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Bafin-Zwischenbericht : Grenke kommt mit gelber Karte davon

Die Grenke-Zentrale in Baden-Baden Bild: dpa

Der von der Finanzaufsicht Bafin beauftragte Prüfer entlastet in weiten Teilen das Management des umstrittenen Unternehmensfinanzierers. Einen zweiten Wirecard-Skandal wird es nicht geben.

          2 Min.

          Grenke ist nicht das neue Wirecard. Die Sorge an der Börse, der umstrittene Unternehmensfinanzierer aus Baden-Baden könnte ähnlich betrügerische Geschäfte gemacht haben, ist nun größtenteils auch offiziell entkräftet. Die von der Finanzaufsicht Bafin beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars hat nach Angaben des Unternehmens alle wesentlichen Kritikpunkte untersucht: Weder gebe es Zweifel an der Existenz der Leasingforderungen, noch hätten sich Vorwürfe der Geldwäsche insgesamt bestätigt. Die Wertansätze der Franchiseunternehmen seien trotz methodischer Defizite vertretbar. 

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Die Aktionäre reagierten auf die adhoc verbreitete Nachricht am Freitagmorgen mit Erleichterung. Der Aktienkurs legte im frühen Handel um mehr als 10 Prozent zu. Ein vollständiger Freispruch von internen Fehlern ist der Zwischenbericht aber nicht: im Detail übt die Aufsicht deutliche Kritik.

          Vorwürfe des britischen Investors Fraser Perring

          Die Bafin, die nach dem Wirecard-Skandal umgebaut wurde und seither unter besonderer Beobachtung steht, kritisierte nach Darstellung des Unternehmens insbesondere die fehlende Offenlegung nahestehender Personen in früheren Jahresabschlüssen. Gemeint ist Gründer Wolfgang Grenke, der die Leasinggesellschaften, die später größtenteils vom Unternehmen gekauft wurden, in der Gründungsphase selbst finanzierte. Weitere Kritik hätten die von der Aufsicht beauftragten Wirtschaftsprüfer in der Geldwäscheprävention und im Bereich der internen Revision geübt.  

          Auch in der unternehmenseigenen Grenke Bank habe es Verstöße gegen die Mindestanforderungen an das Risikomanagement gegeben. Vorstand Mark Kindermann, der lange für die Kontrollen zuständig war, hatte vor ein paar Tagen auf Druck der  Bafin seinen Hut genommen. Für die Aktionäre kam diese Nachricht überraschend, zumal sie in der begleitenden Erklärung des Unternehmens nur sehr unzureichend begründet war. Schnell machten sich deshalb wieder Zweifel breit, ob die Vorwürfe gegen das Unternehmen doch zutreffen könnten.

          Grenke steht seit September unter Druck. Damals hat der britische Investor Fraser Perring eine Fülle von Vorwürfen erhoben und Grenke mit Wirecard verglichen. Weil Perring schon bei Wirecard frühzeitig vor Betrug gewarnt hatte, wurde seine Studie zu Grenke besonders beachtet. Nachdem jetzt öffentlich gemachten Zwischenbericht der Bafin, der im wesentlichen die ersten Ergebnisse der internen Untersuchung von KPMG und Warth&Klein deckt, lag Perring allerdings in allen wichtigen Punkten falsch.

          Das Grenke-Management weist darauf hin, dass es in den vergangenen Wochen zudem bereits auf die bekannt gewordenen Kritikpunkte der Prüfer reagiert habe. So wird Grenke künftig die Expansion über Franchisegesellschaften selbst finanzieren und die ausstehenden Leasinggesellschaften zurückkaufen. Zudem wurde im Vorstand die Position eines „Chief Risk Officers“ geschaffen.

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