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Schlechte Absatzzahlen : Fehlstart für deutsche Autohersteller

Alarmstufe Rot? Porsche-Stammsitz in Stuttgart Bild: EPA

Daimler, Volkswagen und Co. legen einen durchwachsenen Jahresauftakt hin. Es gibt wenig Licht und viel Schatten – und Porsche erwischt es besonders hart.

          China, WLTP und die Flucht der Kunden aus dem Diesel: Das sind die wichtigsten Gründe, warum die deutschen Automanager für das erste Quartal schlechte Absatzzahlen vermelden müssen und die Prognosen vielfach mit dem Wort „Herausforderungen“ kombinieren. „2019 beginnt anspruchsvoll für uns und die ganze Automobilindustrie“ kommentierte Detlev von Platen die Lage. Er ist Vertriebsvorstand des Sportwagenbauers Porsche, der besonders schlechte Verkaufszahlen vermeldet.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Der Stuttgarter Sportwagenbauer hat im ersten Quartal 55.700 Autos verkauft, zwölf Prozent weniger als vor Jahresfrist, in Deutschland sogar 28 Prozent weniger und in Europa sogar 32 Prozent weniger. „Wir bleiben bei unserer bisherigen positiven Prognose“, betonte ein Porsche-Sprecher aber und verwies auf den Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke, der erst vor kurzem für das gesamte Jahr 2019 mehr Absatz und Umsatz sowie weiterhin eine Rendite auf legendär hohem Niveau in Aussicht gestellt hat. Die Zuversicht gründet vor allem darauf, dass Sondereffekte für das Minus sorgten. Der Start des Abgasprüfzyklus WLTP hat Porsche im vorigen Sommer wie den ganzen Volkswagen-Konzern kalt erwischt.

          Diese Umstellung sowie die Einführung von Partikelfiltern für Ottomotoren wird als ein wichtiger Faktor für die jetzige Auslieferungsdelle in Europa angeführt. Dazu passt, dass die Entwicklung in anderen Märkten, wo WLTP nicht relevant ist, deutlich anders ist. In China, dem größten Markt für Porsche, gingen die Auslieferungen zwar auch um 10 Prozent zurück, doch das bringt der Sportwagenbauer eher mit konjunkturellen Effekten und der abwartenden Haltung von Kunden mit Blick auf die erwartete Mehrwertsteuersenkung in China in Verbindung. In den Vereinigten Staaten wurde sogar ein Plus von 8 Prozent verbucht. Dieser Markt rückt mit 15.000 verkauften Autos wieder deutlich näher an den seit Jahren größten Einzelmarkt China heran, wo 16.890 Autos ausgeliefert wurden.

          Die Flucht aus dem Diesel

          Der Marke Volkswagen machte die Kaufzurückhaltung der Kunden in China schwer zu schaffen. Um fast 7 Prozent gingen die Auslieferungen im ersten Quartal zurück. VW steht auf dem größten Automarkt dennoch besser da als die meisten Wettbewerber. Trotz des Rückgangs auf gut 703.000 Fahrzeuge „bauen wir unseren Marktanteil dort weiter deutlich aus“, sagte Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. Global lieferte die Marke VW knapp 1,46 Millionen Autos aus, ein Minus von 4,5 Prozent. In Deutschland und Europa bekam VW die Flucht der Kunden aus dem Diesel zu deutlich zu spüren. „Wir arbeiten intensiv an der Kapazitätserweiterung bei Otto-Motoren, um die bestellten Autos zeitnah zu unseren Kunden zu bringen“, sagte Stackmann.

          Auf dem deutschen Heimatmarkt gingen die Auslieferungen leicht um 3,2 Prozent auf rund 134.000 Autos zurück, in Westeuropa gab es ein Minus von 1,8 Prozent auf gut 380.000 Fahrzeuge. In den Vereinigten Staaten zahlt sich die Strategie aus, neue SUV auf den Markt zu bringen. VW meldete dort ein Plus von 2,3 Prozent auf fast 86.000 Autos. Im März gab es mit 37.100 ausgelieferten Fahrzeugen sogar ein Plus von 14 Prozent, der „beste März seit 2013“. Mehr als die Hälfte entfielen die Geländewagen Tiguan und Atlas.

          Just die begehrten Geländewagen fehlten teilweise bei Daimler: „Aufgrund der laufenden Modellwechsel bei SUVs und Kompaktwagen waren die ersten drei Monate wie erwartet herausfordernd“, kommentierte Vertriebsvorständin Britta Seeger das Absatzminus von 5,6 Prozent auf 560.880 Autos im ersten Quartal für die Marke Mercedes-Benz. In den kommenden Monaten sollten mehr Fahrzeuge der volumenstarken Modelle verfügbar sein, stellt sie in Aussicht. Daimler bleibt auch bei der Prognose, im Gesamtjahr den Mercedes-Absatz leicht zu steigern.

          Dazu dürfte auch das Geschäft in China beitragen, auch wenn von dort für März gerade ein zweistelliger Marktrückgang vermeldet wurde. Die Premium-Autos mit dem Stern verkaufen sich offenbar trotzdem gut. „Wir freuen uns über das beste Quartal aller Zeiten für Mercedes-Benz in China“, vermeldet Britta Seeger. Vor allem die eigens für den chinesischen Markt konstruierten Langversionen der C-Klasse und E-Klasse-Limousinen tragen dazu bei. Das Plus liegt mit 2,6 Prozent allerdings weit hinter den hohen Zuwächsen der Vergangenheit zurück.

          Eine Welle von Zertifizierungen

          Audi verbuchte im März zwar neue Bestwerte in China und den Vereinigten Staaten, und auch in Deutschland habe Audi ein Plus verbucht, wo die SUVs stark nachgefragt worden seien, heißt es aus Ingoldstadt. Die Umstellung auf die neue Abgastechnik WLTP sorgte im ersten Quartal allerdings für einen Rückgang um 3,6 Prozent auf 447.250 Fahrzeuge. Bei Audi seien voraussichtlich erst Ende des ersten Quartals wieder alle Varianten verfügbar, heißt es.

          Der neue Testzyklus wird in diesem Jahr zu einer weiteren Welle von Zertifizierungen führen, die dann noch einmal zu Engpässen bei den Autoherstellern führen könnten, nachdem die Produktion schon im vorigen Jahr dadurch deutlich eingeschränkt war. Im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres sei die Produktion von Kraftwagen und Kraftwagen-Teilen um 7,1 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr gesunken, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Zum Vergleich: Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe ging die Produktion im gleichen Zeitraum um 2 Prozent zurück.

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