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Automobilindustrie : Sarkozy redet Renault rein

  • Aktualisiert am

Nicolas Sarkozy Bild: Reuters

Eigentlich wollte Renault die Produktion des Kleinwagens Clio komplett in die Türkei verlagern. Doch dies führte zu einem Aufschrei in der Regierung. Nicolas Sarkozy bestellte den Renault-Chef Carlos Ghosn in den Elysée-Palast ein. Nun sehen die Pläne wieder anders aus.

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          Nach heftigen Protesten der französischen Regierung verzichtet Renault darauf, den Kleinwagen Clio künftig nur noch in der Türkei zu fertigen. Außerdem bekommt der Staat mehr Einfluss auf die Konzernstrategie: Die Regierungsvertreter im Verwaltungsrat sollen künftig im Strategieausschuss mitreden. Das sei „eine der Errungenschaften“ des Treffens von Präsident Nicolas Sarkozy mit Renault-Chef Carlos Ghosn, sagte Industrieminister Christian Estrosi dem Sonntagsblatt „Le Journal du Dimanche“.

          Sarkozy hatte Ghosn am Samstag in den Élyséepalast bestellt, nachdem bekannt geworden war, dass Renault ab 2013 den Clio 4 nur noch in Bursa in der Türkei fertigen will.

          Ghosn sagte zu, in Flins bei Paris neben Elektrofahrzeugen weiterhin den Clio zu fertigen. Das Produktionsvolumen werde „nicht sehr weit von dem Volumen der Clio-Verkäufe in Frankreich“ entfernt sein, sagte er dem „Parisien“.

          „Wir haben ihnen (Renault) zu verstehen gegeben, dass sie den Staat als Aktionär haben”: Industrieminister Christian Estrosi

          Staat ist an Renault beteiligt

          EU-Wettbewerbs-Kommissarin Neelie Kroes hatte Paris noch am Freitag gemahnt, sich an die Wettbewerbsregeln der Union zu halten (siehe EU wirft Frankreich Protektionismus vor). „Wir verlangen Aufklärung darüber, welche Position die französischen Behörden haben“, sagte ein Kommissionssprecher. Anlass war Estrosis Erklärung, Frankreich habe „das Recht zu fordern, dass man einen Renault, den man in Frankreich verkauft, auch in Frankreich baut.“

          Ghosn betonte in Interviews allerdings, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Sarkozy habe von ihm „nichts Bestimmtes verlangt“.

          Paris hatte zuvor der EU versichert, Renault keine das Wettbewerbsrecht missachtenden Auflagen über Standorte zu machen. Allerdings betonten sowohl der Élyséepalast als auch Ghosn die Bedeutung der staatlichen Unterstützung für die Fertigung in Frankreich. Ghosn verwies auf die Abschaffung der Gewerbesteuer, der Élysée auf die Mittel für den Bau von Renault-Elektroautos.

          Frankreich hatte Renault 2009 mit drei Milliarden Euro durch die Krise geholfen. Für die Fertigung von E-Autos und Batterien in Flins bekommt Renault eine Viertelmilliarde vom Staat, dem Staatsfonds FSI und dem Kommissariat für Atomenergie. Außerdem fördert Paris den Kauf der E-Autos mit 5000 Euro Bonus und dem Aufbau der Infrastruktur.

          Der Staat ist mit 15,01 Prozent größter Aktionär von Renault.

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