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Betriebsrat misstraut Zusagen : Will KKR das Medienhaus Axel Springer zerschlagen?

Wird das Medienhaus Axel Springer zerschlagen? Bild: EPA

Der amerikanische Investor KKR will mindestens 20 Prozent an Axel Springer übernehmen. Der Pakt wird im Haus mit Skepsis betrachtet. Denn viele im Unternehmen befürchten eine Zerschlagung.

          3 Min.

          Der Betriebsrat von Axel Springer misstraut den Zusagen, welche der amerikanische Investor KKR in seiner Offerte für das Medienhaus gibt. Die Arbeitnehmer verweisen auf eine Klausel im Übernahmeangebot, in welcher der Investor sich vorbehält, jegliche Zusagen zu widerrufen. Das geht aus der intern verbreiteten Stellungnahme des Betriebsrats zur Offerte hervor, die der F.A.Z. vorliegt. Sie ist inzwischen auch auf einer Informationsseite zur KKR-Offerte im Internet zu finden.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Arbeitnehmervertreter bezeichnen ihre Haltung zum Übernahmegebot in der Stellungnahme zwar als „neutral“. Sie begrüßen grundsätzlich die bekundeten Absichten, wonach KKR unter anderem strategisch investieren, die journalistische Unabhängigkeit wahren und die „Welt“-Gruppe fortführen will. Die Betriebsräte konstatieren aber, das sei eine „Momentaufnahme“. Denn in der Übernahmeofferte steht: „Es ist möglich, dass die Bieterin ihre in dieser Angebotsunterlage geäußerten Absichten und Einschätzungen nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage ändert.“

          Auf den Passus weisen der Konzern- und der Europa-Betriebsrat in der gemeinsamen Stellungnahme hin. Sie datiert vom 19. Juli, acht Tage nachdem Vorstand und Aufsichtsrat den Aktionären die Annahme der Offerte empfohlen hatten. Die Frist dafür läuft an diesem Freitag ab. Bis Dienstag, 18 Uhr, bekam KKR Papiere entsprechend einem Anteil von 12,31 Prozent angedient, wie einer Internetseite zur Offerte zu entnehmen ist.

          Viele im Unternehmen befürchten eine Zerschlagung

          KKR will mindestens 20 Prozent an Axel Springer übernehmen. In einer auf mindestens fünf Jahre angelegten strategischen Partnerschaft verbündet sich der Investor mit der Verlegerwitwe Friede Springer und dem Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner. Diese beiden besitzen direkt und indirekt zusammen gut 45 Prozent an dem Verlag.

          Der Pakt wird im Haus mit Skepsis betrachtet. Denn die Partner erscheinen ungleich: Friede Springer steht dafür, den Rest des Erbes ihres verstorbenen Mannes Axel Springer zu bewahren, nämlich die noch verbliebenen Zeitungsgeschäfte rund um „Bild“ und „Welt“, nachdem viele andere Print-Produkte schon verkauft worden sind. KKR hingegen – das gilt als ausgemacht – dürfte am wachstumsstarken digitalen Rubrikengeschäft (Stellen, Immobilien) interessiert sein, nicht am Zeitungsgeschäft und schon gar nicht an der „Welt“, die als defizitär gilt. Viele im Unternehmen befürchten eine Zerschlagung.

          Zusätzliche Unruhe ist aufgekommen, nachdem die F.A.Z. über eine Öffnungsklausel im Übernahmedokument berichtet hatte. Darin kündigen die Vertragspartner an, die „Welt“-Gruppe mit der gleichnamigen Tageszeitung, der „Welt am Sonntag“, digitalen Angeboten und einem Fernsehsender fortzuführen – aber unter Vorbehalt: „Dies steht unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der jährlichen Ergebnissituation.“

          „Warum die Gerüchte zur ,Welt‘ falsch sind“

          Der Vorstand versuchte anschließend, die Redaktion zu beschwichtigen: persönlich und in einer internen Mitteilung, welche die Überschrift „Warum die Gerüchte zur ,Welt‘ falsch sind“ trug. Darin erläutert Döpfner, die Ausstiegsoption komme in Wirklichkeit faktisch einer Bestandsgarantie gleich. Sein Argument: Es gelte, weiter kostenbewusst zu arbeiten, und unter diesen Voraussetzungen sei ein „Ergebniskorridor“ definiert worden – der aber sei sehr großzügig ausgelegt. Zahlen nennt Döpfner indes nicht.

          AXEL SPRINGER

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          Die Beteiligung durch KKR soll nach offiziellen Angaben das Wachstum der Unternehmensgruppe fördern, auch durch Übernahmen. Dies wird vom Betriebsrat begrüßt, ebenso wie die Zusage zur journalistischen Unabhängigkeit, zur „Welt“-Gruppe und zum Konzernsitz Berlin. Aber die Stellungnahme der Arbeitnehmervertreter enthält eine Reihe von Fragen. Zum Beispiel: Was ergibt sich für die Belegschaft aus der nicht veröffentlichten Investorenvereinbarung? Wie werden KKRs Renditeerwartungen erfüllt?

          Die nämlich sind hoch: Kurz nach der Bekanntgabe des Übernahmeplans sprach KKR-Europa-Chef Johannes Huth vor Mitarbeitern und soll dabei von einer erwarteten prozentual deutlich zweistelligen Rendite gesprochen haben. Ein KKR-Sprecher äußerte sich nicht konkret dazu. Er bestätigte aber den Auftritt Huths und verwies auf dessen generelle Aussage in einem Zeitungsgespräch vor knapp zwei Jahren: „Wir erwirtschaften für unsere Kunden weiter Renditen im Bereich von 17 bis 20 Prozent netto. Das wollen wir auch in Zukunft so halten.“

          In der Stellungnahme des Betriebsrats ist außerdem die Frage zu lesen, was KKR unter „erheblichen negativen Planabweichungen“ verstehe. Damit spielt er offenkundig auf eine weitere Klausel an, die die Absichtserklärungen in der Offerte aufweicht: „Für den Fall, dass es in einem Geschäftsbereich oder einer Tochtergesellschaft der Axel Springer SE in einem Geschäftsjahr zu erheblichen negativen Planabweichungen bzw. zu einer Verletzung von Verpflichtungen aus Finanzierungsverträgen kommen sollte, werden sich der Investor und die Bestandsaktionärsgesellschaften über die erforderlichen Maßnahmen ins Benehmen setzen.“

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