestalte man die Preise in Abstimmung mit den Wettbewerbsbahnen und den Organisationen, die den Nahverkehr im Auftrag der Länder bestellen und bezahlen.

          Teurer wird es künftig in erster Linie für Gelegenheitspassagiere, die mit Einzelfahrscheinen in den Bundesländern Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sind. In den anderen Bundesländern liegt die Preisgestaltung nach Bahnangaben ausschließlich bei den jeweiligen Verkehrsverbünden beziehungsweise den Ländern. Unverändert hoch bleiben die Grund- und Mitfahrerpreise des Baden-Württemberg-Tickets, des Metropol-Tages-Ticket Stuttgart, des Bayern-Tickets, des Mecklenburg-Vorpommern-Tickets, des Schleswig-Holstein-Tickets und des Brandenburg-Berlin-Tickets. Für das Rheinland-Pfalz-Ticket, das Saarland-Ticket, das Sachsen-/Sachsen-Anhalt-/Thüringen-Ticket und das Brandenburg-Berlin-Ticket Nacht wird – bei gleichbleibendem Grundpreis – der Mitfahrerpreises für die zweite bis fünfte Person angehoben.

          „Nahverkehr für den Fahrgast attraktiv und bezahlbar zu gestalten, ist für alle Beteiligten eine Herausforderung“, sagt DB-Regio-Chef Manfred Rudhart. Und so gehen die relativ moderaten Preiserhöhungen einher mit Angeboten, die früher undenkbar gewesen wären. Für Bayern etwa bietet die DB in Kürze eine Mitfahrer-App an. Sie ermöglicht es, Mitreisende für die eigene Strecke zu einem bestimmten Fahrdatum zu finden. Als Basis kann ein Bayern-Ticket dienen, mit dem bis zu fünf Passagiere unterwegs sein können. Damit macht sich die Bahn zwar grundsätzlich selbst Konkurrenz. Dahinter steckt aber offenbar die Überlegung: Besser einen Kunden im Zug – heute gratis und morgen vielleicht zahlend – als einen, der lieber Fernbus fährt.

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