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Autozulieferer : Einstieg der Banken bei Schaeffler rückt näher

  • Aktualisiert am

Hier ist guter Rat ziemlich teuer: Maria-Elisabeth Schaeffler Bild: dpa

Alles spricht dafür, dass die Gläubigerbanken des Autozulieferers Schaeffler einen erheblichen Teil ihrer Kredite in Eigenkapital umwandeln und die Kontrolle in Herzogenaurach übernehmen. Am nächsten Wochenende wollen sie nach Informationen der F.A.Z. auch darüber beraten.

          Das Konzept zur Rettung der Schaeffler-Gruppe lässt weiter auf sich warten. Denn am nächsten Wochenende treffen sich nach Informationen der F.A.Z. die Gläubigerbanken, um über den weiteren Fortgang zu beraten. Dabei wird es auch darum gehen, welche Rolle die Eigentümerfamilie Schaeffler in ihrem Unternehmen noch spielen wird. Alles spricht dafür, dass die Banken ein erheblichen Teil ihrer Kredite in Eigenkapital umwandeln („Dept-to-Equity-Swap“) und die Kontrolle übernehmen. Denkbar ist, dass nicht alle Banken in die Eigentümerposition wechseln werden. Wie zu hören, scheint das eine oder andere Institut zu erwägen, das Engagement mit Verlust zu beenden. Nach Lage der Dinge soll das fertige Konzept Mitte März der Bundesregierung vorgelegt werden; mit dem Ziel, eine Unterstützung des Staates zu bekommen.

          Das fränkische Familienunternehmen hat sich mit der Übernahme der dreimal größeren Continental AG finanziell überhoben und sucht nun verzweifelt nach einem Rettungsring. Dabei hofft es auf die Hilfe der Bundesregierung, die etwaige Bürgschaften nur auf Basis eines belastbaren Fortführungskonzeptes gewähren dürfte. Das setzt die Unterstützung der Banken voraus, bei denen die Franken mit rund 12 Milliarden Euro in der Kreide stehen.

          Position im Conti-Aufsichtsrat wackelt schon wieder

          Nach eigener Aussage benötigt Schaeffler 5 bis 6 Milliarden Euro frisches Eigenkapital. In Bankenkreisen wird inzwischen vermutet, dass die Familieneigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg nach einem „Dept-to-Equity-Swap“ deutlich weniger als die am Anfang dieser Woche noch als Beteiligungsuntergrenze genannten 25 Prozent halten würden. Der genaue Anteil, der von den Banken übernommen werden könnte, hängt von der Unternehmensbewertung ab, die offenbar immer noch nicht vorliegt. Doch wird die Werthaltigkeit derart bezweifelt, dass sogar nur eine „symbolische Beteiligung“ der Familieneigentümer von 10 Prozent für möglich gehalten wird.

          Wenn der Einfluss der Schaefflers derartig schwindet, werden sie womöglich auch ihre erst vor kurzem erkämpfte Position im Conti-Aufsichtsrat nicht halten können. Dort haben sie vier Plätze; Schaeffler-Berater Rolf Koerfer soll in der Sitzung am 6. März den Vorsitz im Kontrollgremium übernehmen. In Conti-Aufsichtsratskreisen wird schon darüber spekuliert, dass stattdessen ein Bankvertreter Chefkontrolleur werden könnte. Unterdessen wird immer fraglicher, ob Schaeffler die erhofften Staatshilfen überhaupt bekommen kann. Wie zu hören ist, stellen sich manche Gläubigerbanken schon auf eine Lösung ohne Hilfen aus Berlin ein. Die Überzeugung schwinde, dass der Staat für Schaeffler zahle, zumal die Bundesregierung auch die kreditgebenden Banken in die Pflicht nehmen wolle.

          Das Konsortium von sechs Kreditinstituten habe maßgeblich Anteil daran gehabt, dass Schaeffler den Angriff auf Conti überhaupt wagen konnte. Die Commerzbank und die von ihr übernommene Dresdner Bank sind zusammen mit 5 Milliarden Euro Krediten bei Schaeffler engagiert, die Royal Bank of Scotland mit 2,5 Milliarden Euro, gefolgt von der Hypo-Vereinsbank (2 Milliarden Euro), LBBW (1,5 Milliarden Euro) und UBS (1 Milliarde Euro). Schaeffler muss rund 70 Millionen Euro Zinsen im Monat zahlen. Trotz der Absatzkrise und der daraus folgenden angespannten Ertragslage soll Schaeffler nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld operativ, also bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), immer noch Gewinne erzielen. Zwei Drittel der in Deutschland beschäftigten 31 000 Mitarbeiter arbeiten bereits kurz. Zudem strebt Schaeffler einen Aufschub der zum 1. Mai fälligen Tariferhöhung um 2,1 Prozent an.

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