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Bahn-Chef Grube : Der eiserne Vollstrecker

Bahn-Chef Rüdiger Grube geht vieles anders an als sein Vorgänger Mehdorn Bild: ©Helmut Fricke

Seit acht Monaten ist der frühere Daimler-Manager Grube Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. Und nichts ist mehr wie bei seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn. Nach außen gibt Grube den wendigen Diplomaten. Den Konzern führt er aber mit harter Hand.

          Diplomatie zahlt sich bisweilen eben doch aus. Als die Bahn jetzt ihre alljährliche Weihnachtspanne zu vermelden hatte, da entging der Bahn-Chef überraschend den sonst üblichen Beschimpfungs-Arien. Dabei fiel auf der wichtigen ICE-Strecke zwischen Berlin und München vom 23. Dezember an jeder zweite Zug aus. Menschen standen am Bahnhof in der Kälte. Und die Begründung dafür klang altbekannt: Es war wieder einmal die Neigetechnik der Züge, die einen Aussetzer hatte.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So weit, so gewöhnlich. Anders als früher war aber, wie schnell sich Verkehrsminister Peter Ramsauer vor den Bahn-Chef stellte. Noch hatte der übliche Chor der Bahn-Kritiker nicht angestimmt, wie sonst in solchen Fällen die Unfähigkeit der Bahn und ihres Managements über alle Medienkanäle zu beklagen - da verkündete der Minister schon: Schuld an der Panne sei die Bahn-Industrie. Der Ausfall der Züge einen Tag vor Heiligabend sei „blamabel für die Hersteller“. Kein Wort aber über den BahnChef. Der war aus dem Schneider.

          Nichts ist mehr, wie es war

          Es scheint sich gelohnt zu haben, dass Rüdiger Grube den Minister gepäppelt hat, wo er konnte, und ihm bei so manchem medienwirksamen Auftritt den Vortritt gelassen hat. Seit acht Monaten ist der frühere Daimler-Manager Grube Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn. Und nichts ist mehr wie bei seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn. „Ich sage zu Mehdorn gern: Hartmut, du hattest deine Art, ich habe meine“, sagt Grube selbst über sein Verhältnis zum Vorgänger. Mehdorns roten Sessel hat Grube zwar im Bahn-Chef-Büro stehen lassen. Ansonsten aber ist nichts mehr, wie es war.

          Während Mehdorn sich ohne Unterlass mit allen anlegte, ob es Verkehrsminister waren, Gewerkschaftsbosse oder Seniorenvertreter, fährt Grube seit Amtsantritt einen diplomatischen Kuschelkurs. Davon profitiert er jetzt. „Grube pinkelt keinen an, dafür wird er auch nicht angepinkelt“, so formuliert es ein Manager aus seinem Umfeld.

          Werkzeug der Bundesregierung

          Aber Grube ist nicht einfach ein lieber Mehdorn, wie viele jetzt sagen. Wer so denkt, unterschätzt ihn. Grube ist das höchst effiziente Werkzeug der Bundesregierung, den sperrigen Bahn-Konzern auf Kurs zu bringen. Seine Rolle ist eng umrissen: Grube soll die Bahn befrieden, nachdem Mehdorns Lebensziel, der Börsengang, so dramatisch gescheitert ist.

          Dafür hat die Bundesregierung einen Manager geholt, der ihre Eigentümerrolle bedingungslos akzeptiert. Während Mehdorn gern den Autokraten mit Vorbild Napoleon gab, dem es egal ist, wer unter ihm Verkehrsminister ist, spricht Grube demütig davon, das Management der Bahn habe eine „Bringschuld“ gegenüber dem Eigentümer, dem Bund.

          Mehdorn hatte alles für den Börsengang getan. Er hat die Bahn getrimmt und gefordert. Das hat viel bewegt. Am Schluss aber hat er sich verrannt. Was ihm fehlte, war ein Plan B, als die Politik das ehrgeizige Vorhaben Ende 2008 absagte. Wenn Grube jetzt über einen möglichen Börsengang redet, klingt das vage, weit in der Zukunft liegend - und wie abgelesen aus dem Koalitionsvertrag. „Wir halten weiter an dieser Option fest, auch wenn das im Augenblick überhaupt kein Thema ist.“

          Ziele auch ohne Börsengang

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