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Autozulieferer : Eklat im Aufsichtsrat von Continental

Der Streit ist eskaliert Bild: dpa

Der Streit zwischen der Continental AG und ihrem Großaktionär Schaeffler hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Aus Zorn über Schaeffler ist nun der Conti-Aufsichtsratsvorsitzende Hubertus von Grünberg zurückgetreten.

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          Der Streit zwischen der Continental AG und ihrem Großaktionär Schaeffler hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Der langjährige Conti-Aufsichtsratsvorsitzende, Hubertus von Grünberg, hat sein Aufsichtsratsmandat bei dem hannoverschen Autozulieferer am Freitag mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Er begründete dies mit dem Verhalten der Schaefflers, die – vertreten durch die Eigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und deren Sohn Georg sowie Geschäftsführer Jürgen Geißinger – am Freitag erstmals an einer Aufsichtsratssitzung teilnahmen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Kontrolleure hatten Schaeffler gebeten, in dieser Sitzung ein tragfähiges Konzept zur Weiterentwicklung beider Unternehmen vorzulegen. Dieser Bitte sei in keiner Weise entsprochen worden. „Stattdessen hat die Schaeffler-Gruppe ihre Machtposition ausgespielt und mit der Diskussion im Aufsichtsrat den Durchmarsch eingeleitet. Wir sollen in den Schaeffler-Strudel hingezogen werden“, erklärte Grünberg im Anschluss an die Sitzung.

          „Verstoß gegen die Grundsätze ehrbarer Kaufleute“

          Ohne weiter Details nennen zu wollen, beschrieb Grünberg das Verhalten der Schaefflers als klaren Verstoß gegen die Grundsätze ehrbarer Kaufleute. Vor allem aber hätten die Franken damit klar gegen die bisherigen Vereinbarungen verstoßen. Schaeffler habe den Wunsch, konstruktiv zusammenzuarbeiten, klar ignoriert.

          Nach Informationen der F.A.Z. haben die Schaefflers in der Sitzung alle Vorbehalte gegen ihren Berater Rolf Koerfer, der auf gerichtlichen Beschluss nicht an der Sitzung teilnehmen durfte, vom Tisch gewischt. Gegen zehn Nein-Stimmen und Enthaltungen haben sie durchgesetzt, dass Koerfer in einer späteren außerordentlichen Sitzung zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt werden soll. Bis dahin führt nun der bisherige Stellvertreter Grünbergs, der IG-BCE-Funktionär Werner Bischoff, das Kontrollgremium an. Bischoff forderte Schaeffler seinerseits auf, „ein schlüssiges und tragfähiges Zukunftskonzept vorzulegen“.

          Tatsächlich liegt im Hause Schaeffler immer noch kein Konzept zur Rettung der Gruppe vor, die sich mit der Übernahme von Conti finanziell übernommen hat. An diesem Wochenende wollten sich zwar die Gläubigerbanken mit den Schaeffler-Verantwortlichen treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Schon vor der Aufsichtsratssitzung verdichteten sich allerdings die Hinweise, dass kurzfristig noch keine belastbaren Vorschläge zu erwarten sind. „Es gibt noch unterschiedliche Auffassungen darüber, wie eine Lösung und vor allem die Risikoverteilung aussehen könnte“, hieß es in gut informierten Kreisen. Wie berichtet, läuft alles darauf hinaus, dass die Banken einen Teil der Kredite, die sie Schaeffler für den 10 Milliarden Euro teuren Kauf der Continental AG gegeben haben, in Eigenkapital umwandeln.

          Die Schaefflers würden gerne eine Sperrminorität behalten

          Nach Einschätzung aus Bankkreisen dürfte der Anteil der Schaeffler-Eigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und Georg Schaeffler auf diesem Weg zu einer Minderheitsbeteiligung in der Größenordnung von 10 Prozent schrumpfen. Die Schaefflers würden indes liebend gerne eine Sperrminorität behalten und so ihren unternehmerischen Einfluss wahren. Die viel diskutierte Übertragung der Conti-Aktien in den Besitz der Gläubigerbanken könnten die Kreditinstitute schon in dem Moment einfordern, wenn Schaeffler die in den Kreditverträgen festgeschriebenen Verschuldungsgrenzen überschreitet. Auch wenn Schaeffler bei den Zinszahlungen – monatlich 70 Millionen Euro – in Verzug gerät, könnten die Banken handeln.

          Aber das scheint zur Zeit noch nicht der Fall zu sein. Wenn Koerfer tatsächlich den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt, könnte dies Folgen haben: Bei manchen Banken soll es die Betrachtung geben, dass damit die sogenannte „Change-of-control“-Klausel greifen könnten. Ein solcher Wechsel des Beherrschenden würde sie dazu berechtigten, die Kreditlinien zu kündigen, heißt es. Derartige Spekulationen erhöhen die Unsicherheit in der Finanzierung der Schaeffler-Gruppe, die ebenso wie Opel vom Staat Bürgschaften haben will. Schaefflers Suche nach einem privaten Investor blieb bislang erfolglos.

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