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Automobilindustrie : Es gab schon schönere Zeiten

Bild: F.A.Z.

Die Autohersteller stehen vor einem schwierigen Jahr. Klimaschutz und steigender Spritpreis verleiden die Lust am Fahren. Mercedes, BMW und Audi sind geschockt. Mehrere Tausend Euro kann der Klimaschutz pro Neuwagen kosten. Und auch in Amerika sind die Prognosen nicht rosig.

          Großer Auftrieb für ein kleines Auto: Daimler will in diesem Jahr die Amerikaner für seinen Öko -Winzling Smart begeistern und zieht alle Register. Auf der Detroit Motor Show wird der Kleinstwagen nächste Woche ins Rampenlicht gerückt. Und noch bevor das erste Auto Mitte Januar zu einem der 74 Händler kommt, fahren einige Exemplare seit Wochen durch 60 amerikanische Großstädte. Daimler-Chef Dieter Zetsche ließ es sich nicht nehmen, den Smart persönlich amerikanischen Regierungsvertretern vor der Handelskammer in Washington anzupreisen: als „umweltfreundliche Lösung für die Mobilität der Zukunft“.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Seit der Amerikaner den Umweltschutz auf dem Highway entdeckt und selbst beim Truckfahrer an der Zapfsäule bei der Gallone Super für 3,80 Dollar das große Rechnen begonnen hat, sind im Land der Straßenkreuzer sparsame Autos populär. Keine Frage: Ein Smart, auf westeuropäischen Straßen seit zehn Jahren Alltag, erregt jenseits des Atlantiks noch Aufmerksamkeit. „Mehr als 50.000 Amerikaner haben den Smart bereits bei unserer Road Show getestet, und über 30.000 haben inzwischen ein Fahrzeug reserviert“, stellte Zetsche zufrieden fest. Es ist noch gar nicht lange her, da musste Daimler allein eine Milliarde Euro aufwenden, um das Desaster mit einer viersitzigen Version des Smart zu beenden. Die Schwaben brauchen gute Nachrichten, erst recht im Jahr eins nach dem Chrysler-Debakel.

          „Es sind enorme Anstrengungen nötig“

          Abseits der jungen Wachstumsmärkte in China und Indien, auf denen gerade die Autohersteller aus der Alten Welt stürmische Verkaufserfolge feiern, werden die Zeiten härter. Längst ist der Klimaschutz auf den gesättigten Automärkten in Westeuropa und Nordamerika zu einem beherrschenden Thema geworden. Die Brüsseler CO2-Pläne verteuern klimaschädliche Neuwagen. Wer ein großes Auto kauft, muss auch für den Klimaschutz zahlen, lautet das schlichte Argument von EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Mercedes, BMW und Audi sind geschockt. Unwiderruflich vorbei sind die Zeiten niedriger Spritpreise. Der hohe Ölpreis definiert nach Einschätzung von Fachleuten das Lastenheft für die säumigen Autokonstrukteure. Nun trimmen sie ihre Autos mit effizienteren Motoren, besserer Aerodynamik und Leichtbauweise auf Sparsamkeit. „Schnell, schön und sicher reicht heute nicht mehr“, sagt etwa Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. „Jetzt müssen alle Motoren noch verbrauchsärmer werden.“

          Ein Smart in Pittsburgh: Das Miniauto soll in Amerika eingeführt werden

          Das kostet Geld. BMW-Chef Norbert Reithofer wird nicht müde, die sinkende Unternehmensrendite mit den Milliardeninvestitionen in umweltfreundliche Technik zu begründen. Technisch dürften auch die Hersteller großer Autos die neuen Anforderungen meistern: „Die deutschen Autohersteller haben die Euro-1- bis Euro-5-Normen überlebt. An der CO2-Norm werden sie nicht scheitern“, sagt Werner Stäblein von der Ratingagentur Standard & Poor's, „aber es sind enorme Anstrengungen nötig.“

          Teurer wird es für den Autokäufer. Die neuen Klimaschutzvorgaben werden die Preise für einen Neuwagen nach Berechnungen der EU-Kommission um durchschnittlich 1300 Euro nach oben treiben: BMW und Mercedes werden um durchschnittlich 2000 Euro teurer, bei Porsche schlägt der Klimaaufpreis mit mehr als 10.000 Euro am heftigsten zu Buche. Zahlt der Verbraucher für den Klimaschutz auch? Zweifel sind angebracht. In Deutschland akzeptiere nur jeder fünfte Autofahrer einen höheren Preis für ein schadstoffarmes Hybridfahrzeug, das sowohl mit Verbrennungs- als auch Elektromotor fährt, lautet das Ergebnis einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC).

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