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Bahn-Chef : Nicht mehr am Zug

Die Mitglieder des Personalausschusses – außer Kirchner versammeln sich unter diesem Rubrum auch der Aufsichtsratsvorsitzende Utz-Hellmuth Felcht und Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald – knickten schließlich unter dem Druck der übrigen Aufseher ein. Das Angebot an Grube wurde in Windeseile umgeschrieben. Doch Grube wollte sich auf eine bloß zweijährige Verlängerung nicht mehr einlassen. „Ich stehe nicht mehr zur Verfügung“, so soll er seinen Rücktritt formuliert haben. Schon an diesem Dienstag will er sein Büro, das ihm seit Mai 2009 gehörte, hoch oben im Bahnturm am Potsdamer Platz räumen. An die Dienstzeit seines Vorgängers Hartmut Mehdorn, der die Bahn fast zehn Jahre führte und dann nach der Datenaffäre im Unfrieden schied, reicht er nun nicht mehr heran.

Erinnerung an den gescheiterten Börsengang

Die Abschiedsworte für Grube klingen derweil kühler als erwartet. Gewerkschaftschef Kirchner teilte nur kurz angebunden mit, man nehme Grubes Entscheidung zur Kenntnis und danke ihm für sein Engagement. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter, ein langjähriger Bahnkenner, ordnete Grubes Rücktritt als „Chance für einen Neustart“ ein. An die Spitze des Unternehmens gehöre jemand „mit Leidenschaft für die Bahn“ – eine Eigenschaft, die der „Workoholic“ Grube zweifellos immer für sich beansprucht hätte. Eine sympathische Bahn, die pünktlich und komfortabel ist und für die Fahrgäste auch noch Wlan bereithält. Hofreiters Forderung klingt nach Grubes alten Zielen. Der SPD-Verkehrspolitiker Sören Bartol empfahl in erster Linie „einen kühlen Kopf“ im Hinblick auf die Nachfolge. Es müsse jemand sein, der Schienenverkehr in Deutschland zu bezahlbaren Preisen organisieren könne und der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu einem Markenzeichen der Deutschen Bahn mache. Zu Grube kein Wort.

Von Hartmut Mehdorn, der die Bahn mit einem harten, zuweilen zu harten Sparkurs in die Wirtschaftlichkeit führte, blieb in der Öffentlichkeit vor allem die Erinnerung an einen gescheiterten Börsengang. Grube hat in seinen fast acht Jahren an der Bahnspitze den Konzern wieder näher an die Politik herangerückt. Unter seiner Ägide wurde wieder mehr investiert – in neue, teure Züge vor allem und in die Digitalisierung, aber auch in Bahnhöfe und das Schienennetz.

Der Bund behob die Geldsorgen

Auf dem Weg in eine digitale Zukunft, die die Bahn in absehbarer Zeit zu einem umfassenden Mobilitätsanbieter machen soll, hat Grube – beeindruckt vom Silicon Valley – unkonventionelle Wege beschritten. Die Zusammenarbeit mit Startups bringt frischen Wind in die Bahn, der vielerorts noch 23 Jahre nach der Bahnreform ihr Behördenimage anhaftet. Doch die Aufseher ließen sich von Grubes Visionen nicht beeindrucken: Selbstfahrende Busse schätzen sie einfach als weniger wichtig ein als die marode Güterbahn.

Zudem haben die Investitionen einen hohen Preis. Die Verschuldung der Bahn stieg unter Grubes Führung auf so bedrohliche Höhen, dass die Ratingagenturen sich um die Gesundheit des Staatsunternehmens zu sorgen begannen. Grubes Idee, Anteile an den erfolgreichen Tochtergesellschaften DB Schenker (Logistik) und DB Arriva (Personenverkehr im Ausland) zu privatisieren, scheiterte letztlich am Widerstand der Politik, vor allem aus der SPD.

Die Geldsorgen behob im vergangenen Herbst dann der Bund. Er verzichtete auf Teile seiner Dividende und gewährte eine Kapitalaufstockung um 2,4 Milliarden Euro. Hinter den Kulissen geht die Großzügigkeit indes einher mit dem unmissverständlichen Wunsch des Bundes, wieder mehr Einfluss auf Aus- und Neubau sowie Instandhaltung zu bekommen – allerdings ohne dass Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dafür ein Konzept in der Schublade hätte. Grubes Bahn kam an die kürzere Leine. Die Entscheidung über seine Nachfolge wird ein Fingerzeig sein, wie viel unternehmerischen Freiraum der Bahnchef künftig gewährt bekommt. Er muss nicht nur mit der Politik können, sondern auch mit dem Aufsichtsrat.

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