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Bäcker-Aufstand : Aldis Brötchen landen vor Gericht

„Frisch aus dem Ofen”: Was heißt das? Bild: dpa

Deutschlands Bäcker heizen Aldi wegen seiner neuen Backshops ein. Die Branche verklagt den Discounter, weil er nach Ansicht der Bäcker irreführend für Brötchen aus Backautomaten wirbt. Sind Aldis Brötchen frisch gebacken oder lediglich aufgewärmt?

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          So mancher süddeutsche Bäcker hat sich zunächst gewundert - und dann immer mehr geärgert. Der Verkauf von Brötchen geht zurück. Grund dafür ist aber nicht eine Veränderung der Verzehrgewohnheiten. Der Grund ist Aldi Süd. Unter der Marke „Backofen“ verspricht der Discounter, demnächst „backen wir den ganzen Tag Brot und Brötchen für Sie: frisch aus dem Ofen - direkt in die Tüte. So haben Sie immer Brot und Brötchen frisch auf dem Tisch.“

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Statt der freundlichen Bäckereiverkäuferin steht bei Aldi Süd aber nur ein schwarzer Automat. Statt seine Wünsche auszusprechen, drückt der Kunde auf einen Knopf - und spätestens nach drei Minuten purzeln ihm die Brötchen in seine Tüte. In drei Minuten kann man aber keine Brötchen backen, das weiß jeder Bäcker. Selbst wenn man, wie in anderen Einzelhandelsgeschäften üblich, fertige Rohlinge aufbackt, braucht man mindestens fünf bis acht Minuten. Was also macht Aldi in seiner „schwarzen Kiste“?

          Die Bäcker vermuten, Aldi backt gar keine Brötchen, sondern kauft schon fertig gebackene Brötchen. Lieferant ist der Brothersteller Lieken. Der, so die Vermutung des Bäckerhandwerks, backt die Brötchen vollständig auf und liefert sie tiefgefroren an die Aldi-Filialen. In den schwarzen Kästen stecke nur noch eine Mikrowelle, um die tiefgefrorenen Brötchen aufzutauen, vermutet Armin Werner, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Und er will es für sich und seine Mitglieder genau wissen. Aber Aldi sagt - wie immer - nichts. Die Aufforderung, sich in einer Unterlassungserklärung dazu zu verpflichten, auf die Werbung mit frischen Backwaren ebenso zu verzichten wie auf einige Brotbezeichnungen, habe der Discounter ignoriert.

          Also soll jetzt ein Gericht klären, ob Aldi backt oder nur auftaut. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hat gegen Aldi Süd Klage wegen irreführender Werbung eingereicht. Die Aussage „wir backen den ganzen Tag für Sie“ könne nicht stimmen.

          Mit der wieder einmal entbrannten Diskussion über steigende Preise für Brötchen und Brot habe das nichts zu tun, sagt Werner. Diese Diskussion sei ein jährlich wiederkehrendes Ritual des Bauernverbandes, der in jedem Sommer eine niedrige Ernte und steigende Lebensmittelpreise beschwöre. Dazu sei aber keine generelle Aussage möglich, weil der Anteil der Rohstoffpreise am Endpreis je nach Produkt zwischen 7 und 25 Prozent schwanke. Die Bäcker - in der Handwerksrolle sind 14.500 eingetragen - kämpfen aber um ihre Existenz. Auch wenn sie noch 70 Prozent Marktanteil für sich in Anspruch nehmen, der Anteil anderer Bezugsquellen für Brötchen, Brot und Kuchen nimmt zu. Immer mehr Einzelhändler lassen sich von industriellen Backwarenherstellern wie Lieken beliefern. Da sind 1770 Filialen von Aldi Süd als neuer Mitbewerber ein heißes Eisen.

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