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Automobile : Smart bremst beim Geländewagen Formore

  • Aktualisiert am

Smart auf der Essener Motorshow Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Messeauftritt des neuen Geländewagens „Smart Formore" bei der Detroit Motor Show im Januar ist abgesagt. Der Vorstand überdenkt seinen Modell- und Vertriebskurs.

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          Die Meldung im Autofahrer-Magazin "auto motor und sport" ist ganz unauffällig, birgt aber Sprengstoff: Smart, die Kleinstwagen-Tochter des Stuttgarter Autokonzerns Daimler-Chrysler, habe den geplanten Messeauftritt des neuen Geländewagens „Smart Formore" bei der Detroit Motor Show Anfang Januar abgesagt, heißt es dort. Ulrich Walker, der neue Smart-Chef, und Eckard Cordes, seit Herbst im Daimler-Chrysler-Vorstand für die Marken Mercedes, Smart und Maybach verantwortlich, wollten sich drei bis vier Monate Zeit nehmen, um den künftigen Modell- und Vertriebskurs der defizitären Kleinwagenmarke des Konzerns festzulegen.

          Vor allem der zu geringe Absatz hatte in der Vergangenheit dafür gesorgt, daß das Erreichen der Gewinnzone in immer weitere Ferne rückte. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, daß die Studie des Geländewagens tatsächlich nicht in Detroit gezeigt werde. Aber: „Es gibt keine Entscheidung, den Smart Formore nicht zu bauen." Geplant sei weiterhin, das eigens für den amerikanischen Markt entwickelte Fahrzeug von 2006 an in Brasilien zu bauen.

          Denkpause der Daimler-Manager

          Die Denkpause der Daimler-Manager läßt indes Spekulationen ins Kraut schießen. Denn seit im Oktober der damalige Daimler-Chrysler-Finanzvorstand Manfred Gentz angekündigt hatte, für den Dauer-Verlustbringer Smart müßten „alle Optionen" geprüft werden, wird besonders skeptisch alles beäugt, was Smart betrifft. „Diese Marke wird auch weiterhin ihren festen Platz bei uns haben", verkündete Konzernchef Jürgen Schrempp zwar erst vor wenigen Tagen in der „Headline", einem Newsletter für Führungskräfte des Autoherstellers.

          Doch dem Frieden trauen nicht alle. Bei Smart sind dem Vernehmen nach die Reisen von einigen Mitarbeitern ins brasilianische Produktionswerk Juiz de Fora (wo bisher mit wenig Erfolg die Mercedes-A-Klasse gebaut wurde) abgesagt worden. Das paßt zu der Tatsache, daß den Messebesuchern in Detroit noch kein Appetit auf den Smart-Formore gemacht wird. Statt dessen beläßt es Daimler-Chrysler bei der Detroit Motor Show mit der „Präsentation der für den dort geplanten Markteintritt vorbereiteten Markenkommunikation" - wobei unklar ist, wie ein Kommunikationskonzept aussehen soll, solange die zugrunde liegenden Produktentscheidungen und Strategien nicht festgezurrt sind.

          In der Smart-Pressestelle sieht man dieses Problem nicht. Der Smart verkörpere grundsätzlich die Werte „Innovation, Funktionalität und Lebensfreude" - „und an diesen Maßstäben muß sich jedes Produkt messen". Alle bisherigen Modelle der Smart-Produktpalette sind nicht für den nordamerikanischen Markt gedacht. Weil dort andere Sicherheitsvorschriften gelten, wären Umbauten notwendig, hieß es bisher immer. Neuerdings indes versucht ein freier Importeur sein Glück mit dem Smart-Vertrieb und verbreitet geradezu euphorische Meldungen über seine Absatzziele. 15 000 Zweisitzer jährlich will er verkaufen - verglichen mit einem Absatzziel von 155 000 Fahrzeugen aller Modelle, die Smart weltweit selbst verkaufen will. "Nachdem Smart Europa im Sturm genommen hat, bringt ZAP nun die amerikanische Version", wirbt der kalifornische Händler auf seiner Homepage (www.zapworld.com).

          Zögerlich in Amerika

          Bei Smart in Böblingen legt man Wert auf die Feststellung, daß dieser Unternehmer kein autorisierter Smart-Händler ist: „Wir unterstützen das nicht. Denn wir sehen keinen Sinn darin, Autos anzubieten, für die es beispielsweise kein Service-Netz gibt." Woher der Händler die Fahrzeuge bezieht, ist noch ein Rätsel. Bisher sei ja erst ein einziges Auto über die Auktionsplattform Ebay verkauft worden, die anderen Absatzmeldungen seien noch nicht durch Auslieferungen unterlegt worden, heißt es - sollten tatsächlich einmal 15.000 Autos abgesetzt werden, werde man die Kanäle schon finden.

          Etwas Positives kann man dem Wirbel, den ZAP macht, sogar abgewinnen - zumal der kalifornische Händler die Autos zu ordentlichen Preisen anbietet: „Natürlich freuen wir uns immer, wenn das Auto positiv aufgenommen wird." Bei der Belegschaft von Smart wecken auch andere Ereignisse Hoffnung. Gestern zeigte die „Bild"-Zeitung ein Foto von einem getarnten Prototyp des Geländewagens, der mit rund 4,50 Meter Länge übrigens ähnliche Ausmaße hat wie beispielsweise der C-Klasse-Kombi von Mercedes. Das Bild des Formore wurde geschossen, als der Smart vom Wintertest in Schweden zurückkehrte - ganz auf Eis liegen die Pläne für das Auto also offenbar noch nicht.

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