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Automobilindustrie : Daimler fordert staatliche Kaufprämie für Elektroautos

  • -Aktualisiert am

„Attraktiv, cool, sicher und komfortabel”: Der smart fortwo electric drive 2009 Bild: Daimler AG

Ohne staatliche Hilfe sieht Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber schwarz für das Ziel, die neue Antriebstechnik millionenfach auf die Straße zu bekommen. Zudem müsse gleichzeitig mehr Begeisterung für Elektroautos entfacht werden.

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          Für die Forschung an Elektroautos braucht man in Deutschland 4 Milliarden Euro bis 2013 - das ist die Botschaft an die Bundeskanzlerin, wenn nächsten Dienstag die Nationale Plattform Elektromobilität, kurz NPE, ihren Zwischenbericht abgibt. Von solchen Summen, die in die Forschung fließen, übernimmt der Bund üblicherweise knapp die Hälfte. Ein dicker Brocken, wenn man bedenkt, dass die Autoindustrie den Steuerzahler im vergangenen Jahr schon 5 Milliarden Euro gekostet hat, die in die Abwrackprämie geflossen sind.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Doch die Industrie macht eine andere Rechnung auf: Es gehe darum, rund eine Million Arbeitsplätze in der Branche auch für die Zukunft zu sichern. „Der vom Bund zu übernehmende Teil wäre sehr gut investiertes Geld“, wirbt daher Thomas Weber, der im Daimler-Vorstand für Forschung und Entwicklung verantwortlich ist. „Jetzt geht es um den Durchbruch einer neuen Technologie und darum, wie Deutschland hier Leitmarkt und Leitanbieter werden kann.“

          „Wow, das ist die Zukunft“

          Die Forderung nach weiteren Subventionen klingt in dieser Formulierung schon an, und tatsächlich hätte die Branche am liebsten eine staatliche Kaufprämie für Elektroautos. In Frankreich, den Vereinigten Staaten und vor allem China können Autohersteller auf die Unterstützung der Regierung bauen - weshalb die deutsche Industrie sich schon in Bedrängnis sieht. „Elektrofahrzeuge brauchen mindestens zu Beginn zusätzlich Kaufanreize, um sich als neue Technologie am Markt zu etablieren. Wenn wir dies nicht ernst nehmen, wird es im internationalen Wettbewerb zu Verzerrungen kommen“, warnt Weber und fügt hinzu: „Ohne Kaufprämie für Elektrofahrzeuge könnte Deutschland das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland auf die Straße zu bringen, verfehlen.“

          Kooperiert in China mit dem Batteriespezialisten BYD: Daimler-Forschungschef Thomas Weber

          Begeisterung fürs Elektroauto müsste gleichzeitig auch noch verbreitet werden, mahnt Weber: „Die Menschen werden Elektroautos nicht nur kaufen, damit sie die Umwelt schonen. Es gilt, Elektroautos anzubieten, die umweltverträglich und gleichzeitig attraktiv, cool, sicher und komfortabel sind.“ Ein Loblied auf das elektrische Fahren zu singen fällt ihm leicht.

          Am besten aber sei es, wenn die Menschen selbst die Chance hätten, einmal mit dem Elektroauto zu fahren, wozu sogenannte Schaufensterprojekte der Nationalen Plattform dienen. „Sie können mit einem Elektroauto jeden Sportwagen an der Ampel hinter sich lassen, und zwar mit null Emissionen. Die meisten Leute sind von dem hohen Drehmoment und vom Fahrspaß begeistert“, berichtet Weber von entsprechenden Veranstaltungen. Außerdem komme gut an, dass so ein Elektroauto extrem leise sei: „Sie hören erst bei Geschwindigkeiten von mehr als 30 Stundenkilometern ein Fahrgeräusch. Die meisten, die es selbst erlebt haben, sagen: Wow, das ist die Zukunft.“

          Bergauf und bergab durch Stuttgart

          Wie die Verbraucher tatsächlich den Alltag mit Elektroautos erleben werden, ist einstweilen noch Gegenstand der Forschung. Die unterschiedlichsten Aspekte werden in derzeit acht Modellregionen in Deutschland untersucht, wobei nicht nur Autohersteller und Zulieferer aktiv sind, sondern auch Energiekonzerne und die Politik ihre Vorschläge wie auch Bedenken einbringen - schließlich sind die Themen reichlich komplex, wie der Daimler-Vorstand erklärt.

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