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Autozulieferer : Schaeffler schiebt Fusion mit Conti auf die lange Bank

  • Aktualisiert am

Premiere bei Schaeffler - Konzern legt Zahlen vor Bild: dpa

Zum ersten Mal hat das äußerst verschwiegene fränkische Familienunternehmen Schaeffler detaillierte Halbjahreszahlen bekanntgegeben. Dabei wurde klar: Das Unternehmen will runter von den Schulden - und lässt sich mit dem Zusammenschluss mit Conti noch Zeit.

          Der Industrie- und Autozulieferer Schaeffler schiebt den Zusammenschluss mit dem Reifenhersteller Continental auf die lange Bank. „Wir haben keine Eile“, sagte Konzernchef Jürgen Geißinger am Mittwoch in München, wo das bislang äußerst verschwiegene Familienunternehmen erstmals detaillierte Halbjahreszahlen präsentierte. „Um Potenziale zu heben, ist es nicht notwendig, dass wir mit aller Kraft in eine Fusion gehen“, sagte Geißinger. „Das würde uns nur belasten.“ Ein möglicher Termin für einen Zusammenschluss sei Ende 2011.

          Dem Konzernchef zufolge wird eine Fusion derzeit nicht konkret von Arbeitsgruppen vorbereitet. Stattdessen konzentriere man sich auf das operative Geschäft. An der Idee einer Fusion halte Schaeffler aber fest. „Natürlich wollen wir einen Zusammenschluss der Unternehmen.“ Der Konzern habe aber noch Zeit, sich über Details des Zusammenschlusses Gedanken zu machen. Geißinger ließ beispielsweise offen, ob für die Fusion Teile von Conti wie etwa das Reifengeschäft verkauft werden sollen. Von Conti ist bekannt, dass der Konzern am Reifengeschäft festhalten will, weil es Schwankungen in anderen Sparten abfedert. Bisher arbeiten beide Unternehmen lediglich bei einzelnen Projekten zusammen, etwa beim Einkauf und der Entwicklung. So sollen rund 400 Millionen Euro gespart werden.

          Über die künftige Rolle der Familie um Maria-Elisabeth Schaeffler und ihren Sohn Georg wollte sich der Konzernchef nicht äußern. Unter ihrer Ägide hatte sich der Wälzlager- und Kupplungsspezialist vor gut zwei Jahren, kurz vor Ausbruch der weltweiten Wirtschaftskrise, den dreimal so großen Hannoveraner Konzern einverleiben wollen - und hätte sich daran fast verschluckt: Conti plagten nach dem Kauf der Siemens-Autoelektroniksparte VDO 2007 hohe Schulden. Zudem kollabierte im Abschwung die
          Hauptabnehmerbranche, die Fahrzeugindustrie. Die Geldströme der Banken versiegten fast.

          Das Unternehmen aus dem fränkischen Herzogenaurach sitzt seither auf einem Schuldenberg von rund zwölf Milliarden Euro. Davon entfällt ein großer Teil auf das operative Geschäft; hier verringerten sich die Nettoverbindlichkeiten zum Halbahr um drei Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Finanzchef Klaus Rosenfeld kündidgte an, die Schuldenlast in den nächsten Jahren weiter zu reduzieren. Schaeffler sei solide finanziert, die Kredite liefen noch rund vier Jahre.

          Conti arbeitet ebenfalls daran, den eigenen Schuldenberg abzutragen, etwa durch Hochzinsanleihen. Weil Großaktionär Schaeffler bei einer Kapitalerhöhung nicht mitgezogen hatte, sank der direkte Anteil von 49,9 auf 42,2 Prozent. In der Folge fiel die Bewertung fast 400 Millionen Euro niedriger aus. Unter dem Strich wies Schaeffler deshalb im ersten Halbjahr einen Verlust von 260 Millionen Euro aus, nach einem Minus von 625 Millionen vor Jahresfrist.

          Operativ glänzte der Konzern dagegen mit Zuwächsen: Der Betriebsgewinn schoss um 631 Millionen auf 739 Millionen Euro nach oben. Der Umsatz kletterte um 31 Prozent auf 4,6 Milliarden. „Wir sehen die Krise deutlich überwunden“, sagte Geißinger. Er bekräftigte die Prognose, wonach die Erlöse 2010 auf mehr als acht Milliarden Euro und die operative Gewinnmarge auf mehr als zehn Prozent steigen soll. Auf die Frage, ob das Rekordergebnis von 2007 erreicht werde, antwortete er: „Momentan laufen wir darauf zu.“ Dank der hohen Nachfrage der Autobauer haben sich auch andere Zulieferer wie Bosch und Leoni deutlich schneller von der Wirtschaftskrise erholt als erwartet.

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