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Autozulieferer : Machtkampf bei Conti noch nicht entschieden

Bei Continental weht derzeit ein rauer Wind Bild: ddp

Der Machtkampf zwischen Continental und seinem Großaktionär Schaeffler geht in eine neue Runde. Nach Informationen der F.A.Z. erwägen mehrere Aufsichtsratsmitglieder von Conti, ihre Mandate niederzulegen, um so die Absetzung von Vorstandschef Neumann zu verhindern.

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          Nach einer dramatischen Aufsichtsratssitzung geht der Machtkampf zwischen dem Automobilzulieferer Continental und seinem Großaktionär Schaeffler in eine neue Runde. Nach Informationen der F.A.Z. erwägen mehrere Aufsichtratsmitglieder der Anteilseignerseite von Conti ihre Mandate niederzulegen, falls es nicht zu einem Einvernehmen zwischen Eigentümern, Arbeitnehmern und den Banken komme. Damit soll verhindert werden, dass Schaeffler in zwei Wochen Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann absetzt.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Zu diesem Zeitpunkt will Schaeffler den in Ungnade gefallenen Neumann in einem nun einberufenen Vermittlungsausschuss mit einfacher Mehrheit der Aufsichtsratsstimmen abwählen. Am Donnerstag war Schaeffler mit diesem Ansinnen noch wegen der im Aufsichtsrat nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit am Widerstand der Arbeitnehmervertreter gescheitert.

          Das letzte Wort „noch nicht gesprochen“

          Aus der niedersächsischen Landesregierung heißt es, Neumann sei „unverzichtbar“. Über den Verbleib des Conti-Chefs sei „noch nicht das letzte Wort gesprochen“. In einem offiziellen Statement hieß es, bei Conti dürfe es „keine Hängepartie und keinen personellen Aderlass“ geben. Auch aus der Führung des Konsortiums der Gläubigerbanken verlautete, man würde die Zusammenarbeit mit Neumann „gerne fortsetzen“. Die Spitzen der bei Conti vertretenen Gewerkschaften, IG-Metall-Chef Berthold Huber und IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt, sind dem Vernehmen nach wegen Schaefflers Putschversuch völlig aufgebracht und haben intern Widerstand gegen die Herzogenauracher angekündigt.

          Die niedersächsische Landesregierung will Conti-Chef Neumann halten

          Damit droht der Konflikt zwischen Conti und seinem Großaktionär Schaeffler, der knapp 50 Prozent am Konzern hält und weitere 40 Prozent bei den Banken geparkt hat, die nächste Eskalationsstufe zu erreichen, nachdem es am Donnerstag zum Eklat gekommen war. Die vier Schaeffler-Vertreter sowie der Schaeffler-Vertraute und Conti-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer waren mit der festen Absicht nach Hannover gereist, den nach ihrer Meinung nach nicht mehr tragbaren Neumann zu stürzen.

          „Das Tischtuch endgültig zerschnitten“

          Schon Anfang der Woche hatte sich der Geschäftsführer des fränkischen Wälzlagerherstellers Jürgen Geißinger, der auch im Conti-Aufsichtsrat sitzt, mit Maria-Elisabeth Schaeffler sowie Teilen der Anteilseigner-Vertreter auf einen Nachfolger für Neumann geeinigt: Elmar Degenhart, der bei Schaeffler die Auto-Sparte leitet. Indem man bei Conti einen eigenen Mann installiere, so die Hoffnung der Herzogenauracher, bekäme man den Hannoverschen Konzern endlich in den Griff. Zwar war damals Neumann auf ausdrücklichen Wunsch der Schaefflers zum Conti-Leiter ernannt worden. Doch weil er in den vergangenen Monaten klare Aussagen vermisst hatte, wann, wie und ob die beiden Konzerne verschmelzen, hatte Neumann in den Tagen vor der Aufsichtsratssitzung den Großaktionär öffentlich und in öffentlich gewordenen Briefen schwer angegriffen.

          Als ein Schreiben dann vergangene Woche mit harschen Vorwürfen an die Herzogenauracher in der „Bild“-Zeitung auftauchte, sei das „Tischtuch endgültig zerschnitten“ gewesen, heißt es in Aufsichtsratskreisen: „Damit hat Neumann überzogen.“ Anders als dieser spekuliert hatte, konnten die Schaeffler-Vertreter sämtliche restlichen Anteilseigner davon überzeugen, für die Abwahl des in Hannover beliebten und selbstbewussten Vorstandschefs zu stimmen. So hätten sich zwar Neumann freundlich gesinnte Mitglieder wie der NordLB-Chef Gunter Dunkel, dem die Nähe zum niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) nachgesagt wird, ebenso wie Tui-Vorstandschef Michael Frenzel mit der Entscheidung schwer getan. Letztlich hätten sie am Donnerstag die Anteilseignerbank aber nicht mit einer Enthaltung der Stimme brüskieren wollen, heißt es.

          Kapitalerhöhung einstimmig beschlossen

          Als Koerfer und der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel um 10 Uhr auf der Präsidiumssitzung von den beiden Vertretern der Arbeitnehmerseite verlangten, dass Neumann abgelöst werden müsse, sei den Gewerkschaftern vor Überraschung „die Kinnlade runtergefallen“. Nach mehreren Rücksprachen machten diese daraufhin klar, dass mit ihrer Unterstützung nicht zu rechnen sei. Daraufhin zitierte Aufsichtsratschef Koerfer Neumann in die Sitzung der Anteilseigner und eröffnete dem sichtlich überraschten Vorstandschef, dass man das Vertrauen in ihn verloren habe. Dieser habe daraufhin „sportlich“ reagiert und seinen Rücktritt angeboten, falls dies die einstimmige Meinung des Aufsichtsrats sei.

          Allerdings konnte von Einstimmigkeit keine Rede sein. So musste der Beginn der Aufsichtsratssitzung um fast drei Stunden verschoben werden, weil Koerfer und andere Vertreter der Anteilseignerseite die Betriebsräte und Gewerkschafter noch umzustimmen versuchten - vergeblich. Als die Hauptsitzung schließlich begann, war der Unmut auf der Arbeitnehmerbank groß. Trotz der aufgeheizten Stimmung stellte Neumann sein Konzept für die von Schaeffler in den Wochen zuvor abgelehnte, wegen der hohen Verschuldung Contis notwendige Kapitalerhöhung vor. Deren Vorbereitung wurde später beschlossen - einstimmig.

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