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Automobile : Spritschlucker sorgen für Rekordverlust bei Ford

  • Aktualisiert am

Rekordverlust Bild: AP

Der amerikanische Autobauer Ford hat im Jahr 2006 den höchsten Verlust der Firmengeschichte zu beklagen: Mit mehr als 12 Milliarden Dollar lag der Konzern im Minus. Das Unternehmen hatte zu langsam auf die wachsende Nachfrage nach sparsameren Autos reagiert.

          Der amerikanische Autohersteller Ford Motor Co. hat im vergangenen Jahr den größten Verlust seiner Geschichte ausgewiesen. Das 103 Jahre alte Unternehmen meldete am Donnerstag für 2006 einen Nettoverlust von 12,7 Milliarden Dollar. Das übertrifft den bisherigen Negativrekord eines Fehlbetrags von 7,4 Milliarden Dollar im Jahr 1992.

          Damit stellt Ford sogar noch den Verlust von 10,6 Milliarden Dollar in den Schatten, den der Wettbewerber General Motors (GM) im Jahr 2005 eingefahren hat. Vor einem Jahr galt GM noch als der größte Krisenfall der Branche, das Unternehmen hat sich seither aber etwas erholt, wenngleich es zuletzt auf seinem amerikanischen Heimatmarkt noch immer mit Verlusten gekämpft hat. GM wird am kommenden Dienstag seine Zahlen vorlegen.

          Lage hat sich zugespitzt

          Bei Ford hat sich im Gegensatz zu GM die Lage im vergangenen Jahr erheblich zugespitzt. Ein vor rund einem Jahr angestoßenes Sanierungsprogramm erwies sich schnell als viel zu zögerlich, weil Ford das Geschäft in Amerika regelrecht wegbrach. Gerade die traditionell wichtigsten Gewinnbringer - große sportliche Geländewagen und Transporter (Pick-Ups) - verkauften sich immer schlechter. Vor dem Hintergrund hoher Benzinpreise stiegen Amerikaner zunehmend auf kleinere und kraftstoffsparende Modelle um, und hier hatten japanische Anbieter wie Toyota eine bessere Auswahl. Nicht nur Ford, sondern auch GM und Chrysler, die Tochtergesellschaft des Stuttgarter Daimler-Chrysler-Konzerns, verloren in Amerika im vergangenen Jahr Marktanteile.

          Ford reagierte im September mit einem beschleunigten Sanierungsprogramm. Insgesamt sollen nun 44 000 Mitarbeiter in Verwaltung und Produktion das Unternehmen verlassen und 16 Werke geschlossen werden. Kurz vor der Ankündigung dieses Sparpakets trat Vorstandschef Bill Ford von seinem Posten zurück und wurde mit Alan Mulally ersetzt, der vom Flugzeugbauer Boeing kam.

          Hohe Aufwendungen für die Restrukturierung

          Ein großer Teil des Verlustes - 9,9 Milliarden Dollar nach Steuern - hat mit Restrukturierungsaufwendungen zu tun. Ohne Sonderposten hätte Ford einen Verlust von 2,8 Milliarden Dollar ausgewiesen. Im Jahr 2005 schaffte das Unternehmen noch einen Nettogewinn von 1,4 Milliarden Dollar. Allein im vierten Quartal gab es einen Verlust vor Sonderposten von 2,1 Milliarden Dollar oder 1,10 Dollar je Aktie. Das ist noch einmal etwas mehr als von Analysten erwartet, die im Schnitt von einem Verlust je Aktie von 1,01 Dollar ausgingen. Der Konzernumsatz schrumpfte um 9 Prozent auf 160 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs notierte am Donnerstag leicht im Minus.

          Allein im amerikanischen Autogeschäft wies Ford für das Gesamtjahr 2006 einen Vorsteuerverlust von 6,1 Milliarden Dollar und für das Schlussquartal von 2,8 Milliarden Dollar aus. Diese Verluste kommen allein vom operativen Geschäft und beinhalten keine Restrukturierungsaufwendungen. Ford musste im vierten Quartal in Amerika einen Umsatzeinbruch um 30 Prozent auf 15,1 Milliarden Dollar hinnehmen. Ford rechnet in Amerika auch in den ersten drei Quartalen dieses Jahres mit rückläufigen Marktanteilen.

          In Europa schaffte Ford im vergangenen Jahr einen Vorsteuergewinn von umgerechnet 469 Millionen Dollar, nach 73 Millionen Dollar im Vorjahr. Dagegen gab es in der Luxussparte Premier Automotive Group (PAG) einen Verlust von 327 Millionen Dollar, im Vorjahr waren es 89 Millionen Dollar. Zur PAG gehören die Marken Jaguar, Aston Martin Volvo, Land Rover und Aston Martin. Aston Martin steht zum Verkauf, und auch der Verbleib von Jaguar im Ford-Konzern ist unsicher.

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